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Graben auf 2000 Quadratkilometern

Die Grenzen der Möglichkeiten sind schnell erreicht, sagt Dr. Jens Berthold. Das Arbeitsgebiet, das der 40-Jährige im wahrsten Sinne „beackert“, erstreckt sich über 2000 Quadratkilometer. Das entspricht insgesamt der Fläche der Landkreise Schaumburg und Nienburg sowie der Stadt Hameln. Jens Berthold ist angestellter Kommunalarchäologe – zuständig ist er für Kultur- und Bodendenkmale zwischen Hameln und Hoya.

Lars Lindhorst

Autor

Lars Lindhorst Ressortleiter zur Autorenseite

Denkmalschutz und Denkmalpflege sind öffentliche Aufgaben. Nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz haben Land und Kommunen die Pflicht, die „zu ihnen gehörenden Kulturdenkmale zu pflegen und sie im Rahmen des Möglichen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Immer dann, wenn an bevorstehenden Baustellen mit Bodendenkmalen gerechnet wird, kommt der Kommunalarchäologe ins Spiel. Berthold ist für die archäologische Beurteilung der Bauanträge verantwortlich, die in den Kommunalverwaltungen gestellt worden sind. Der Archäologe hat dann zu bewerten, ob relevante Funde für die Denkmalpflege zu erwarten sind. Oft bedient sich Berthold dabei der Unterstützung historischer Quellen und Dorfchroniken. „Wenn es dort irgendwann einmal eine Burg gab, so ist die Chance groß, dass es auch Bodenfunde gibt“, erklärt er. An 50 Stellen in seinem Arbeitsgebiet hat Berthold im letzten Jahr archäologische Maßnahmen durchgeführt, darunter Grabungen, Vermessungen und die Bergung von Fundstücken an Baustellen. In 150 Fällen waren Stellungnahmen des Fachmanns gewünscht, der sich selber als Mischung aus grabendem Archäologen und Verwaltungsmensch sieht.

Bertholds Job ist Ausdruck interkommunaler Zusammenarbeit. Seit dem Jahr 2009 ist der promovierte Archäologe für die Kreise Nienburg und Schaumburg und für die Städte Bückeburg, Hameln, Nienburg und Stadthagen als gemeinsamer Kommunalarchäologe eingestellt. Die beteiligten Denkmalschutzbehörden der Kommunen teilen sich die Stelle des Kommunalarchäologen. Bertholds Arbeitsplatz ist bei der Schaumburger Landschaft mit Sitz in Bückeburg angesiedelt. Während die Kulturdenkmale der Stadt Hameln etwa in den Zuständigkeitsbereich von Jens Berthold fallen, beteiligen sich der Landkreis Hameln-Pyrmont und die Stadt Rinteln hingegen nicht an der Finanzierung eines eigenen Archäologen. Dort wird die Begutachtung durch das vorhandene Personal in den Verwaltungen erledigt, erklärt Berthold. „Das ist natürlich auch eine finanzielle Frage“, sagt er. Der gebürtige Rheinländer arbeitet derzeit noch mit einem Stellenumfang von 70 Prozent. Die Chancen stehen laut Berthold gut, dass seine Stelle noch in diesem Jahr aufgestockt wird. „Man registriert durchaus, dass meine Arbeit etwas bringt“, sagt Berthold.

Der Rat des Experten wird oft herangezogen. Weil sich Bertholds Arbeitsgebiet aber über eine enorme Fläche erstreckt, geht es bei dem Kommunalarchäologen nicht ohne die Mitarbeit einiger freiwilliger Helfer. Ein „harter Kern von zehn bis 15 Leuten“ sei ziemlich regelmäßig dabei, so Berthold. Sie helfen bei Grabungen oder bringen von selber Funde in das Büro des Kommunalarchäologen am Bückeburger Schlossplatz. Von 170 Fundmeldungen im letzten Jahr kamen die allermeisten von Hobbyarchäologen, so Berthold. „Vom Steinbeil über Münzen bis hin zu Kisten, randvoll mit Keramikscherben, war alles dabei“, sagt er.

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Dr. Jens Berthold nimmt für seine Beurteilungen historische Quellen und Chroniken zu Hilfe.

Besonders stolz ist der Kommunalarchäologe auf die Entdeckung des Urnengräberfeldes in Hohnhorst. Dort wurden im Vorfeld eines Biogasanlagenbaus Spuren aus der vorrömischen Eisenzeit zwischen 600 und 100 v. Chr. entdeckt. „In einem Radius von anderthalb Kilometern waren dort bislang keine Funde bekannt“, berichtet Berthold. „Man hat dort nichts gefunden, weil niemand speziell danach gesucht hat“, vermutet er.

Seine Kernaufgabe beschreibt der Familienvater mit „der Sicherung und dem Schutz vorhandener Denkmale“. Ein Kommunalarchäologe betreibe eben keine reine Forschungsarbeit, betont Berthold. „Trotzdem gibt es noch viele weiße Flecken in meinem Gebiet, die will ich nach und nach erkunden.“ Unterstützung erhält er in diesem Jahr von Studenten aus Hamburg, München und Regensburg, die im Bereich des Kommunalarchäologen Lehrgrabungen in Bückeburg und Nordholz anstellen wollen. Damit gäbe es ein paar weiße Flecken weniger auf der Landkarte. „Und dann gibt es auch eine bessere Bewertungsgrundlage für die Bauanträge“, sagt der Verwaltungsmensch Berthold.

Immer wenn größere Bauprojekte anstehen, ist auch der Rat des Archäologen gefragt.

Er muss bewerten, ob mit Bodenfunden zu rechnen ist, die kulturhistorisch schützenswert sind. Archäologe Dr. Jens Berthold ist dafür ständig unterwegs, im interkommunalen Einsatz zwischen Hameln, Schaumburg und Nienburg.




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