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Große Oper im Westentaschenformat

Bad Münder. „Die Esmeralda, das ist eine tolle Rolle, in der man sich so richtig ausprobieren kann“, stellt die Sopranistin Anna Bürk fest. Die 26-Jährige hat im Sommer ihr Studium abgeschlossen und ist neu beim Opern- und Operettenensemble „Operamobile“. Vom Publikum im fast ausverkauften Münderaner Martin-Schmidt-Konzertsaal ist sie ebenso begeistert wie der hoch aufgeschossene, glatzköpfige Bassist Jörg Schnaß. Auch der 53-Jährige steht erstmals für Alexander Sengers „Operamobile“ auf der Bühne.

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Mit Friedrich Smetanas 1866 uraufgeführter komischer Oper „Die verkaufte Braut“ in der Inszenierung von Bettina Delius brachten Senger und seine beliebte Truppe diesmal nicht leichte Operette, sondern große Oper auf die Bühne des Konzertsaals. „Allerdings im Kleinformat, das entspricht ganz unserem Stil“, so der Ensembleleiter.

Die Münderaner und ihre aus dem ganzen Weserbergland und der Region Hannover angereisten Gäste – viele von ihnen treue Begleiter von „Operamobile“ – spendeten bereits zu Beginn jedem Akteur seinen speziellen Auftrittsapplaus. „Ein tolles Encouragement“, freute sich Jörg Schnaß. Der in Lahnstein geborene Sänger hat viele Jahre in Paris gearbeitet, wohnt jetzt in Brüssel und empfindet die Atmosphäre im Saal als „überaus warmherzig“.

Bettina Delius, die auch die Titelrolle der „verkauften Braut“ Marie singt, hat das Libretto von Karel Sabina in bewährter Manier zusammengefasst und mit viel Schwung und Witz auf die Bühne gebracht.

Zur Klavierbegleitung von Slawomir Saranok kommen nach und nach die umjubelten Akteure auf die Bühne: Christoph Rosenbaum als brillant stotternder Wenzel übertrifft sich dabei gesanglich selbst, Jörg Schnaß lässt als Heiratsvermittler Kezal seinen unvergleichlichen Bass nur so dröhnen, Tenor Tadeusz Galczuk verzaubert mit Stimme und Spielwitz Frauenherzen, und viel Applaus erntet wie immer der „Operamobile“-Opa Achim Niedziella, der in einer Doppelrolle als Tobias Micha und im von Sandra Starke äußerst witzig gestalteten Indianerkostüm als „Muff“ auftrat. Eine für den bereits 78-jährigen Künstler äußerst respektable Leistung.

Jeder im Publikum ahnte, was hinter dem Ehevertrag steckt und fiebert der Auflösung entgegen. Doch blieb die Handlung Nebensache, denn im Vordergrund standen Smetanas herrliche Melodien. Zwischendurch gab´s auch schon mal was Fremdes wie Offenbachs „Schwipslied“, doch war das den Besuchern ebenso willkommen wie die Leistungen der beiden neuen Gesichter bei „Operamobile“. Den Publikumswunsch „Hoffentlich kommen die wieder“ quittierte Delius mit einem zustimmenden Kopfnicken.hzs



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