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Goldener Oktober

Kommt er noch - der Goldene Oktober? Vielleicht strahlt die Sonne ja, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, diese Zeilen lesen. Dann bringt der Herbst noch einmal alles zum Leuchten. Die Natur mit ihrem Herbstlaub bietet uns einen Rausch der Farben und Sinne. Wir genießen die wärmenden Sonnenstrahlen - es könnten die letzten sein. Aber noch hat die Sonne Kraft, kann den Frühnebel auflösen und alles ins goldene Oktoberlicht tauchen.

Autor:

Pastor Dirk Gniesmer

Dann sind diese Herbsttage die Zeit der letzten Reife und Fülle. Noch ein paar Sonnenstrahlen für den reifenden Wein, die späten Äpfel. Vieles ist schon geerntet. Letzten Sonntag haben wir das Erntedankfest gefeiert. Die Gottesdienste waren gut besucht. Das zeigt: Ernten und Danken ist ein wichtiges existenzielles Thema. Aber der Herbst hat noch eine andere Seite - den grauen November. Alles ist kalt, feucht und trist. Die Nebel wollen nicht mehr weichen, die Sonne macht sich rar, an manchen Tagen wird es kaum noch richtig hell, und dazu: Regen und Sturm. Solch ein Wetter geht aufs Gemüt, auf die Seele. Novemberwetter - Zeit der Depressionen, der Traurigkeiten und trüben Gedanken. Es ist Herbst - woran denken wir? Die Kinder sammeln Kastanien, freuen sichüber die Ferien. Den Älteren wird der Herbst vielleicht zum Sinnbild: der Herbst des Lebens. Welches Bild des Herbstes überwiegt da - eher der Oktober oder doch schon der November? Überwiegt das Dunkle und Triste? So wie die Tage kürzer werden und die Sonne schwächer, so schwinden auch die Kräfte. Wie die grauen Nebel alles umhüllen, so legen sich auch Schleier aufs Gemüt. Da ist das Gefühl zu Ende gehender Zeit und die drängende Frage: Was bleibt noch? Oder sind es doch die Oktobergedanken an Fülle, Ernte und Reife, die überwiegen? Ein langes Leben, reich an Erfahrungen, voller Erinnerungen, voller Lebenserfahrung. Das sind Schätze, im Leben herangereift, werden sie geerntet? Ist da jemand, an den sie weitergegeben werden können, Kinder und Enkel? Zum Erntedankfest wird oft die biblische Geschichte vom reichen Kornbauern (Lukas-Evangelium, Kapitel 12) gelesen: All seine Schätze und seine große Ernte haben ihm nichts genutzt. Er wollte sie für sich horten, er war aber nicht reich vor Gott. Können wir mit unserem Leben eine Ernte einfahren, die bleibt? Schätze, die nicht vergehen? Es gibt so eine Ernte: Es sind die Taten der Liebe. Leben, das wir miteinander geteilt haben, Hoffnungen, von denen wir gelebt haben, Glaube, der uns erfüllt. Das alles sind Gaben, die wir nicht für uns horten können. Und doch sind es Gaben, die wachsen, wenn wir sie miteinander teilen, die uns reich machen. Dirk Gniesmer ist Pastor der evangelischen Johannis-Gemeinde.




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