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Gespendete Obstbäume bei Böbber verstümmelt

BÖBBER. Im Vorjahr war es ein Auftragnehmer der Stadt, der die Apfelbäume an der Straße zwischen Böbber und Hamelspringe durch unprofessionellen Rückschnitt auf der Fahrbahnseite beschädigte. Jetzt ging es den Bäumen von der Feldseite aus ans Geäst – und wieder auf eine Art, die Naturschützer wütend werden lässt.

Die Apfelbaumallee bei Böbber ist nach den jüngsten Rückschnittarbeiten in schlechtem Zustand. Fotos: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

„Man hat diese Bäume derart verstümmelt, dass mir als Vertreter eines anerkannten Naturschutzverbandes die Galle überkocht“, sagt Michael Meier vom Heimatbund Niedersachsen. Bereits die Arbeiten von der Straßenseite seien unsachgemäß mit hydraulischen Astzangen durchgeführt worden. „Die Bäume befanden sich seitdem in einem völligen Ungleichgewicht. Mit einem sinnvollen Schnitt hätte man auch die Zweige auf der Ackerseite einkürzen müssen. Damit wäre man auch den Landwirten entgegengekommen, bei denen die Äste in den Maschinen hängen bleiben“, erklärt Meier. Damit hätte seiner Meinung nach auch verhindert werden können, dass ausgefranzte „Stummel“ buschartig austreiben.

Die neuerliche Bearbeitung der Bäume macht ihn völlig fassungslos: „Mich ärgert maßlos, dass wir in einem der reichsten Länder dieser Erde leben, aber nicht in der Lage sind, ein wenig Geld aufzubringen, um die Kulturwerte unserer Landschaft auch nur annähernd angemessen zu pflegen. Ich schäme mich dafür, wenn wir mit Besuchern aus anderen Regionen hier spazieren gehen und auf solche Missstände angesprochen werden.“

Über die beschädigten Bäume ärgert sich auch Matthias Großmann, den Vorsitzenden des Nabu Bad Münder. Bereits im vergangenen Jahr hatte er die Schäden an den Apfelbäumen, die die Nabu-Ortsgruppe mit Unterstützung von Baumspendern und Mitteln aus einem Förderprogramm gepflanzt hatte, bei der Stadt zum Thema gemacht. Die grundsätzliche Vereinbarung zwischen Stadt und Nabu besage, dass der Nabu sich um das Obst kümmert, die Stadt die Verkehrssicherungspflicht übernimmt. „Wir haben angeregt, dass sich Stadt, Landwirte, Realverband und Nabu zusammensetzen, um beim Thema Baumschnitt zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Doch jetzt sind wieder Tatsachen geschaffen worden“, sagt Großmann.

Wie auch Meier kritisiert Großmann den Einsatz eines ungeeigneten Werkzeugs und fehlende Kenntnisse. „So etwas kann man nicht maschinell machen, die Schnitte müssen von Hand gesetzt werden. Durch die hydraulische Bearbeitung sind die Äste gequetscht worden, es gibt Risse, Pilze siedeln sich an.“

Morgen treffen sich Vertreter des Nabu und der Stadt zum Jahresgespräch – Großmann will die Beschädigung der Apfelbäume dabei zum Thema machen.

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