weather-image
Ausstellung ab morgen in Rinteln

Großartige Kunst: Wie Chagall die Bibel träumte

Rinteln (ey). In aller Bescheidenheit, aber von einer kleinen Sensation darf man ruhig sprechen, wenn Werke von Marc Chagall in Rinteln zu sehen sind und eben nicht im Sprengel in Hannover oder bei Martha in Herford. Chagall war einer von denen, die die Kunst als Kunst begriffen, nicht als Mittel zum Zwecke des Überlebens, sondern als Ausdruck wahrhaftiger Träumereien und Fantasien; ein Spinner im positiven Sinne, ein unfassbar kreativer Mensch mit Ecken und Kanten.

Chagalls „Exodus Miriam“: In Rinteln sind über 60 solcher Farblithografien zu sehen.

Wie sonst könnte so ein Mann gestrickt gewesen sein, der behauptete: „Ich las die Bibel nicht, ich träumte sie.“ Über 60 dieser Traumbilder zeigt die Ausstellung mit dem Titel „Ich träumte die Bibel“ im Johannis-Kirchzentrum Rinteln (Wilhelm-Raabe-Weg 24), die am morgigen Sonntag um 10 Uhr feierlich eröffnet wird und bis einschließlich Sonntag, 27. Februar, zu sehen sein wird.

War Marc Chagall ein Maler oder ein Poet? Die Frage ist schwer zu beantworten, nicht wenige Menschen – und hier nicht etwa nur die Kunstkenner, sondern auch die „Banausen“ – haben im Schaffen des gebürtigen Weißrussen sowohl das Malerische als auch die Poesie erkannt. Vielleicht kommt das eine ohne das andere auch nicht aus, schon gar nicht bei Chagall, der – und das ist fürwahr unzweifelhaft – als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts gilt. Nicht alles, aber vieles dreht sich in seinen Werken um die Bibel und den Zirkus, was beim ersten Anblick konträr zu sein scheint, es doch aber nicht ist. Bibel und Zirkus, Manege frei für Zauberei und Magie. Das ist natürlich nur ein Ausschnitt seines fabelhaften Könnens, und dass sich die Kirchengemeinde in Rinteln auf einen Teil der biblischen Werke konzentriert und nicht auf den Zirkus, ist verständlich.

„Wenn Chagall malt, weiß man nicht, ob er dabei schläft oder wach ist. Irgendwo in seinem Kopf muss er einen Engel haben.“ Pablo Picasso hat dies über Chagall einst gesprochen, und rückblickend scheint in dieser Deutung wenn nicht Wahrheit, dann doch Wahrhaftigkeit zu stecken. Denn die Ausstellung in Rinteln zeigt, dass viele längst bekannt und vertraut geglaubte Geschichten in einem anderen Licht erscheinen und neue Aspekte zutage fördern. Farblithographien aus dem Zyklus „La Bible“ (1956) mit Motiven der Erzväter, Könige und Propheten sowie die „Dessins pour la Bible“ (1960) mit Bildern zur Schöpfungsgeschichte und zu Frauengestalten stehen im Mittelpunkt. Ergänzt werden diese Bilder durch die Lithographiefolge zum Exodus, dem Auszug der Israeliten aus Ägypten unter der Führung des Mose, „The Story of the Exodus“ (1966).

Aufgewachsen in Witebsk (heute Weißrussland) in einer einfachen orthodoxen jüdischen Familie, ab 1906 Studien in Petersburg, 1910 Stipendium in Paris, 1914 Rückkehr nach Russland, ab 1920 wieder in Paris, ab 1931 erste Beschäftigung mit Illustrationen zur Bibel, 1941 Emigration in die USA – Chagalls Leben voller Höhen und Tiefen endete am 28. März 1985 in Saint-Paul de Vence; der Künstler wurde 98 Jahre alt, doch ist er mit seinen Werken unsterblich geworden.

Ich träumte die Bibel: Originallithographien von Marc Chagall, 30. Januar bis 27. Februar, Johannis-Kirchzentrum Rinteln, Öffnungszeiten freitags und samstags 15-19 Uhr, sonntags 11-17 Uhr, Vernissage morgen um 10 Uhr.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt