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"Gotteswahn"

"Stellen wir uns doch eine Welt vor, in der e s keine Religion gibt - keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn, keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, keinen Gunpowder Plot, keine Aufteilung Indiens, keinen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, kein Blutbad unter Serben/Kroaten/Muslimen, keine Verfolgung der Juden als ?Christusmörder', keine ?Probleme' in Nordirland."

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Autor:

Heiko Buitkamp

So steht es im Vorwort zu einem Buch, das es seit Anfang September auf Deutsch zu kaufen gibt und das schon jetzt weit oben auf den Bestsellerlisten zu finden ist. Es heißt "Der Gotteswahn" und macht für eigentlich alles Schlechte auf dieser Welt die Religion verantwortlich. Ein Buch voller harter Vorwürfe gegen Religion an sich. Religion sei eine Ansammlung nicht beweisbarer Thesen, durch die radikale Fundamentalisten erst ihre menschenverachtenden Überzeugungen gewinnen könnten: Gott, moralische Vorschriften, das Paradies. Ein Beispiel: Die Vorstellung, es gäbe ein Paradies, sei auf den ersten Blick vielleicht harmlos. Doch erst im Glauben daran könne der Wahn entstehen, durch ein Selbstmordattentat Zugang zu diesem himmlischen Ort der Freude zu erlangen. Die Rechnung sei eigentlich ganz einfach: Kein Glaube an ein Paradies = keine Anschläge wie am11. September 2001. Die Thesen des Buches geben unserem Leben eine verblüffend einfache Struktur, denn sie vermuten hinter allen Schwierigkeiten nur ein Grundproblem: die Religion. Aber so einfach ist es nicht. Bei aller berechtigten Kritik an Religion wird das Bild von der Wirklichkeit erst vollständig, wenn man in der Theologie auch die Mutter aller Wissenschaft und auch die Mutter der Aufklärung erkennt, wenn man in der christlichen Ethik die Grundlagen entdeckt, die zu unserer Überzeugung von der Freiheit des Gewissens geführt haben und zu der Überzeugung, dass es die Schwächsten in der Gesellschaft zu schützen gilt und dass jeder Mensch die gleiche Würde hat; dass es eben Werte in unserer Gesellschaft gibt, die man weder sehen noch messen noch mit Geld kaufen kann. Hinter den meisten unserer Weltprobleme stehen soziale oder politische Kämpfe. Die Religion wird dabei als Deckmantel missbraucht, um die eigentlichen Ziele zu kaschieren oder ihnen zu dienen. Nein. Ich glaube, dass unsere Gesellschaft nur mit einem Glauben an Gott ihr menschliches Gesicht bewahrt. Und sei es nur, weil wir Menschen dadurch davor bewahrt werden, uns an Gottes Stelle zu setzten. Heiko Buitkamp ist Pastor der evangelisch-reformierten Jakobi-Gemeinde.



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