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1600 Fans feiern The Black Keys im Capitol / 100 Minuten Powerplay vom Feinsten

Grammy-prämiertes Duo spielt sich souverän durch Blues, Soul und Rock

Darauf einen dreifachen Auerbach-Salto – nein, turnerische Höchstleistungen gehören nicht zur Bühnenshow von Dan Auerbach, dem eher extrovertierten Frontmann der Black Keys. Er gehört eher zu der Sorte von Musikern, die sich im stillen Kämmerlein über das kommerzielle, klägliche Treiben der Branche ins Fäustchen lachen.

Nach dem Motto „Die ,White Stripes‘ sind tot, es lebe das Duo ,The Black Keys‘“, stehen der 33-Jährige und sein musikalischer Partner Patrick Carney mit ihrem derben, staubigen Bluesrock schon seit geraumer Zeit allein auf weiter Flur.

Obwohl man sich dem Low Fidelity-Sound verschrieben hat, leidet die musikalische Qualität der Band nicht, weshalb Lo-Fi nicht für minderwertige Musik steht. Die benutzen Studiogeräte und elektronischen Musikinstrumente entsprechen nicht dem Stand der aktuellen technischen Entwicklung – was durchaus auch so gewollt ist.

Charles Bradley & His Extra Ordinaires, viele kamen wegen ihnen zum Konzert, verliehen der Capitol-Sauna mit ihrer Show noch einen extra Aufguss. Mattes Licht kündigt den Auftritt des Power-Duos an, das sich mit einem Bassisten und Keyboarder noch zusätzliche Verstärkung mitgebracht hat. Die beiden musikalischen Unterstützer nimmt man aber während der gesamten Show kaum wahr – im Scheinwerferlicht stehen nur die beiden Hauptakteure.

Zunächst betritt unter lautem Beifall Patrick Carney die Bühne und nimmt hinter der Schießbude Platz, die wie ein Kinderschlagzeug neben dem Zwei-Meter-Riesen wirkt. Kurz danach hängt sich Auerbach, der sein T-Shirt verkehrt herum angezogen hat, die Harmony-Guitar um und lässt eine Bluesrock-Perle nach der anderen aus seinem Instrument fließen.

Die musikalische Bereicherung aus den 60er und 70er Jahren ist deutlich hörbar, doch die einzigartigen Instrumentierungen und interessanten Arrangements machen die Black Keys zu einem Phänomen.

Das Publikum war gut durchgemischt – vom Teenager bis zum Altrocker war an diesem Abend alles vertreten, was gegen einen 100 minütigen Saunagang nichts einzuwenden hatte. Aus produktionstechnischen Gründen musste das Konzert kurzfristig von der AWD-Hall ins Capitol verlegt werden, was der Stimmung durchaus gut tat. Man ergötzte sich überwiegend an der Musik, denn die Akteure gehören in Sachen Show eher zu den Langweilern. Das „Begleitorchester“ durfte nicht und Frontmann Auerbach wollte nicht, denn außer einem „Thank you“, kamen dem „Entertainer“ keine nennenswerten Äußerungen über die Lippen. Den bis dato erfolgreichsten Single-Hit „Gold On The Ceiling“ gab’s gleich zu Beginn der Show, auf „Tighten Up“ und „Lonely Boy“ mussten sich die Fans bis kurz vor dem Zugabe-Block gedulden.

Mit Hippie-Feeling, Lo-Fi-Sound und kargem Bühnenbild haben die Black Keys einmal mehr ihre Massentauglichkeit bewiesen – manchmal dauert es eben etwas länger, bis man den richtigen „Key“ zum Erfolg findet.




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