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F. W. Meyer – ein Glücksfall für das Weserbergland

Großschifffahrtsstraße 1915 vorgestellt

In diesem Jahr wäre Friedrich Wilhelm Meyer 175 Jahre alt geworden. Im Februar 1840 wurde er in Oesterweg im Amt Versmold, nicht weit vom Teutoburger Waldentfernt, geboren. Mit 34 Jahren siedelte er mit seiner Familie nach Hameln über, um hier seine Pläne und Ideen, an der idealen Lage der Weser in Hameln, den Bau von Großmühlenanlagen, zu verwirklichen.

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VON GÜnTHER MEYER-HERMANN

In den Jahren 1880 bis 1894 ließ er auf dem Werder und der Fischpforte durch Wasserkraft der Weser angetriebene Turbinen für dadurch gesteuerte Großmühlen errichten. In Europa waren es zu dieser Zeit die größten Wassermühlen. Dazu gründete er im Jahr 1881 einen eigenen Schiffspark, um mit neu von ihm konstruierten eisernen Bockschiffen das Getreide für seine Mühlen von Bremen nach Hameln zu transportieren. Dazu ließ er zwei Schleppdampfer, „Victoria“ und „Germania“, für seine Flotte in Stettin bauen. Zwei Jahre später, 1883, gründete er auch die Oberweser-Personen-Dampfschifffahrts-Gesellschaft, welche sich über 80 Jahre im Familienbesitz befand und ein bedeutender Eckpfeiler des Fremdenverkehrs auf der Oberweser war. Im Jahr 1902 hatte er darüber hinaus den Wesergebirgsverein ins Leben gerufen, Vorreiter aller nachfolgenden Verkehrsvereine in Hameln.

Durch eine Menge Werbung im In- und Ausland erhoffte er sich eine weitere Zunahme von Urlaubern und Ausflüglern in der Oberweserregion, was ein besonderer Herzenswunsch von ihm war. Zu dieser Zeit zählte F. W. Meyer in Hameln und Umgebung nicht nur zu den größten Arbeitgebern, sondern war auch durch seine Firmen der Motor der hiesigen Wirtschaft. Er war ein Mann voller Energie und Tatkraft. So wurde er nicht nur zum Vorsitzenden der Handelsmüller und der Cakes- und Biskuitfabrikation Deutschlands gewählt, sondern auch zum Mitglied der Handelskammer Hannover ernannt. Er war ebenfalls führendes Mitglied des Reichsbörsenausschusses Deutschlands.

Regional war er Mitbegründer des Landkreises Hameln-Pyrmont, des Rudervereins RVW, des Museumsvereins, erreichte die Eröffnung einer Reichsbanknebenstelle für Hameln und gründete darüber hinaus einen Gemeinnützigen Bauverein, der im Laufe mehrerer Jahre ganze Straßenzüge preiswerter und gesunder Wohnhäuser für die arbeitende Bevölkerung schuf. Dieses war ein wesentlicher Beitrag zur Milderung der sozialen Gegensätze.

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  • Friedhelm Wilhelm Meyer 1880
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Nachdem er von der Stadt Hameln zum Senator ernannt wurde, betätigte er sich auch in der Politik. So war er des Öfteren in Berlin vorstellig, um dort Wünsche, Vorschläge zu unterbreiten oder Kritik zu äußern. Als Zollpolitiker machte er sich im gesamten Reich einen Namen, reiste mehrmals nach St. Petersburg, um dort mit dem Handelsminister Timiriaseff und dem Bruder des Zaren über Zollprobleme und Getreidetransporte nach Deutschland zu diskutieren.

Im Jahre 1892 wurde der Verein zur Wahrung der Schifffahrtsinteressen gegründet, in welchem F. W. Meyer als Vorstandsmitglied erheblich mitwirkte. Weiter wurde er von allerhöchster Stelle zum Mitglied des Hochwasserausschusses für die deutschen Flüsse ernannt und hatte den Vorsitz des Vereins für die Schiffbarmachung der Werra übernommen. So war er inzwischen zum führenden Wasserwirtschaftler geworden. Auf seine Initiative wurden die Edertalsperre und der Mittellandkanal gebaut.

Jedoch vor seine größte Herausforderung stellte ihn ein Projekt, welches er auf Anregung des Königs Ludwig III. von Bayern, in Angriff nahm: „Eine Großschifffahrtstraße von der Nordsee zum Schwarzen Meer über die Weser, Werra, Main, Donau zu planen!“, so seine Begründung.

