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Glassucher stehen in den Startlöchern

Klein Süntel. Monatelang haben die Organisatoren die Pläne geschmiedet – in knapp drei Wochen geht es los. Dann rückt der Archäologe Roland Wessling mit seinen Studenten zu einer Testgrabung im beschaulichen Klein Süntel an.

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Denn in dem kleinen Ort am östlichen Hang des Süntels vermuten Experten die Überreste einer Glashütte aus dem 17. Jahrhundert. Eine geophysikalische Untersuchung des Untergrundes gibt Grund zur Annahme, dass die historische Produktionsstätte unter dem grasbewachsenen Hügel hinter dem Feuerwehrhaus liegt.

Und genau dort werden der Forscher der Universität Cranfield und seine Studentengruppe demnächst nach lange verborgenen Glasschätzen graben. Hermann Wessling freut sich, dass es nach der langen Planungsphase endlich losgeht.

Wessling ist Vorsitzender des Forum Glas und einer der maßgeblichen Initiatoren des Projektes. Das Forum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Glasgeschichte der Deister-Süntel-Region zu bewahren. Die Entdeckung einer jahrhundertealten Glashütte wäre ein entscheidender Erfolg für das Wirken des Vereins.

Leiter der Testgrabung ist Wesslings Sohn Roland, der als forensischer Archäologe an der Universität im britischen Cranfield arbeitet. Der Experte kommt bereits eine Woche vor dem offiziellen Start des Projektes in Bad Münder an. Viel Zeit für ein Familientreffen bleibt den Wesslings dennoch nicht. „Roland wird den Grabungsort vorbereiten und die Schnitte genau markieren“, erklärt Hermann Wessling. Denn bisher ist das Gebiet nur grob mit Wäscheleinen und Backsteinen abgesteckt.

Am Montag 29. April fällt der Strartschuss. Einen Tag vorher kommen die 15 Studenten in Klein Süntel an. Im Gepäck haben sie modernes Gerät.

Gegraben wird in flexibler Technik. Dabei legen die Helfer das Augenmerk zunächst auf ausgewählte Stellen; anstatt in die Breite wird ersteinmal in die Tiefe gegraben. „So können wir auf Fehlschläge reagieren“, erklärte Roland Wessling während eines Treffens der Planungsgruppe im vergangenen Dezember. „Stoßen wir an einer Stelle auf nichts, graben wir an anderer Stelle weiter.“ In Anbetracht des knappen Zeitraums – für die Grabung ist eine Woche angesetzt – sei das die erfolgversprechendste Methode. Ziel der Testgrabung sei es, herauszufinden, ob hinter dem Feuerwehrhaus tatsächlich eine historische Produktionsstätte verborgen liegt Und die Chancen auf Erfolg stehen nicht schlecht, wie eine geophysikalische Bodenuntersuchung offenbarte. Peter Nehmann, Architekt aus Flegessen, hat die Bodenbilder mit Aufnahmen aus Gernheim verglichen.

Dort wurde vor einiger Zeit eine alte Glashütte ausgegraben. Der Architekt kam zum Schluss, dass Umrisse auf den Bildern fast identisch seien. Auch der Grabungsleiter ist zuversichtlich: „Die Ergebnisse sind fast zu gut, um wahr zu sein“, sagt Roland Wessling. Er mahnt aber zur Zurückhaltung. „Bevor man gräbt, weiß man nie, was man findet.“

Auf besonders wertvolle Funde kommt es dem Forum Glas nicht an. Die Mitglieder hoffen vielmehr darauf, dass Fundstücke Rückschlüsse auf die historische Glasherstellung zulassen. Hermann Wessling: „Ziel ist es, in Klein Süntel eine kulturhistorische Sehenswürdigkeit zu schaffen.“

Die Ergebnisse der Testgrabung werden am Freitag, 3. Mai, der Öffentlichkeit präsentiert. Dazu hat das Forum Glas auch die zuständigen Fachbehörden von Stadt, Kreis und Land eingeladen. Besonders freut sich Wessling auf die Mitglieder des Westfälischen Glasforums: „Sie unterbrechen für uns ihre Frühjahrstagung.“ch



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