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AEG-Schüler liefern eigene Hochrechnungen

Gewinner und Verlierer bei der Dewezet-Wahlparty

HAMELN. Wahlparty bei der Dewezet – wie bei jeder Wahl auch an diesem Sonntagabend Treffpunkt für Parteien, Politiker und Prominenz. Ein Heimspiel.

Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

22Grad, 17 Uhr – das Wetter als Ausrede, nicht wählen zu gehen, funktioniert an diesem Wahlsonntag nicht. Wohl aber reicht die Sonne, um sich nicht oder nicht allzu früh bei der abendlichen Wahlparty blicken zu lassen. Die Gastgeber sind lange Zeit in der Überzahl; erster und ebenfalls lange Zeit einziger anwesender Kandidat ist Danny Hartmann von den Piraten. „Ein Prozent wäre ein gutes Ergebnis“, sagt er über seinen Wunsch hinsichtlich der Erst- und auch der Zweitstimmen für seine Partei. Was, wenn das nicht erreicht wird? „Dann wird sich die Welt weiterdrehen.“

Noch zickt die Technik, die Online-Redakteure, die das Geschehen in den nächsten Stunden live fürs Netz aufbereiten sollen, können noch nicht so arbeiten, wie es sein müsste. Sollte sich innerlich bei den Betroffenen Nervosität breitmachen, ist sie nach außen nicht zu erkennen. Kameras werden positioniert, Programme geöffnet, Chefredakteurin Julia Niemeyer bringt den mit den Computern Kämpfenden etwas zu trinken.

Kurz vor den ersten Hochrechnungen, die an zwei großen Bildschirmen verfolgt werden können, trottet eine Gruppe von Jugendlichen, ausgerüstet mit Brezeln und Cola, in den Raum – eine Besonderheit für sie wie für eine Wahlparty der Dewezet. Sie sind Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums in Hameln und haben sich im Rahmen ihres Mathe-Leistungskurses mit dem Thema „Hochrechnungen“ befasst. An diesem Sonntagabend haben sie mit ihren Laptops einen Raum im Verlagsgebäude eingenommen und arbeiten. Ihre Aufgabe: Hochrechnungen für die Wahl im Stadtgebiet Hameln zu erstellen. Ihr Lehrer Bernd Grave erklärt: „Hochrechnungen sind ja Betriebsgeheimnisse – das Ziel war es, sich anzunähern an die Ergebnisse und sich eine Möglichkeit dafür zu überlegen.“ Da diese Landtagswahl ausgerechnet auf den letzten Ferientag fällt, „ist es keine Selbstverständlichkeit, dass heute welche hier sind“, sagt Grave verständnisvoll. Immerhin: Von 23 sind es 18. Um in der Wahlsprache des Abends zu bleiben: das sind 78 Prozent.

3 Bilder
Mathe-LK mal anders: Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums haben sich im Seminarraum der Dewezet einquartiert und haben eigene Hochrechnungen für die Wahl erstellt. Foto: Dana

Um 19.40 Uhr – da haben Roman von Alvensleben und Markus Burgdorf (beide FDP) angesichts der Ergebnisse schon zweimal abgeklatscht – geben die Schüler Marc Oliver Keimburg (15) und Malte Steingrobe (16) den Stick mit ihren Berechnungen für Hameln bei den Online-Redakteuren ab. „Jetzt am Anfang ist es noch recht genau“, meint Malte. Später würden die Ergebnisse wohl stärker von einander abweichen. Egal – diese Abwechslung in einem Fach, bei dem man sonst meist an die Tafel starre, ist den beiden sehr willkommen.

Knapp eine halbe Stunde später sind Ruhe und Leere passé: Man muss nicht Synästhet sein – ein Mensch, der beispielsweise Farben und Formen sieht, wenn er Musik hört –, um im Medienraum der Dewezet zu hören, wie rot diese Gegend wählt. Applaus und Jubel, beides lautstark, als Ulrich Watermann (SPD) in der ersten von zwei angekündigten lokalen Elefantenrunden die Glückwünsche von Moderator Thomas Thimm entgegennimmt. Watermann hat den Wahlkreis 36 gewonnen. Der Raum ist inzwischen gut gefüllt, das Café nebenan ebenso. Die „Lauter“-Rufe der Zuhörer, die nichts verstehen, in Richtung Diskussionsrunde gelten den Moderatoren Thimm von der Dewezet und Hagen Wolf von Radio Aktiv, könnten sich aber genauso gut an die anderen Gäste richten. Gebrabbel in allen Ecken. Und demonstrierte Einigkeit in Sachen AfD. Delia Klages, angetreten für die AfD im Wahlkreis 36, erntet ein deutliches Schweigen auf ihr „Danke“ an ihre Wähler. Und später Buh-Rufe von jenen, die den Landtag lieber AfD-frei gesehen hätten. Anerkennendes Klatschen gibt es in dieser Runde dagegen für Petra Joumaah (CDU), die höher verloren hat, als ihr lieb war – bevor es in der nächsten Runde für den SPD-Sieger Dirk Adomat wieder laut wird.

Danny Hartmann von den Piraten ist da schon lange weg. 0,34 Prozent hatte er bis dato im Wahlkreis 38 erzielt und bleibt damit weit hinter seinem Wunsch von einem Prozent zurück. Dass es letztlich 0,41 Prozent sind, spielt da auch keine Rolle mehr. Mit einem hatte er recht: Die Welt dreht sich weiter.




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