weather-image
Werner Dirks, Erschaffer des Pyrmonter Kurparks, des Palmengartens und des Bergkurparks

Gesund wie ein Baum im besten Erdreich

Friedrich Dirks (1836-1916), Vater des späteren Ehrenbürgers Werner Dirks, betreute einst die gärtnerischen Anlagen des heimischen Ohrbergparks, den Georg Adolph v. Hake hatte anlegen lassen. 1876 berief ihn Fürst Georg Viktor von Waldeck nach Pyrmont. Dort wohnte die große Familie Dirks jetzt in dem heute leider immer mehr verfallenden barocken Haus Ecke Schlossstraße/Zimmermannstraße.

270_008_7677247_faw105_2102.jpg

Autor:

VON WALTER DIETRICHKEIT

Friedrich Dirks, nunmehr Fürstlicher Hofgärtner, pflegte den Pyrmonter Hofgarten 31 Jahre lang und übernahm auch die Verantwortung für das Inventar einschließlich der 15 Fischteiche und des Ananashauses. In der Chronik von Pyrmont hieß es später: „Das Arrangement und die prachtvoll entwickelten Gewächse und Blumen bezeugen den Kunstsinn und die gärtnerische Tüchtigkeit des Hofgärtners.“ Im Auftrag des Fürsten schuf Friedrich Dirks auch die Bombergallee als Verlängerung der Klosterallee, an die sein Sohn Werner später den Bergpark anschloss.

Werner Dirks, am 13. Februar 1867 als ältestes von fünf Kindern im Emmerthaler Ortsteil Ohr geboren, ging bei seinem Vater in die Lehre. Schon mit 20 Jahren wurde er mit der Aufsicht über die Umgestaltung des ebenfalls den Waldeckern gehörenden Schlossparks Schaumburg bei Diez betraut.

Nach einem Studium der Landschaftsmalerei am Staedelschen Kunstinstitut in Frankfurt soll er erwogen haben, die Landschaftsgärtnerei aufzugeben. Zum Glück für Pyrmont kam es nicht dazu. Fürst Friedrich von Waldeck beauftragte ihn mit der Pflege des Hofgartens seiner Arolser Residenz.

270_008_7677238_faw102_2102.jpg
  • Denkmal Werner Dirks.
270_008_7677248_faw106_2102.jpg
  • Hofgärtner Friedrich Dirks.
270_008_7677237_faw101_2102.jpg
  • Hofgartendirektor Werner Dirks.
270_008_7677244_faw104_2102.jpg
270_008_7677238_faw102_2102.jpg
270_008_7677248_faw106_2102.jpg
270_008_7677237_faw101_2102.jpg
270_008_7677244_faw104_2102.jpg

1907 stellte der Regent schließlich die Weichen für die Schaffung des schönsten deutschen Kurparks, indem er den berühmten hannoverschen Stadtgartendirektor Julius Trip und den 38-jährigen Gartenarchitekten Werner Dirks mit dieser anspruchsvollen Aufgabe betreute. Dirks, den er als Nachfolger seines Vaters zum Hofgartendirektor ernannte, wurden die Pyrmonter Park- und Grünanlagen zum Lebenswerk.

Schon Vater Friedrich hatte mancherlei Pläne für die Gestaltung eines einheitlichen Kurgartens ersonnen, die aber mangels finanzieller Mittel scheiterten. Sohn Werner konnte nun zunächst die kleine französische Gartenanlage mit ihren verspielten Rondellen und Blumenbeeten sowie die an Bürger verpachteten Gemüse- und Obstgärten in einen Palmengarten im Renaissance-Stil umwandeln.

Hierfür wurde der Neubau einer größeren Gärtnerei an anderer Stelle erforderlich. Gewächshäuser zur Aufnahme der frostempfindlichen Palmen in der kalten Jahreszeit mussten geschaffen werden. Im Jahre 1911 fuhr Werner Dirks nach Bordighera (Italien) und bestellte die ersten zwölf Phoenix-Palmen, die erst noch in einem langwierigen Verfahren auf den Klimawechsel und durch Wurzelkürzung auf das Verpflanzen in Kübel vorzubereiten waren. Weitere Palmen kamen aus Arolsen, Schloss Schaumburg und aus der Neumark. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs zwang der Kohlenmangel manche Bürger, ihre Palmen der fürstlichen Verwaltung anzubieten, sodass relativ schnell ein beachtlicher Bestand zusammenkam.

