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Schaumburger Bühne brilliert bei Gastspiel mit allerschwärzestem Humor

Giftmischerin füllt unter dem Rosenbeet Ruhestätte um Ruhestätte

Bad Eilsen (sig). Es ist gut zu wissen, dass bisweilen Scheinwerfer die Bühne des Kurtheaters erhellen, wenn hier schon keine Kinoleinwand mehr hängt. Diesmal war die Schaumburger Bühne zu Gast, die seit Jahren im Obernkirchener Schulzentrum ihre Einstudierungen vornimmt. Der Titel "Schau nicht unters Rosenbeet!" ließ schon erahnen, dass es nicht um eine Lovestory handelt.

Die Auseinandersetzungen nehmen zu. Keiner traut dem anderen meh

Es gehört eine ordentliche Portion schwarzer Humor dazu, das Team der Hobbyschauspieler in so kurzer Zeit systematisch zu dezimieren. Dass sich in der ungewöhnlichen Familie, um die es hier geht, eine Giftmischerin befindet, war schnell klar. Aber ihr die Mordserie auf den Leib zu schreiben, die sich auf der Bühne vollzieht, das wäre dem Autor Norman Robbins dann doch zu einfach und für die Zuschauer zu langweilig gewesen. Stattdessen greifen die Ereignisse ganz geheimnisvoll ineinander. Gerade glaubt der Theaterbesucher, den Knoten gelöst und die Mörderin (oder vielleicht auch den Mörder) gefunden zu haben, da stirbt auch diese Person unter kaum nachvollziehbaren Umständen. Der Platz unter dem Rosenbeet wird immer enger, und die Auflösung der unheimlichen Mordserie rückt in immer weitere Ferne. Höchst konträre Figuren treffen in dieser Kriminalkomödie aufeinander. Vertrauenswürdig ist schon nach kurzer Zeit niemand mehr. Selbst nicht der Notar, der eine von Geldgier und Respektlosigkeiten geprägte Testamentseröffnung vornimmt. Die Stimmung wird gereizter, ja am Ende regelrecht explosiv. Der Letzte Wille des verstorbenen Familienvaters ist so abstrus, dass alle sechs Kinder befürchten müssen, leer auszugehen, obwohl sie eigentlich ein Millionenerbe erwarten konnten. Kein Wunder, dass es bald drunter und drüber geht und zeitweilig gleich zwei Akteure sterbend zu Boden sinken. Die Situation wird immer rätselhafter. Aber schließlich müsste ja irgendjemand übrig bleiben, und das dürfte dann der wahre Täter sein - so denken sicherlich die meisten Zuschauer. Und doch kann es sein, dass sie sich irren. Ein sich als Cäsar aufspielender und offenbar geistig verwirrter Jüngling ist mindestens genauso stark überzeichnet wie die sich als Nymphomanin gebärdende Schwester, vor der sich kein Mannsbild in Sicherheit wiegen kann. Dann gibt es noch einen "unsichtbaren" Abkömmling, der als Werwolf angekettet im Keller bleibt und nur durch Heulen von sich reden, nein, von sich hören macht. Eine seine Schwestern spielt sich als Wissenschaftlerin auf und ist überzeugt, an der Rettung der Menschheit zu arbeiten. Der Zuschauer sucht verzweifelt nach dem Guten in irgendeiner dieser Figuren und argwöhnt, dass er das in dieser Familie überhaupt nicht finden wird. Letztlich wollten alle nur ans Geld - und das möglichst schnell. Was aus den Geschwistern wird, ist ihnen gleichgültig. Die Giftmischerin stört sich zum Beispiel nur daran, dass "sie alle so prosaisch sterben". Wie sich die zerstörerischen Familienbande entwirren, das bleibt bis zuletzt die spannende Frage. Und für Spannung sorgen die vom Regisseur Jürgen Morche voll motivierten Feierabend-Schauspieler schon. Da hält jeder seine Linie und erfüllt seine noch so abstrakte Figur mit Leben, bis er eben dieses aushauchen muss. Den rund 100 Zuschauern im Kurtheater wurde ein unterhaltsamer Abend beschert. Jeder konnte sich als Detektiv testen und sich gelegentlich eines gewissen Schmunzelns nicht entbehren, auch wenn es nachdenklich stimmte, wie die Geldgier offenbar die Psyche eines Menschen verändern kann. Die "Schaumburger Bühne" kann jederzeit wiederkommen. Sie hätte durchaus einen besseren Besuch verdient gehabt, aber gerade an diesem Wochenende gab es gleich drei lohnende kulturelle Angebote im Kurort. Schade für alle Beteiligten.



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