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"Schwarzfahrer" in Hiddenserborn - aber kein einziger Bestatter

Großes Treffen der Leichenwagen

Hiddenserborn (jf). Ein ungewöhnliches Spektakel vor dem Hotel Bad Hiddenserborn am vergangenen Wochenende: Zumeist schwarz gekleidete Menschen aller Altersgruppen mit rund 30 Leichenwagen haben sich dort zum zweiten internationalen Bestattungswagen-Treffen versammelt.

Vom schicken Cadillac bis hin zum schlichten Opel waren sämtliche Leichenwagen-Modelle vertreten - allesamt Unikate, wie der Organisator der Veranstaltung sagt. Die Autos, dessen Besitzer als "Schwarzfahrer" bezeichnet werden, sind für die einen Kultobjekte, für die anderen lediglich Transportfahrzeuge. Auch "Gruftis" sind bei der Zusammenkunft der Leichenwagen-Fans vom vergangenen Freitag bis zum Sonntag dabei. Jedoch lange nicht alle, die sich solche Fahrzeuge anschaffen, entstammen dieser Szene. "Es sind nur größere Kombis", meint der 37-jährige Lars Schütz aus Bad Eilsen, Organisator des Treffens. Bei den Angereisten, die aus allen Teilen Deutschlands und gar aus Österreich kamen, handele es sich um Autobegeisterte und Sammler. Die Fahrer und Besitzer hätten Spaß an den Autos. "Es sind Leute wie du und ich", sagt Schütz. Der Reiz an den Wagen liege auch darin, dass sie jeweils Einzelstücke sind, die den Kundenwünschen entsprechend angefertigt wurden. "Nie ist ein Auto wie das andere", sagt der 37-Jährige, der einen Ford "Granada" in der "Leichenwagen-Version" fährt. Negative Rückmeldungen seitens der Menschen, die mit den Wagen auf der Straße konfrontiert werden, gebe es kaum. "99,9 Prozent der Reaktionen sind positiv", meint der Veranstalter. "Die Autos gehören zum Leben dazu." Ein Besitzer aus Lüneburg, der zufällig auf einen Leichenwagen gestoßen ist und das Auto vor einigen Jahren erworben hat, stößt im Alltag ebenfalls zumeist auf Interesse an dem Wagen. Zweimal ist der Einzelhandelskaufmann gebeten worden, den Leichenwagen umzuparken - wegen eines Trauerfalls. "Das muss ich dann akzeptieren, aber das Fahren mit dem Auto lasse ich mir nicht verbieten." Die Passanten, die das Schauspiel teilweise mit schiefen Blicken beäugen, äußern sich unterschiedlich zu den Autos. Eine Radfahrerin scherzt im Vorbeifahren: "Da können wir mit in den nächsten Urlaub fahren." Andere stufen die Szenerie als "komisch" ein. Dietmar Stark (49) aus Rusbend kommt zufällig vorbei. Er empfindet das Treffen nicht als abstoßend. "Ichhabe da keine Berührungsängste", sagt Stark, der auch einige der Wagen fotografiert. Einige der Bestattungswagen-Fahrer suchen die Konfrontation mit dem Thema Tod: Eine "Sensenmann"-Maske an der Kopfstütze des Beifahrersitzes, Miniatur-Totenschädel auf dem Kühlergrill. Anderen geht es nach eigenen Angaben nur um die Automobile an sich. Die Besitzer der schwarzen, blauen und silbernen "Erdmöbeltransporter" führen Gespräche über Pflege, Instandsetzung und Beschaffung. Am Sonntag wurden die skurrilsten und schönsten Wagen prämiert. Bei Bestattern sind die Fahrzeuge offenbar nach der Dienstzeit nicht mehr beliebt - kein einziger dieser Zunft war anwesend.




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