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Gestern Gedenkmarsch von einem "traurigen Stückchen Erde" zum Mahnmal in Steinbergen

Geschichtswerkstatt erinnert an Zwangsarbeiter

Bückeburg (bus). Die Geschichtswerkstatt der Bückeburger Herder-Schule hat erneut mit einer außergewöhnlichen Aktion auf das Schicksal von Zwangsarbeitern im Dritten Reich aufmerksam gemacht. Nachdem die von Klaus Maiwald geleitete Werkstatt im vergangenen Jahr mit einem von Lahde nach Hannover führenden Gedenkmarsch öffentliches Interesse hervorgerufen hatte, führte der aktuelle Fußmarsch die etwa 70 Teilnehmer am Freitag vom Friedhof der evangelisch-reformierten Gemeinde zum Mahnmal im Steinbruch Steinbergen.

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Der Friedhof beherbergt auf einem "traurigen Stückchen Erde" (Pastor Thomas Krage während der Auftaktveranstaltung) 35 Männer, die zwischen August 1943 und März 1945 im Straflager Steinbruch Steinbergen zu Tode kamen. Der jüngste von ihnen, Wassili Gebenink, starb im Alter von 15 Jahren. In Steinbergen wurden Häftlinge, zumeist Zivilistenaus Osteuropa, des "Arbeitserziehungslagers Lahde" eingesetzt, die die Geheime Staatspolizei willkürlich verhaftet hatte. Schläge und andere Misshandlungen waren an der Tagesordnung, die Versorgung mit Nahrung und Kleidung mangelhaft, medizinische Betreuung nicht vorhanden. Die Toten wurden zunächst in den Geröllhalden des Steinbruchs verscharrt; 1953 erhielten sie eine würdevolle letzte Ruhestätte. "Nicht die Erde hat sie verschluckt. War es Luft? Wie der Sand sind sie zahlreich, doch nicht zu Sand sind sie geworden, sondern zu nichte. In Scharen sind sie vergessen", zitierte Ursula Helmhold den Dichter Hans-Magnus Enzensberger. Die Schirmherrin des Marsches verdeutlichte: "Wir sind heute hier, weil wir nicht vergessen wollen. Wir müssen uns erinnern, weil wir nur so die Zukunft gestalten können." Ohne Erinnerung gebe es kein Leben und auch keine Zukunft. Den noch lebenden Zwangsarbeitern bedeute die Veranstaltung sehr viel. Helmhold: "Sie wissen, dass sie nicht vergessen sind." Der etwa zehn Kilometer lange Marsch, den die Herder-Schüler gemeinsam mit Delegationen der Realschule Lahde und der evangelischen Jugend Bad Eilsen/Luhden bestritten, führte über Bergdorf, Ahnsen, Bad Eilsen, Heeßen und Buchholz. Im Zusammenhang mit der Aktion gesammelte Spenden kommen ehemaligen Zwangsarbeitern in Weißrussland zugute. Das Geld wird im Sommer von Mitgliedern der Bad Eilser Gruppe persönlich nach Minsk überbracht. Die Kontonummer lautet: Verein der Herderaner, Konto: 322239369, BLZ: 255 514 80, Sparkasse Schaumburg, Stichwort Steinbergen.



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