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Gesundheit – auch ein Standortfaktor

BAD MÜNDER. Mit der Gesundheit ist das so eine Sache. Wie wichtig sie wirklich ist, merkt man oft erst, wenn sie bedroht ist. Eine Erfahrung, die die Stadt im Gesundheitsbereich gerade erst selbst machen musste: Mit der Insolvenz der Arbeiterwohlfahrt-GSD lief Bad Münder Gefahr, den größten Arbeitgeber zu verlieren.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Auch auf die Versorgung im Gesundheitsbereich hätte eine Schließung der Awo-Einrichtungen deutlich negative Folgen gehabt: Schließlich versteht sich Bad Münder als Gesundheits- und Bildungsstandort.

Diesen Anspruch leitet der Kurort aber längst nicht mehr nur aus der Existenz des Solewassers, des milden Reizklimas oder der staatlichen Anerkennung als Heilquellenkurbetrieb ab. Zahlreiche Einrichtungen bedienen ganz unterschiedliche medizinische Schwerpunkte. Ein Akutkrankenhaus steht zur Verfügung. Und so fährt nach Bad Münder, wer der Rehabilitation nach Tumoren, urologischen, nephrologischen Erkrankungen oder nach Nierentransplantationen bedarf. Wer die Unterstützung von Medizinern bei der Erfüllung des Kinderwunsches sucht. Wer sich stationär aufgrund von Ängsten oder Depressionen behandeln lassen oder wer nach schweren Arbeitsunfällen wieder gesund werden will.

Doch Gesundheit, das klingt bei Gesprächen mit heimischen Medizinern und Verantwortlichen aus der Praxis immer wieder durch, das ist ein unglaublich vielschichtiges Thema. Und es tangiert nicht nur die Menschen, die von von außerhalb kommen und in der Stadt Genesung suchen, es betrifft auch jeden einzelnen Münderaner. Wohin gehe ich, wenn ich krank bin? Welche Notfallversorgung steht vor Ort zur Verfügung, welche Hausärzte, welche Fachärzte? Welche anderen Dienstleister im Gesundheitsbereich? Wie entwickelt sich die medizinische Versorgung in einer Stadt, die seit Jahren stetig älter und kleiner wird?

War die lange Phase der Awo-GSD-Insolvenz von einem Wegducken der Politik geprägt – wohl wissend, dass die städtische Finanzlage Hilfen für potenzielle Investoren nicht zulassen würde – zeigte sie sich in einem anderen Bereich durchaus zu Aktivitäten bereit. Dass das Thema Gesundheitsvorsorge immer größere Bedeutung erlangt, dass Gesundheitsvorsorge sogar Leid und gewaltige Kosten ersparen kann, leuchtete der Lokalpolitik ein. Und so stand auch die zentrale Frage im Raum: Wie können die Menschen zu gesünderem Leben bewegt werden?

Per Ratsbeschluss wurde die Beteiligung an einem Pilotprojekt besiegelt. Die Kaufmännische Krankenkasse KKH hatte sich der Stadt für drei Jahre als Partner angeboten. Nicht ganz ohne eigenen Nutzen, aber auch zum Nutzen der Stadt und ihrer Bürger: Die Kooperation zur kommunalen Gesundheitsförderung als Pilotprojekt ermöglicht in Bad Münder eine intensive Beschäftigung mit dem Thema – und das ist gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität zwischen Deister und Süntel und auf die Zukunft ausgerichtet, in der die Prävention, also die Vorbeugung von Krankheiten, immer mehr Bedeutung erlangen wird. In drei Schwerpunktbereichen – Kinder und Jugendliche, Menschen im erwerbsfähigen Alter und ältere Menschen – werden Aktionen zur Gesundheitsförderung entwickelt, die auf die jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten sind.

Weiterentwicklung am „Runden Tisch“ Aber auch Zusammenarbeit und das Wissen um die Möglichkeiten und Probleme der anderen Partner und Akteure im Gesundheitsbereich ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden, und mit der Einrichtung eines „Runden Tisches“ wurde dem Rechnung getragen. Unter der Moderation von Bürgermeister Hartmut Büttner gibt es Gelegenheit, sich auszutauschen – und das kommt bei Verantwortlichen wie Jürgen Bezjak, dem Leiter des Friederiken-stifts in Bad Münder, gut an. „Die regelmäßigen Treffen sind wichtig, um gemeinsame Überlegungen zum Gesundheitsstandort anzustellen. Wir sind ein gutes Stück vorangekommen“, sagt Bezjak. Und: Der gute Kontakt untereinander helfe, weil auch der Austausch und die gegenseitige Unterstützung im Blick behalten werden. „Das muss auf jeden Fall beibehalten werden“, sagt er. Am Tisch sitzen auch Vertreter des münderschen Ärztenetzes. Konkreten Handlungsbedarf sehen die Vertreter der Ärzteschaft beim Thema Solebewegungsbad. „Ein Wegfall des Bades wäre für viele Patienten ein wirklich großes Problem“, erklärt Dr. Henning Stolte, Sprecher des Netzes. Seit 2008 arbeitet der Verein an der Verbesserung der medizinischen Betreuung der Bevölkerung, und mit den Ergebnissen ist Stolte durchaus zufrieden. Ein Beispiel? „Der persönliche Kontakt. Wir kennen uns gut, arbeiten besser zusammen“, sagt Stolte. Und davon profitieren auch die Patienten, etwa durch die Möglichkeit der Ärzte, in dringenden Fällen schneller Termine zu bekommen.

Hausärzte: Probleme bei Praxen-Nachfolge erwartet Aus ärztlicher Sicht sei nach der Schließung des Krankenhauses Springe wichtig, dass es nicht zu weiterem Wegfall von Klinikplätzen komme. Entsprechend wird die Entwicklung am Deisterhang als positiv begrüßt.

Die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum stellte kürzlich die parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, bei einem Vortrag in Bad Münder in den Mittelpunkt – eingeladen vom CDU-Kreisverband, ging sie auch auf Fragen der heimischen Lokalpolitik ein. Die dabei aufgeworfene Frage nach der hausärztlichen Versorgung kennt auch Stolte aus vielen Gesprächen mit Kollegen, aber auch Patienten. Derzeit seien zwar alle Hausarztstellen in Bad Münder besetzt, der Vorsitzende hat das Thema aber dennoch im Blick, denn: „Der Blick auf die Alterspyramide lässt erwarten, dass es mittelfristig bei uns zum Ärztemangel kommen kann.“ Und da Stolte selbst auch viel mit angehenden Ärzten im Studium zu tun hat, weiß er, dass die Politik dringend die Weichen stellen muss, will sie es nicht zu einem deutlichen Mangel in der allgemeinmedizinischen Versorgung kommen lassen – etwa im Bereich der Regresse. Diese Strafzahlungen gegen Ärzte, die ihren Patienten nach Auffassung der Kassenärztlichen Vereinigung zu viele Medikamente verordnen, schreckten viele junge Ärzte ab, Praxen zu übernehmen, weiß Stolte. Änderungen müssten allerdings auf Ebene der Landes- und Bundespolitik erfolgen.

In der fachärztlichen Versorgung in Bad Münder fehlt aus Sicht des Ärztenetzes ein Kollege für den Bereich Urologie, auch der Bereich der ambulanten Psychotherapie müsse aufgrund des stetig steigenden Bedarfs ausgebaut werden.



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