Der Palmengarten war aber nur ein kleiner Teil der Gesamtplanung. Damals gab es noch keine zusammenhängenden Kuranlagen. Das Gelände zwischen Hauptallee und Zimmermannstraße bestand weitgehend aus Rasenflächen mit altem Baumbestand. Oberhalb der Graft hatten mehrere Bürger eigene Grundstücke zwischen den Parkteilen, Sümpfe umgaben die letzten beiden Teiche. All das in einen gepflegten Kurpark umzuwandeln war eine schwierige, aber auch lockende Aufgabe für den jungen Hofgartendirektor Werner Dirks.

Am 13. Februar 1952 schrieben die Pyrmonter Nachrichten: „Die Entwicklung des Badeortes ist ganz offensichtlich mit dem Wachsen und Werden des Kurparks verbunden. Nach dem Bau des Konzerthauses erkannte Hofgartendirektor Dirks die Notwendigkeit, durch neue Anlagen den ganzen sich anschließenden Geländeteil in den Park einzubeziehen, wobei er stets den Gesichtspunkt beachtete, dass sich für die Kurgäste möglichst übersichtliche und direkte Wege ergeben sollten, die von abwechslungsreichen Nebenpfaden begleitet und durchkreuzt werden“, und nach dieser Erkenntnis handelte er auch.

Manche Ideen setzte Dirks nicht sofort in die Praxis um, sondern fertigte vorab künstlerische Zeichnungen. Manche Entwürfe soll er sogar vorab gemalt haben. Er schuf aber auch zahlreiche Landschaftsbilder und Porträts in Öl.

Der Erste Weltkrieg ging zu Ende, der Fürst wurde Privatmann, Pyrmont wurde preußisch und erhielt dafür als Willkommensgeschenk eine neue Wandelhalle, Konzerthaus, Arkaden und das Lesesaalgebäude. Hofgartendirektor Dirks bekam einen anderen Titel, aber er blieb und setzte seine Tätigkeit erfolgreich fort. So entstand 1926 der Azaleenweg mit in Holland akklimatisierten asiatischen Pflanzen.

Nach 1930 erst konnte Werner Dirks eine weitere Vision seines Vaters verwirklichen, die „innige Verbindung des Kurparks mit dem Wald.“ Die Zeiten waren schlecht, groß die Bedenken, aber Dirks setzte sich durch und schuf den Bergpark im englischen Stil. Dazu waren größere Erdbewegungen erforderlich, die anfangs weitgehend durch den Freiwilligen Arbeitsdienst und nach dem Ende der Weimarer Zeit durch den Reichsarbeitsdienst erfolgten – Sondermaßnahmen aufgrund der großen Arbeitslosigkeit. Im Laufe der Jahre entstand eine einheitliche Parkfläche von der Schlossstraße bis zum Waldrand an der Bombergstraße.

Von der damaligen Bomberg-Gaststätte aus hatte man nun einen herrlichen Ausblick auf das Pyrmonter Tal und die umgebenden Berge. Die Bergbahn war allerdings schon längst Geschichte und von dem leidvollen Schicksal des späteren Bomberg-Hotels ahnte noch niemand etwas.

Firma auch am Schloss Bückeburg tätig

Das Potsdamer Angebot, Verwalter der ehemals königlichen Gärten zu werden, schlug Dirks aus, gründete aber mit seinem Sohn Herbert die Firma Dirks & Co., die auch Arbeiten an der Autobahn und am Schloss Bückeburg ausführte. Daneben war er ein viel gefragter Berater bei Bau oder Umgestaltung des Kaiser- und des Altenau-Platzes und vieler anderer Projekte. Joachim Garfs, der sich als Autodidakt erstaunliche Kenntnisse über die europäische Gartengestaltung aneignete, schrieb einst, Werner Dirks habe den Park 42 Jahre lang mit einem so ungewöhnlichen gartenkünstlerischen Einfühlungsvermögen gepflegt, dass dieser schon vor dem Zweiten Weltkrieg als „Schönster Kurpark Deutschlands“ bezeichnet wurde. Ungewöhnlich sei es auch gewesen, dass die Stadt Bad Pyrmont Werner Dirks 1937 bereits zu dessen Lebzeiten ein Denkmal gesetzt habe – ein kupfernes Relief auf einem Sandstein am Eingang zum Palmengarten, geschaffen vom Pyrmonter Bildhauer Albert Lettau. Kurdirektor Gallion versprach, das würdige Kunstwerk“ getreu in Obhut zu nehmen.“

