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Grundschule Bad Münder inszeniert „Momo“

BAD MÜNDER. Zeit. Oft fehlt sie. Zum Innehalten, zum Nachdenken. Zeit und fehlende Zeit sind bereits im Kindesalter ein Thema – und die Grundschule Bad Münder holte jetzt die Auseinandersetzung mit der Zeit als Musiktheaterstück „Momo“ auf die Bühne. Sogar die große Bühne:

Momo im Gespräch mit Meister Hora, dem Wächter über die Zeit. Foto: Honig

Autor

Gerhard Honig Reporter

Zu gleich zwei öffentlichen Vorstellungen wurde in den Martin-Schmidt-Konzertsaal geladen.

Ausgefallene Projektionen und Lichteffekte erwarteten die Zuschauer, dazu war die Zeit allgegenwärtig: Gnadenlos tickende Zeiger und genau getaktete Einsätze des Chores: Die Musiklehrkräfte Matthias Brodtmann und Carolin Heine hatten den großen Grundschulchor gut vorbereitet. Sprechmotetten wie „Zeit im Takt“ oder „Zeit für mich“, die Orchester-AG mit „Monotonie“ und „Momo’s Theme“ sowie „improimTakt“ – anspruchsvolle Stücke, deren Wiedergabe äußerste Präzision und Disziplin verlangen. Im Wechsel zwischen Chor und Orchester die Begegnungen mit Momo, die immer Rat wusste, wie das Zeitmanagement mit den persönlichen Bedürfnissen der Kinder, oftmals in krasser Abweichung von der Freizeitplanung der Eltern, für alle verträglich ablaufen könnte.

Die Grundschule hatte sich in Zusammenarbeit mit der Kunstwerkstatt Bad Münder das Ziel gesteckt, das aufwändige Musiktheaterprojekt zu realisieren – und eine Idee Jasmin Iredis umgesetzt. Sie hatte gemeinsam mit Tanja Westphal die schauspielerische Leitung inne. Das Projekt basiert auf der Grundidee des gleichnamigen Kinderbuchs von Michael Ende: Momo bringt den Menschen die Zeit zurück, nachdem diese zuvor von den „grauen Herren“ gestohlen wurde. In dieser Bearbeitung werden reale und fiktive Elemente zu Handlungssträngen verbunden. Alles hat seine Zeit, ist die Haupterkenntnis – aber keine Minute darf vergeudet werden, alles ist „durchgetaktet“, auch die Kinder hetzen schon von Termin zu Termin.

Das Stück hinterfragt aber durch Meister Hora, den Wächter über die Zeit, diese „irre“ Haltung der Menschen, und er schickt als seine Helferin Momo zu den Kindern. Zuvor hatte der szenische Ablauf Tim und Marie als begeisterte Fußballspieler in Konflikten mit den Eltern gezeigt, die deren Zeit anders verplanen wollen. Dann war da noch Oskar, der Lesen und Schreiben in seiner Freizeit über alles liebt, sein Vater den aber lieber als Sportler auf dem Fußballfeld sehen will. Wo hört Zwang auf und wo fängt Freizeit an? Hier weichen, das wird auf der Bühne deutlich, die Anschauungen der Kinder oft von denen der Erwachsenen erheblich ab. Zeit ist Geld, Zeit ist Training, Zeitpläne, Stundenpläne, Fahrpläne, Dienstpläne, Flugpläne, Urlaubspläne, alle diese Begriffe sind geeignet, das Leben einzuengen. Darum wird die Empfehlung im Finale des Stückes von allen Akteuren lauthals in den Saal gerufen: Nimm dir Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Nimm dir Zeit, die Zusammenhänge dieser Welt zu erkennen. Nimm dir Zeit für deine Freunde, für deine Familie.

Mit anhaltendem Applaus dankt das sichtlich bewegte Publikum den Akteuren, mehr als einhundert Kindern und ihren Lehrkräften.

Als es nach dem Schlussapplaus wieder heller im Saal wird, gesteht ein sichtlich erleichterter Schulleiter, dass er „doch unter Strom gestanden„ habe. Fast ein dreiviertel Jahr hat die Probenzeit gedauert, die anspruchsvolle Inszenierung mit ihren Musik- und Theaterelementen, mit Schauspiel, Musik, Gesang und einem fantasievoll gestalteten Bühnenbild forderte alle Beteiligten. Und so bat Schulleiter Christoph Schieb die Eltern im Publikum um Verständnis und Nachsicht, wenn die eine oder andere Zensur ihrer Kinder unter der erhöhten Beanspruchung gelitten haben sollte.

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