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Gesünder sitzen in der Schule

Schulstühle haben ihren Ruf weg - doch hinter dem Sitzen im Klassenraum stehen eine Menge Regeln.

Foto: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

BAD MÜNDER. „Nö, mit dem Sitzen haben wir keine Probleme“, sagt Ninke und Stella und Jane nicken übereinstimmend. Die Sitzprobe ergibt, dass die etwas abgeschabten Holzstühle den drei Viertklässlerinnen der Grundschule Bad Münder fast wie auf den Leib gezimmert sind. „Wäre aber schön, wenn die noch gepolstert wären, wie die der Lehrer“, stellt Stella grinsend fest. Doch darauf muss das Mädchen-Trio verzichten.

Jeder Vater, jede Mutter, jeder, der schon einmal an einem Elternabend im Klassenraum der Kinder teilgenommen hat, kennt die Ganzholzstühlchen in unterschiedlichen Sitzhöhen. Ein Standardmodell, das sich seit der eigenen Schulzeit offensichtlich kaum verändert hat. Obgleich dem ergonomischen Sitzen in der Schule nicht nur angesichts veränderter Unterrichtszeiten und Ganztagsschulbetrieb eine steigende Bedeutung zukommt. Schülerinnen und Schüler sitzen heute länger im Unterricht als vor Jahrzehnten.
Richtlinien und Normen regeln das Sitzen in der Schule

„Wenn schon sitzen, dann an angepassten Möbeln“, sagt dann auch die gesetzliche Unfallversicherung, und schreibt in ihrer Richtlinie GUV-SI 8011 Mindestanforderungen für Tische und Stühle an allgemeinbildenden Schulen vor.

Noch immer findet der Großteil des Unterrichts trotz variabler Formen überwiegend im Sitzen statt. „Im Gegensatz zum Stehen und Liegen wird beim Sitzen die Rückenmuskulatur einseitig belastet und die Lendenwirbelsäule entgegen ihrer natürlichen Biegung verformt. Dauerndes Sitzen führt daher zu Haltungsschäden und Rückenschmerzen“, erklärt ein münderscher Arzt.

Es gebe keine grundsätzlich gesunde Sitzhaltung. Schädliche Auswirkungen könnten daher nur vorbeugend gemildert werden. Die Experten der gesetzlichen Unfallversicherung raten daher für Schulen: Tische und Stühle müssen halbjährlich der veränderten Größe der Schüler angepasst werden, durch „dynamisches Sitzen“ müsse außerdem die Sitzposition häufig gewechselt werden, das ständige Sitzen durch Bewegungspausen unterbrochen und Tische mit entsprechend geneigten Tischplatten ausgestattet sein.

Für das ergonomisch richtige Sitzen in der Schule gelten vier Grundregeln: Das Kind muss mit beiden Füssen den Boden vollständig berühren und die Oberschenkel müssen waagrecht auf der Sitzfläche aufliegen. Kniekehle und Unterschenkelrückseite dürfen die Vorderkante der Sitzfläche nicht berühren. Die Tischhöhe muss so gestaltet sein, dass die Ellbogenspitze sich bei herunterhängenden Armen in Tischplattenhöhe befindet. Zwischen Tischunterbau und Oberschenkel muss ausreichend Bewegungsfreiheit bleiben.

Im Unterricht ist dieses „dynamische Sitzen“ ebenfalls angesagt. „Auch mal die Ellbogen aufstützen oder sich einfach mal rumlümmeln“, raten Sitzexperten. Oder kauern, mit angezogenen Beinen oder auch mal verkehrt herum auf dem Stuhl sitzen. Stillsitzen ist also out.

Natürlich hat sich auch die EU der schulischen Sitzmöbel angenommen und durch eine Farbkennzeichnung Standards festgelegt. Die bestimmt den Zusammenhang von Körpergröße, Höhe der Sitzfläche, Sitzhöhenbereich und Tischhöhe. In Deutschland ist das in der DIN ISO 5970/1981 festgelegt. Kein billiger Spaß allerdings – ein höhenverstellbarer Schülerstuhl, ungepolstert, 50 Zentimeter hoch und 37,5 breit mit einer Sitztiefe von 40 Zentimetern, mit pulverbeschichtetem Stahlrahmen kostet knapp 100 Euro. Den drei Grundschülerinnen ist das egal. Sie halten es auf ihrem Schulmobiliar bestens aus.

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