Dirks wies seinerseits auf die gute Unterstützung durch seine Mitarbeiter hin, die wesentlich zum Gelingen beigetragen hätten. Nach dem letzten Kriege berief man Dirks als vertrauenswürdige Person auch in den Stadtrat, aus dem er aber nach einem halben Jahr aus Altersgründen wieder ausschied.

Am 13. Februar 1952, seinem 85. Geburtstag, verlieh die Stadt Bad Pyrmont Werner Dirks die Ehrenbürgerwürde. Die Urkunde ging leider verloren. In jenen Tagen beschrieb ihn ein Presseartikel so: „Gesund wie ein Baum im besten Erdreich. Er strömt eine Ruhe aus, die sich sofort dem Besucher mitteilt. Es ist nicht nur die Überlegenheit und Abgeklärtheit des Alters. Wer sich ein Leben lang mit Pflanzen, mit Bäumen, Sträuchern und Blumen beschäftigt hat, nimmt unweigerlich von diesen stillen Gefährten seines Lebens viel ins eigene Leben hinein.“

Die Familie Dirks bewohnte ein komfortables Haus in der Nähe der Gewächshäuser. Werner Dirks und Ehefrau Elisabeth geb. Ahlers hatten einen Sohn und zwei Töchter. Tochter Elisabeth, verh. Kirberger, wurde 1950 Eigentümerin des Sanatoriums am Schloss und betrieb es weiter als Gästehaus Dirks, in dem auch ihr Vater seine letzten Lebensjahre verbrachte. Von ihr stammen die folgenden kleinen Anekdoten:

Eines Tages hatten die Geschwister Elisabeth und Herbert Dirks etwas angestellt, was ihren Vater so erboste, dass er sie sich vornehmen wollte. Die beiden verkrochen sich unter die elterlichen Ehebetten. Dort konnte sie der ziemlich korpulente Mann nicht erreichen. Als sie wieder hervorkamen, war der väterliche Zorn verraucht.

Zeitweise oblag Dirks auch die eigentliche Schlossverwaltung, welche Aufgabe er sehr ernst nahm. Gelegentlich machte er einen Fußbodentest, das heißt, der Zweizentnermann wippte mit den Füßen auf jenen Stellen, die ihm nicht mehr einwandfrei zu sein schienen. Diese mussten dann sofort ausgebessert werden. Bei der Reparatur einer solchen Stelle im Untergeschoss entdeckte man eine sehr tiefe Zisterne, die dann abgedeckt und später wieder vergessen wurde.

Werner Dirks fuhr gern Auto. Auf einer Fahrt in den Schweizer Bergen fing das Kühlwasser an zu kochen. Weit und breit war weder ein Bach noch ein Haus zu sehen. Was tun? – Dirks wusste Rat. Er zeigte auf eine Herde friedlich grasender Kühe. „Wo Kühe sind, gibt es auch Wasser!“ Und richtig, die Tränke lieferte den nötigen Stoff für das dampfende Gefährt. Man muss nur kombinieren können!

Sohn Herbert trat in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters und übernahm die Leitung der Kurparkanlagen der hessischen Staatsbäder Bad Nauheim, Schwalbach und Schlangenbad.

Nach einer anderen Quelle soll Werner Dirks die letzten Lebensmonate zurückgezogen in der Obhut seiner Tochter Marianne Tappen verbracht haben. Am 22. März 1957 endete das 90-jährige Leben des begnadeten Hofgartendirektors und begabten Kunstmalers.

Der Malerwinkel vor 1969.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt