×
Arbeitsessen mit politischen Einblicken: Warum Angela Merkel und Silvio Berlusconi gut miteinander können

"Gespür dafür entwickeln, wie ein Land funktioniert"

Rolfshagen (rnk). Zum abschließenden Mokka gibt es kleine Einblicke in die ansonsten streng abgeschirmten Machtzentren dieser Welt. Als Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi in dieser Woche mit Deutschlands Kanzlerin über europäische Fragen diskutierte, saß er mit dabei. Und so kann Italiens Botschafter Puri Purini durchsaus eine Einschätzung abgeben: Ja, sie kommen miteinander klar: "Denn er hört zu - und sie weiß, wie sie ihn zu nehmen hat."

Weil gutes Essen Leib und Seele zusammenhält, bittet der heimische Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy zum Arbeitsessen ins Rolfshäger "Salve". Gäste sind, neben dem italienischen Botschafter, Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer und sein Auetaler Kollege Thomas Priemer. Das Thema: die Integration der in Deutschland lebendenItaliener. Der Schlüssel ist die Bildung, und dafür ist das Beherrschen der Sprache notwendig, ist Purini überzeugt. Und wer Deutsch und Italienisch spricht, hat gute Chancen, einen guten Job zu finden, nicht nur an der Botschaft, erklärt er. Die Situation in Obernkirchen ist gut, sind sich schnell die drei Schaumburger einig, Probleme mit den Italienern gab und gibt es nicht. Auch Antonio Coi, Chef des "Salve", istüberzeugt, dass Zweisprachigkeit ein Vorteil ist. Er selber, so erzählt er, hat mit seinen Kindern Italienisch gesprochen, seine Frau Ingedore nur Deutsch. Und wenn ihm die Italienischkenntnisse der - damals noch nicht schulpflichtigen - Kinder nicht ausreichten, dann stand ein längerer Urlaub in Italien für sie an: bei den Großeltern, wo natürlich nur Italienisch parliert wurde. Priemer sieht es ähnlich: Zweisprachigkeit ist Aufgabe des Elternhauses, sonst funktioniert es nicht. Dass Deutsche mit italienischem Hintergrund mittlerweile in gute Position kommen können, zeige nicht zuletzte Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo, meint Purini. Man brauche gar nicht so weit zu gehen, betont Schäfer - und verwiest darauf, dass beim Bundesliga-Klub Karlsruher SC mit Massimilian Porcello ein Deutsch-Italiener wie einst Günther Netzer die "10" durchs Mittelfeld trägt, der in Obernkirchen aufwuchs. Einen weiteren prominenten Sohn der Stadt kennt auch Botschafter Purini gut: Georg Mascolo, den neuen Spiegel-Chef. Priemer kann für das Auetal auf eine funktionierende Freundschaft zum italienischen Städtchen Camerino verweisen: ohne Brief und Unterschrift, einfach aufgebaut durch das Engagement einer Rolfshägerin, die nach einem Erdbeben helfen wollte. Das ist fast ein Dutzend Jahre her, auch im nächsten Jahr wird eine Musikkapelle aus Camerino das Auetal besuchen: "Es funktioniert." Es ist so ungewöhnlich nicht, dass sich ein Botschafter so hohen Ranges mit zwei Bürgermeistern zweier eher kleiner Gemeinden trifft, erklärt Purini, denn die Aufgabe des Botschafters habe sich gewandelt. Er wird wissen, wovon er spricht, denn seit 40 Jahren ist der heute 66-Jährige im hohen diplomatischen Dienst. Früher wurde der politische Raum viel stärker genutzt, um Ideen zu entwickeln, Lösungen zu finden. Heute bewege er sich deutlich stärker in Kreisen der Wirtschaft, des Kulturellen, des Sozialen: "Es ist wichtig, ein Gespür dafür zu haben, wie ein Land funktioniert." Mit einem letzten Scherz endet das Arbeitsessen. Wenn sich Berlusconi und Merkel so gut miteinander verstehen, gebe es vielleicht bald nicht nur Bilder, auf denen der französische Präsident die Kanzlerin küsst, sondern auch der italienische Ministerpräsident, meint Priemer. Purini schmunzelt - und schweigt. Eben ein Diplomat durch und durch.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt