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CIMA-Experten befürchten Konkurrenzstandort zur Innenstadt / SMS sieht eigene Position bestätigt

Gutachter: Festplatz ist tabu für Einzelhandel

Stadthagen (ssr). Der Festplatz sollte als Standort für die Ansiedlung von Einzelhandel komplett tabu sein. Das ist eine zentrale Botschaft des noch nicht veröffentlichten "Einzelhandelskonzepts für Stadthagen", das die "CIMA Stadtmarketing GmbH" (Lübeck) im Auftrag der Stadt erarbeitet hat. Das Stadtmarketing Stadthagen (SMS) begrüßt diese Sichtweise. Bürgermeister Bernd Hellmann bekundete, mit der Empfehlung leben zu können.

Die Experten der CIMA halten den Festplatz als Standort für Einzelhandel "generell nicht geeignet". Dafür führen sie zwei Begründungen an: Der Festplatz sei 350 Meter von der Altstadt entfernt. "Aufgrund dieser deutlichen räumlichen Trennung sind bei einer Einzelhandelsnutzung keine positiven Effekte für die Innenstadt zu erwarten", folgern die Gutachter. Im Gegenteil würde ein Konkurrenzstandort zur Innenstadt entstehen. Selbst die Ansiedlung eines kleineren Nahversorgers empfehlen die Experten auszuschließen, denn ein solcher wäre ein Konkurrent für das kleine Handelszentrum Breslauer Straße. CIMA-Gutachter Sascha Anders ist sicher: Nur ganz wenige Kunden würden in einem Einkaufsmarkt auf dem Festplatz einkaufen und anschließend noch in die Altstadt spazieren. "Das macht doch kein Mensch", formulierte er gestern auf Anfrage. Denn die Analyse des Stadtplaners ist eindeutig: "Altstadt und Festplatz sind zwei separate Standorte." Eine "funktionale Verbindung" zwischen beiden durch die Enzer Straße sei nicht möglich: "Da nützt auch ein hübscherer Bürgersteig nichts", ist Anders überzeugt. Das bedeutet aus Sicht der CIMA-Experten: Einzelhandel auf dem Festplatz würde der Altstadt erstens Kaufkraft entziehen und auch nicht für zusätzliche Laufkundschaft sorgen. Weil die Versorgungsdichte der Stadthäger Innenstadt mit Einzelhandel in der Summe schon sehr gut sei, würde es durch die Entwicklung zusätzlicher Standorte "durch wachsende Konkurrenz lediglich zu Kaufkraftverlagerung kommen", so Anders. Anders als beim Festplatz könne es in dem einen oder anderen Stadtteil durchaus sinnvoll sein, zusätzliche Nahversorger anzusiedeln, fügte der Experte hinzu. "Das Gutachten stimmt in Sachen Festplatz voll mit der Meinung des SMSüberein, die wir schon vor zwei Jahren vertreten und dafür aus bestimmter Richtung Schläge bekommen haben", kommentierte SMS-Vorsitzender Andreas von Schöning das CIMA-Gutachten. Für eine alternative Nutzung des Festplatzes gebe es "kein Patentrezept", räumte von Schöning auf Nachfrage ein. Erst müsse ein Konzept zum Thema der maroden Festhalle her, und davon hänge die Entwicklung von Gestaltungsideen für den Festplatz ab. Auf jeden Fall sei eine optische Aufwertung der großen Fläche, etwa durch Grünanlagen, erforderlich: "Da könnte mit wenig Aufwand viel erreicht werden." Von Schöning betonte, das SMS sei bereit, an einem Zukunftskonzept für den Festplatz aktiv mitzuarbeiten. Bürgermeister Bernd Hellmann (SPD) teilt die CIMA-Analyse. Mit der Empfehlung, dort Einzelhandel völlig auszuschließen, "kann ich leben", sagte er. 2008 werde es bei der Debatte um das Thema Festhalle/Zehntscheune indirekt auch um Alternativen für den Festplatz gehen.

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