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Grabungshelfer begleiten die Arbeiten an der Glashütte Klein Süntel

KLEIN SÜNTEL. Wer tief unten graben will, muss tief runter. In die Hocke. Auf die Knie. Antonius Stuke, 69 Jahre, trägt’s mit Fassung. Er unterstützt das Forum Glas bei der weiteren Erforschung der Struktur der historischen Glashütte Klein Süntel.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Seit rund zwei Monaten ist Dr. Peter Steppuhn mit einem engagierten Kreis von Helfern dabei, die ehemalige Glashütte freizulegen. Bis zu elf Helfer unterstützen den professioneller Grabungsleiter bei der täglichen Arbeit, lassen sich von ihm anleiten, bewegen große Mengen Boden ebenso wie kleine Funde. Einige sind ehrenamtlich dabei, andere engagieren sich im Rahmen einer Fördermaßnahme des Jobcenters Hameln, zwei Helfer arbeiten als Ein-Euro-Kräfte und nutzen die Gelegenheit, über den Kontakt und das Mitwirken im Grabungsteam ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und neue Tätigkeitsbereiche kennenzulernen.

Hidajet Visnjic gehört zu dieser Gruppe, über Integrationshelfer Erwin Schlatterer wurde der Mann aus Montenegro an das Projekt herangeführt. Steppuhn kümmert sich um ihn wie um die anderen Helfer. „Die Verständigung ist nicht immer einfach, aber es wird immer besser“, erklärt der Grabungsleiter. Am Mittwoch begleitete Visnjic Steppuhn und die anderen Mitglieder des Grabungsteams auf einer Exkursion nach Gernheim, Forum Glas-Vorsitzender Hermann Wessling wollte den Helfern zeigen, wie das, was in Klein Süntel ausgegraben wird, in restaurierter Form aussieht und wie in einer Glashütte mit Rauchgaskegel und Schürkanälen gearbeitet wird. „Das war sehr interessant zu sehen, wie es hier ausgesehen haben kann“, sagt auch Dr. Peter Knappe aus Hameln, der nach einem Zeitungshinweis zur Grabung gestoßen ist. Das Interesse für Archäologie ist es, das ihn ins Team brachte. „Ich habe früher nach Fossilien gegraben. Archäologie hat mich auch auf Reisen immer fasziniert. Jetzt habe ich mich gefragt: Warum sollte ich weit weg fahren, wenn ich hier gleich um die Ecke graben kann?“

Nicht ganz so lange wie Knappe ist auch Antonius Stuke dabei – er kommt aus Warendorf und hat über seine Tochter, die in Flegessen lebt, von der Grabung erfahren. Glas, optisches wie künstlerisch gestaltetes, habe ihn schon von Kindheit an begleitet. Der Architekt hat lange in der Denkmalpflege gearbeitet, „allerdings primär oberirdisch“, sagt er lachend. Vor zwei Jahren hat er die Grabungsstelle das erste Mal besucht – jetzt wollte er sich beteiligen: „Ich hab mir gesagt: Schau mal, was dran ist an dieser Glashütte.“ Spannend sei es, was gefunden werde. „Den Boden einer Glasharfe oder verformte Schmelzabfälle, die sieht man nicht, wenn man in einen Laden geht.“

Was die Helfer aus dem Boden holen, landet dann bei Lena Gebauer-Hötzel. Die Hamelnerin hat die meisten Funde in den Händen gehalten, von Erde befreit, gewaschen. „Archäologie hat mich schon immer interessiert, ich habe sogar darüber nachgedacht, Archäologie zu studieren“, sagt sie. Statt zum Studium nach Afrika zog es sie dann aber doch nach Paris, doch das Interesse, selbst einmal an einer Ausgrabung teilzunehmen, blieb. „Als ich jetzt erfahren habe, dass hier eine Grabung stattfinden wird, habe ich mich spontan gemeldet“, erklärt sie.

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