Dieses zwischen Rhein und Elbe liegende Gebiet von der Nordsee bis zu den bayerischen Alpen, in der Breite von 300-400 km und einer Länge von 900 km, umfasst mehr als ein Drittel der Größe des Deutschen Reiches. Die geplante Großschifffahrtsstraße in Verbindung mit der Weser liegt ziemlich geradlinig in der Mitte zwischen Rhein und Elbe. Daher ist dieser Weg zur Donau mit der besonderen günstigen geografischen Lage von ganz erheblichem wirtschaftlichem Werte. Der größere Teil der deutschen Bundesstaaten ist an dem Ausbau dieser Wasserstraße lebhaft beteiligt. Das Bindeglied einer Großschifffahrtsstraße von der Nordsee zum Schwarzen Meer im Binnenlande stellt den Zusammenhang einer Interessengemeinschaft mit den Donaustaaten und der Türkei für einen zukünftigen Güteraustausch her und ist der Schlüssel zu den Toren Russlands, was für die fernere Zukunft von höchster politischer Bedeutung sein würde. Besonders starkes Interesse am Zustandekommen dieses Projektes zeigten Preußen, Hessen, Thüringen und Bayern. Darüber hinaus bestand insbesondere das Reichsinteresse.

Als F. W. Meyer die Planung fertiggestellt hatte, beauftragte er die Wilmersdorfer Spezialfirma für Wasserbauanlagen „Havestadt und Contag“, um die Machbarkeit dieses großen Projektes, mitten im Deutschen Reich, zu prüfen. Nachdem er für sein Werk grünes Licht bekam, bestätigt durch einige weitere Gutachten, stellte er im Jahre 1915, vor genau 100 Jahren, die Großschifffahrtsstraße der Öffentlichkeit vor. Die Gesamtkosten der 330 km langen Wasserstraße mit den Kraftanlagen, Talsperren und Schleusen setzen sich folgendermaßen zusammen: Baukosten der Schifffahrtsstraße Hann/Münden–Wernshausen60 Millionen RM, Werns-hausen–Main96 Millionen RM, Talsperren im Werra-Gebiet50 Millionen RM, Ausgleichsweiher18 Millionen RM, Abzweig-Kanalstrecke Hallstadt–Nürnberg incl. Talsperren und Kraftwerk 45 Millionen RM. Sind also mit insgesamt 269 Millionen Reichsmark beziffert sowie einer Bauzeit auf ca. acht Jahre angegeben. Die direkt beteiligten Länder waren von diesem Plan sehr angetan und sagten das Kapital zu.

F. W. Meyer bekam für seine Arbeit viel Lob und den höchsten preußischen Verdienstorden, den „Roten Adler Orden“, verliehen und vom König Ludwig III. von Bayern persönlich den „Michaelsorden“ überreicht. Dem Bau des Großprojekts stand nun eigentlich nichts mehr im Wege, wäre da nicht der Erste Weltkrieg dazwischen gekommen. Die bereits zugesagten Geldmittel für den Bau wurden nun nicht mehr bewilligt und F. W. Meyers Plan zu seiner großen Enttäuschung erst einmal ad acta gelegt.

Trotz manchen negativen Erfahrungen und Niederlagen in seinem erfolgreichen Arbeitsleben blickte er in seinem Privatleben auf viele schöne Jahre zurück. So war er auch hier recht fleißig, schenkte ihm seine Gemahlin Louise 11 Kinder. Im Jahre 1912 feierte er in seiner neu errichteten Villa auf der Pyrmonter Straße, die 1945 durch Kriegseinwirkung bis auf die Grundmauern niederbrannte, mit seinen Kindern und inzwischen 34 Enkelkindern die goldene Hochzeit. Im Jahre 1927, noch zu seinen Lebzeiten, konnte sich F. W. Meyer über ein Denkmal, als Ehrung für seine Lebensleistungen, auf den Klippen von Steinmühle, im Auftrage der Städte Hameln, Holzminden und Höxter voller Dankbarkeit, erfreuen.

Ein Auszug aus der Rede des Prof. Dr. Dieckhoff bei der Einweihungsfeier: „Wir sind heute hier versammelt, um F. W. Meyer mit diesem Denkmal zu ehren. Ein scharfer, sicherer Blick für das Richtige, ein kühner Mut zum frischen Zupacken und zur Tat auch da, wo andere nichts mehr erhoffen, ein zielbewusster, eiserner Wille und eine unermüdliche Tatkraft, das sind die Wesenszüge, denen F. W. Meyer die reichen Erfolge seines gesegneten Lebens verdankt. Das sind die Führungseigenschaften, die ihm schon früh das Vertrauen seiner Mitbürger entgegenbrachten und ihn zu ihrem Berater, Wortführer und Vorkämpfer machten!“ Er selbst konnte aus Krankheitsgründen an der Feier nicht mehr teilnehmen. Am 2. Dezember 1927 verstarb er und wurde unter großer Anteilnahme in der Familiengruft auf dem Deisterfriedhof in Hameln beigesetzt.

Deckblatt für seine Veröffentlichung der Großschifffahrtsstraße im Jahre 1915 durch

F. W. Meyer.

Die Edertalsperre wurde auf Initiative von F. W. Meyer erbaut.

Wassermenge 202 Millionen Kubikmeter, Mauerhöhe

48 m, Länge 400 m, Baukosten

18 Millionen Reichsmark.



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