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Heiner Bartling hört nach 20 Jahren an der Parteispitze auf / Laudatio von Lemme / 97 Prozent für Karsten Becker

Großes Vertrauen: Becker neuer Vorsitzender der SPD

Landkreis (wer). So oderähnlich dürfte sich Karsten Becker den Start erträumt haben: Mit 97 Prozent der Stimmen wurde der Stadthäger SPD-Vorsitzende am Sonnabend auf dem Parteitag in Rolfshagen zum neuen Chef des Unterbezirks gewählt. Becker löst Heiner Bartling ab, der nach 20 Jahren an der Spitze der Schaumburger Sozialdemokraten nicht wieder kandidierte.

104 von 107 Stimmen konnte Becker, der ohne Gegenkandidat antrat, für sich verbuchen. Mit einer solchen Vertrauensbotschaft habe er nicht gerechnet, bedankte er sich "auch in Demut" bei den Mitgliedern. Auch der erwartete Sieg schien Erleichterung auszulösen: Die Erinnerung an die Bürgermeisterkandidatur in Stadthagen, als die Genossen Becker wider Erwarten gegen Bernd Hellmann durchfielen ließen, dürfte noch präsent gewesen sein. Zuvor hatte Becker versprochen, das Amt des Vorsitzenden mit hohem persönlichen Einsatz auszuüben und den Erwartungen "nach stärkerer politischer Gestaltung durch den Vorstand" gerecht werden zu wollen. In Anlehnung an seinen Vorgänger meinte Becker: "Ich kann Euch nicht die Rolle des Innenministers bieten, aber ich werde Euch Präsenz liefern." Indirekt spiegelt das Versprechen die Kritik wider, die sich Bartling in seiner Doppelrolle als Landespolitiker und Schaumburger Parteivorsitzender zunehmend gefallen lassen musste. Und die ihn letztlich selbst bewog, den Vorsitz zugunsten der Landespolitik abzugeben. Bartlings politischer Weggefährte Klaus-Henning Lemme indes rief in seiner Laudatio in Erinnerung, dass man vor allem stolz gewesen sei, einen Schaumburger im Kabinett zu haben. Der Spagat sei unabwendbar gewesen: "Man kann keine hohe Präsenz als Unterbezirks-Vorsitzender zeigen und zugleich mit ähnlicher Verve Innenminister sein. Es gab eine Akzentsetzung, die ich richtig fand." Lemme dankte Bartling für "hervorragende Arbeit" im Unterbezirk, der Vorsitzende habe die Politik im Schaumburger Land "mitbestimmt und gesteuert" und auch zählbare Erfolge für die Partei vorzuweisen: Die SPD sei in Schaumburg stabil, Probleme würden in der Regel aus Land und Bund importiert. Lemme erinnerte daran, dass Bartling vor 20 Jahren ebenfalls im Gasthaus "Süße Mutter" zum Vorsitzenden gewählt worden war. 1987 hatte der Steinberger die Nachfolge von Ernst Kastning angetreten. Anflüge von Wehmut ergriffen Lemme, als er auf die frühere SPD-Troika im Landkreis zurückblickte: In Gesprächen mit Bartling und Wolfgang Foerstner habe man lange Jahre das politisch Machbare und der Partei Zumutbare ausgelotet. "Es war eine gute Konstellation." Bartling selbst verband seine Abschiedsrede eher mit optimistischen Ausblicken. Als Erfolgsrezept der SPD nannte er deren Geschlossenheit. Zumindest ab dem Moment, in dem Personalentscheidungen gefallen waren, seien sie wie bei der Bürgermeisterwahl in Stadthagen oder Bückeburg "solidarisch von allen getragen" worden. Letztlich würden die Wahlergebnisse der Schaumburger SPD, die sich vom "Desaster 2003" erholt habe, für sich sprechen. Die Mitgliederentwicklung, die 2006 ein gebremstes Minus ausweist ("Es gab Monate, in denen wir keinen Rückgang hatten"), bewertete Bartling nur verhalten skeptisch: Es sei jedenfalls eine Chimäre, dass die CDU jünger und dynamischer aufgestellt sei. Die SPD erneuere sich personell, auch ohne eine "große Organisation" bei den Jusos vorweisen zu können. Bartling kam auch auf Konflikte in seiner Amtszeit zu sprechen. Die Behauptung, Persönliches ließe sich von Politischem immer sauber trennen, ziehe er in Zweifel, merkte der scheidende Vorsitzende nicht ohne Selbstkritik an und entschuldigte sich bei jenen, die "nicht gerecht behandelt" wurden. Mit dem 48-jährigen Karsten Becker hat die SPD einen langjährigen Vertrauten Bartlings an die Spitze gewählt. Der Polizist ist seit 26 Jahren Parteimitglied, seit sieben Jahren SPD-Chef in Stadthagen, führt die Fraktion im Stadthäger Stadtrat und sitzt seit 2006 auch im Kreistag. Als Stellvertreter löst Ralph Tegtmeier aus Bad Nenndorf Bernd Hellmann ab. Mit einem ebenfalls tadellosen Ergebnis: Der 34-Jährige, der zeitweise als Bartling-Nachfolger gehandelt wurde, holte 97 von 100 Stimmen. Marina Brand aus Rodenberg wurde mit 89 von 100 Stimmen als Stellvertreterin bestätigt. Oliver Schäfer bleibt mit dem besten Ergebnis der Vorstandswahlen (104 Stimmen bei nur einer Enthaltung) als Schatzmeister im Amt.



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