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Gewerkschaft: „Das ist kriminelles Handeln“

BAD MÜNDER. Bei der Mai-Kundgebung am Steinhof geht es um die Welt der Arbeit, um Gewerkschafts-Gegner. Aber auch darum, wie es eigentlich mit Bad Münder aussieht.

Hauptredner bei der Maikundgebung vor dem Verwaltungsgebäude am Steinhof: IG-Metall-Bezirkssekretär Wilfried Hartmann, der forderte, sachgrundlose Befristungen abzuschaffen. FOTO: HUPPERT

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Christoph Huppert Reporter

Ein kalter Wind und knapp sieben Grad Außentemperatur. „Ein sonniger Maianfang sieht anders aus“, kommentierte ein fröstelnder Besucher die Rahmenbedingungen der diesjährigen Maifeier auf dem Steinhof. Es dauerte etwas, aber nach zähem Beginn füllte sich der Platz dennoch. „Solidarität, Gerechtigkeit, Vielfalt, das ist unser Mai-Motto in diesem Jahr“, so der Ardagh-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Hans-Georg Diekmann. Trotz guter Tarifabschlüsse klaffe die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander.

„Da muss sich was ändern“, forderte auch der Hauptredner der Veranstaltung, der IG Metall Bezirkssekretär Wilfried Hartmann. Beinahe-Vollbeschäftigung heiße nicht, dass man auch gut leben könne, und gerade die sachgrundlosen Befristungen gelte es daher abzuschaffen. „Der Koalitionsvertrag beinhaltet dazu ja eine Absichtserklärung. Wir werden die GroKo daran messen, ob sie dieses Versprechen einlöst und Taten folgen lässt.“

Mit Nachdruck betonte Hartmann die Notwendigkeit von Gewerkschaften auch in wirtschaftlich guten Zeiten. „Für den Öffentlichen Dienst fordern wir die Wiedereinführung des Weihnachtsgeldes. Die systematische Behinderung und Bekämpfung von gewerkschaftlichen Tätigkeiten und Betriebsratsgründungen ist kriminelles Handeln!“

Bildung, bezahlbares Wohnen und nachhaltige Mobilität waren weitere von Hartmanns Forderungen. Obwohl die Bundesregierung hier aktiv werde, sei das letztlich auch ein Erfolg der Gewerkschaften. Hartmann weiter: „Deutschland ist Weltmeister in Export, aber OECD-Schlusslicht bei den öffentlichen Investitionen.“

Eine Wiederkehr von Straf- und Schutzzöllen à la Trump gefährde ebenso wie Brexit-, Kleinstaaterei und nationale Egoismen die Perspektiven eines sozialen Europas.

In einer Hartmanns Mai-Rede voran gegangenen Diskussionsrunde hatte die Leiterin der IGBCE-Schule am Deisterhang, Sabine Süpke, die Personal- und Betriebsräte von Ardagh Glas, der Stadt und den Büromöbelherstellern Haworth und Wilkhahn zur wirtschaftlichen Lage befragt. Die zeigten sich sowohl mit den Tarifabschlüssen und der jeweiligen Auftrags- und Beschäftigungslage durchweg zufrieden. „Wir vermeiden beispielsweise Leiharbeit, wenn´s aber notwendig sein sollte, dann wird ´equal pay´ gezahlt“, so der stellvertretende Betriebsrat bei Wilkhahn, John Campbell.

Zufriedenheit auch bei Christoph Illgen. Der 40-jährige Stadtbedienstete im Fachbereich Tiefbau wies aber auch auf die anstehenden demografischen Probleme hin. „In den kommenden Jahren gehen viele Mitarbeiter in Rente.“

Illgens Dienstherr Bürgermeister Büttner fasste die Gesamtsituation in Bad Münder als „sehr zufriedenstellens“ zusammen. „Von hier geht heute das Signal aus: Wir sind ein guter Standort für Arbeit und Leben.“ Gerade die anstehenden Investitionen - wie etwa in zweistelligen Millionenhöhe bei der Glashütte - , aber auch der Gesundheits- und Bildungsstandort Bad Münder, sicherten die wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Zukunft der Kommune.

Eine erfreuliche Perspektive, nach der sich die Besucher der Maikundgebung mit Zuversicht bei den 400 Litern Erbsensuppe samt 100 Kilo Würstchen, die die IGBCE auch in diesem Jahr wieder vorbereitet hatte, aufwärmen konnten.



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