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Müllverbrennung im GKV: Bürgerinitiative kritisiert Bericht als undurchsichtig / Klage vor dem OVG

Gutachter: Keine messbare Gefahr für die Umwelt

Rinteln/Veltheim (ly). In Veltheim nichts Neues: Von der Müllverbrennung im Gemeinschaftskraftwerk (GKV) geht keine messbare Gefahr für die Umwelt aus. Sinngemäß steht das im Abschlussbericht der Fachhochschule Lippe-Höxter, den Prof. Wolfhelm Bitter jetzt vorgelegt hat.

Ähnliche Ergebnisse hatten bereits mehrere Quartalsberichte gebracht. Rolf Baumeister, einer der GKV-Geschäftsführer, sieht damit den "Nachweis erbracht, dass wir die Umwelt durch Mitverbrennung von Müll nicht zusätzlich belasten". Negative Auswirkungen auf die Messergebnisse an der Station "Zur Lüchte", so Baumeister, seien nicht festzustellen. Durch die Großwetterlage würden diese stärker beeinflusst als vom Kraftwerk. Von weiteren Untersuchungen ist keine Rede. "Für uns ist dies abgeschlossen", erklärte der Geschäftsführer auf Nachfrage. Ausgestanden ist die Sache aber noch nicht: Anfang Dezember verhandelt das Oberverwaltungsgericht Münster über Klagen gegen die Müllverbrennung im Veltheimer Kohlekraftwerk. Zuvor soll das Bitter-Gutachten noch einmal im Portaner Umweltausschuss erläutert werden. Unbeirrt in ihrer Kritik an den Messungen, die im März 2007 begonnen hatten, zeigt sich die Bürgerinitiative (BI) "Saubere Umwelt ohne Müllverbrennung im GKV". Vorsitzende Birgit von Lochow: "Es wird ein Geheimnis daraus gemacht, wann an welchem Tag wie viel verbrannt wurde." Laien können der überwiegend wissenschaftlichen Diskussion kaum noch folgen. Zur Aufklärung einer breiten Bevölkerung trugen Bitter und mehr noch der meteorologische Gutachter Prof. Klaus Maßmeyer mit streckenweise schwer verständlichen sowie recht langen Vorträgen eher wenig bei. Teile desüberschaubaren Publikums im vielleicht halb vollen Informationszentrum des Kraftwerks wirkten nach der ersten von mehr als zwei Stunden ermüdet oder genervt, einige Zuhörer verließen vorzeitig den Raum. Bloß die beiden Professoren waren in ihrem Element. Projektleiter Bitter kommt zu dem Schluss, dass die "Ergebnisse der Immissionsmessungen bis auf wenige Einzelfälle keine Abhängigkeit vom Kraftwerksbetrieb erkennen lassen". Freiübersetzt: Dass dort ein Kraftwerk steht, lässt sich nicht ersehen. Ähnliche Konzentrationen seien auch an Orten in anderen Regionen zu finden. Der GKV-Container an der "Lüchte" gilt als "Aufschlagspunkt" für Schadstoffe. Der Standort war zusammen mit BI und der Stadt Porta Westfalica ausgesucht worden. Nach den Erkenntnissen Bitters liegen die Immissionen auf "niedrigem bis mittlerem Niveau". Der Abstand zu Grenz- beziehungsweise Richtwerten sei "für alle untersuchten Luft-Inhaltsstoffe sehr deutlich". Unter Immissionen versteht man Schadstoffe in der Luft, zum Beispiel Stickstoffmonoxid, Schwefeldioxid oder Stickstoffdioxid. Gemessen werden an der "Lüchte" ausgewählte Schadstoffe, für die es Grenzwerte gibt. Emissionen sind das, was aus dem Schornstein kommt. Als größte Emissionsquelle gilt früheren Gutachten zufolge der Straßenverkehr, speziell auf der nahen Autobahn. GKV-Gegner sehen dagegen im Kraftwerk den kreisweit stärksten Luftverschmutzer. Mit den Ergebnissen im Schlussbericht gibt sich die Bürgerinitiative nicht zufrieden. Aus Sicht Birgit von Lochows ist "der letzte Schritt nicht vollzogen". Ihre Kritik: "Emissionen, Immissionen, Meteorologie und wann was verbrannt wurde, sind nicht zueinander in Beziehung gesetzt worden, obwohl die Daten vorhanden sind." Damit sei die Fragestellung nicht beantwortet. "Wir bemühen uns, die Umwelt möglichst wenig zu belasten", versichert Rolf Baumeister. "Das ist unsere Aufgabe." An die Grenzen gegangen ist die Anlage bei den "heizwertreichen Fraktionen'' (Abfall) nach GKV-Angaben bisher erst stundenweise. Das Ziel sind zehn Tonnen stündlich.




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