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Vor Gericht: Hessisch Oldendorfer (22) streitet Vorwürfe ab / Lügt das Opfer?

Gruppenvergewaltigung - oder nicht

Bückeburg/Stadthagen (menz). Schwere Sexualdelikte wirft die Staatsanwaltschaft Bückeburg einem 22-Jährigen aus Hessisch Oldendorf vor. Mit zwei Kumpels soll der junge Mann seine Bekannte aus dem hiesigen Landkreis im Sommer 2006 zu einer nächtlichen Spazierfahrt im Auto eingeladen haben und bei einem Halt auf einem Feldweg zwischen Beckedorf und Ottensen zusammen mit einem der noch unbekannten Begleiter vergewaltigt haben. Seit kurzem muss sich der Schüler am Amtsgericht Stadthagen vor dem Schöffengericht verantworten.

Die Vorwürfe sind geeignet, jedem Angeklagten den Schweiß auf die Stirn zu treiben; nicht so dem jungen Mann. Der junge Mann zeigte sich am ersten Verhandlungstag unbeeindruckt. Munter streckte er seine Glieder, gut gelaunt zwinkerte er ins Publikum; es schien, als sei er überzeugt davon, dass er sich keine Sorgen machen muss über den Ausgang des Verfahrens. "Das stimmt nicht", kommentierte er die Anklageschrift und unterstrich "ich habe mir nichts vorzuwerfen". Einen Verteidiger hatte er eigentlich für überflüssig gehalten, der ist aber Vorschrift in einem Verfahren mit so hoher Straferwartung. Wenn nicht "aus Spaß", dann habe ihn die junge Frau vielleicht wegen enttäuschter Erwartungen angezeigt, rätselte der Mann über einen Racheakt der ehemaligen Bekannten. Sie habe "mehr gewollt", war er sich sicher und sagte, er selber sei lediglich an sexuellem Umgang mit ihr interessiert gewesen. Und den Kontakt habe er schon vor der fraglichen Nacht aufgegeben. Weil allzu Privates zur Sprache kommen sollte, durfte das mutmaßliche Opfer der Vergewaltigung in nichtöffentlicher Sitzung aussagen. Es zeichnete sich ab, dass die Verteidigung dessen Glaubwürdigkeit bezweifeln würde. Angriffsfläche bietet die junge Frau, weil sie in einem zurückliegenden Vergewaltigungsverfahren falsche Angaben gemacht hat. Aus Gefälligkeit für eine Freundin hatte sie bei polizeilichen Vernehmungen gelogen. Mehr oder weniger unterschwellig wurde der jungen Frau leichtfertiger Umgang mit Männern vorgehalten und recht unverhüllt zeigte sich, dass in Fragen der Tugend unterschiedliche Maßstäbe gelten. Spitz stellte der Vorsitzende Richter die rhetorische Frage, ob es für Männer den Begriff "Schlamperich" gibt. Zu bewahrheiten schien sich in der Verhandlung auch die Erfahrung, dass Frauen mit Geschlechtsgenossinnen mitunter besonders streng sind. Was die ehemals beste Freundin des mutmaßlichen Opfers aussagte, stellte sogar die wenig schmeichelhaften Beschreibungen des Angeklagten in den Schatten. Die Freundin glaubt nicht an eine Vergewaltigung, sie ist überzeugt, dass die junge Frau lügt. Die Untersuchung des mutmaßlichen Opfers durch einen Rechtsmediziner hat keinen eindeutigen Befund ergeben. Blaue Flecken und Hautabschürfungen passten zu der Schilderung der jungen Frau, belegten aber nicht zwangsläufig ein Sexualdelikt, fasste der Sachverständige die Untersuchungsergebnisse zusammen. Mit etlichen Zeugen wird der Prozess noch im Februar fortgesetzt.

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