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„Gorch Fock“-Ausbildung rechtfertigt Führungsanspruch

Zu: „Sarahs Mutter klagt die Marine an“, vom 21. Januar

Trotz Mitgefühl für Frau Seeles Trauer um die verunglückte Tochter ist gegen ihre Verurteilung der „Gorch- Fock“-Ausbildung einzuwenden, dass sie die Offiziersanwärter einseitig als Opfer sieht. Letztere haben sich jedoch bewusst den Unannehmlichkeiten, Risiken und nicht zuletzt Vorteilen des maritim-militärischen Aufgabenspektrums ausgesetzt. Immerhin bieten sich intelligenten jungen Menschen zahllose Berufsalternativen. Damit kennzeichnet die Offiziersanwärter eine freie Berufswahl, deren Kontakt mit Naturgewalten, See und Wind, eine latente Lebensgefahr birgt. Nun sind diese Alltagsgefahren kein Offiziersprivileg. Sie betreffen ebenso die Mannschaften von Kriegsschiffen. Um aber von diesen in jeder Lage Vertrauen und Gehorsam einfordern zu können, haben Offiziere ein Vorbild abzugeben, das intellektuelle Fähigkeiten übersteigt. Von ihnen ist zusätzlich Erfahrung in Seemannschaft zu erwarten, gepaart mit physischer Belastbarkeit und persönlichem Mut. Dies schreibe ich als Ex-Marine-Angehöriger.

Dass „Gorch-Fock“-Kadetten bisweilen Takelagearbeit „übermüdet, unter Druck und zeitlicher Anspannung“ verrichten, wie es bei Sarah Seele vermutet wird, ist Teil der universalen Vorbereitung auf künftige Alltags- beziehungsweise Einsatzszenarien. Erst ihre Absolvierung rechtfertigt den umfassenden Führungsanspruch als Offizier. Sarah Seeles Tod ist bedauerlich; Umstände und Informationsversagen der Marine gehören geklärt. Indes sind das keine Anlässe, die „Gorch Fock“ generell infrage zu stellen. Schon vor 100 Jahren meinte die kaiserliche Flotte, das Vermitteln praktischer Seemannschaft allein maschinengetriebenen Einheiten überlassen zu können. Es war die Weimarer Republik, die 1923 reumütig zum Schulsegler zurückkehrte.

Carsten Bethmann, Hameln



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