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Gute Nachrichten

Andreas Kühne-Glaser

Autor:

Superintendent

"Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten...!" Ist das so? Warum sind wir eigentlich immer so darauf bedacht, in den Zeitungen eher das lesen zu wollen, was bedrohlich ist und uns Angst macht? Ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum die meisten Zeitungen voll von Katastrophennachrichten sind und so wenig Gutes drin steht. Sind wir Menschen so überheblich, dass uns immer nur das wichtig erscheint, was nicht in Ordnung ist? Ist uns das, was funktioniert, was gut ist und gelingt, jeden Tag neu, einfach zu selbstverständlich? Hin und wieder fällt mir auf, für wie viele Dinge wir dankbar sein können. Zum Beispiel, dass die Ehe von Müllers nebenan auch im 29. Jahr immer noch glücklich ist. Oder dass der Jan von schräg gegenüber schon seit drei Jahren richtig gut mit dem Michael aus der Parallelklasse befreundet ist. Jeden Tag seheich sie zusammen spielen. Und was die alles machen! Oder dass Herr Mayer seinem Lkw, den er täglich bei der Arbeit fährt, am Abend immer wieder an derselben Stelle zwei Straßen weiter abstellt, und er hatte noch nie einen Unfall und seinen Job bei der Gartenbaufirma schon seit fünfzehn Jahren. Oder dass die Gasleitung im Keller auch schon im 22. Jahr immer noch dicht hält und es ist nichts passiert. Oder das Kernkraftwerk in Grohnde. Wann ist das nochmal eingeweiht worden, und wie lange läuft es jetzt schon störungsfrei, auch wenn ich selbst kein Freund der Atomkraft bin? Mein Gott, es funktioniert so vieles in unserer Gesellschaft nicht, aber das, was funktioniert, ist doch weit mehr, oder? Liebe Nachrichtenmacher: Ist das nicht genauso eine Meldung wert? Diese unzähligen Selbstverständlichkeiten, die täglich in großer Zuverlässigkeit geschehen und doch keine Selbstverständlichkeiten sind. Warum sprechen wir nicht mehr über das, was man eine gute Nachricht nennen kann? Der Dichter Christian Morgenstern sieht das ähnlich und doch anders. Für ihn istdas Gute die Abwesenheit des Bösen, darum kann er sagen: "Es müsste Zeitungen geben, die immer gerade das mitteilen und betonen, was augenblicklich nicht ist. Zum Beispiel: Keine Cholera! Kein Krieg! Keine Revolution! Keine neue Steuer! Die Freude über die Abwesenheit großer Übel würde die Menschen fröhlicher und zur Ertragung der gegenwärtigen Übel tauglicher machen!" Gut so, kann ich unterschreiben, aber noch mehr will ich michüber die Anwesenheit des Guten und scheinbar Selbstverständlichen freuen, und davon gibt es mehr, als wir denken. Wirklich! ist Superintendent im Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg.




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