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Geschäftsbetreiberin Nadine Przykopanski: Warum ich gar nicht online verkaufen will

Muss ein Einzelhändler online sein, um eine Chance zu haben? Nein – findet Nadine Przykopanski. Die Betreiberin des gleichnamigen Computer- und Bürobedarfs an der Langen Straße in Bad Münder erklärt in einem Gastbeitrag, warum sie sich nicht anpassen will. Und was ihr Geschäft ihr bedeutet.

Autor:

Nadine Przykopanski

Morgens ging es im Radio um das Thema Onlineshopping und den Einzelhandel. Da fiel dann auch der Satz: „Der Einzelhandel muss sich dem Wandel der Zeit anpassen und seine Ware online anbieten.“ Anders könne er nicht bestehen.

Ich hab kurz nachgedacht und habe dann gedacht: Nein, muss ich nicht.

Ich gehöre zum Einzelhandel und nicht zum Onlinehandel. Und das ist auch genau das, was ich machen möchte. Ich will meine knappe Zeit nicht damit verbringen, Ware in Pakete zu packen, womöglich noch mit unnötig viel Verpackung, damit es nicht kaputt geht. Sie dann an jemanden schicken, den ich nicht kenne. Dem ich nicht mal „Hallo“ sagen kann.

Ja ich weiß, der Onlinehandel hat immer offen. Dort kann man bestellen, rund um die Uhr. Und dann auch noch alles sooooo billig. Den Service kann ich leider nicht bieten. In der Zeit, in der unser kleiner Laden geschlossen ist, schmeiße ich meinen Haushalt, kümmere ich mich um unseren Sohn, unsere zwei Hunde, koche Essen, putze im Laden oder erledige Büroarbeit. Eben alles, was nicht geht, während der Laden offen ist. Manchmal bin ich auch faul und lege auch mal die Füße hoch.

Aber was ich bieten kann, ist persönliche Beratung. Bei uns kann man stöbern, die Sachen anfassen. Einen kleinen Schnack halten. Man kann ausprobieren. Erfahrungen austauschen. Es bleibt auch immer mal ein bisschen Zeit, um mit Familie oder Kollegen Quatsch zu machen oder ein Käffchen zu trinken. Der Einzelhandel sorgt für ein belebtes Stadtbild. Ohne uns wäre es tot.

Genau das ist es, was ich machen möchte. Ich will nicht in irgendeinem verstaubten Lager massenweise Pakete packen. Ich möchte euch sehen können. Ich möchte persönlich erfahren, was euch gefällt oder was wir besser machen können. Und wenn das bedeutet, nicht das ganz große Geld zu scheffeln, ist das für mich in Ordnung. Aber ich mache das, was ich liebe und was mir Spaß macht. Und das ist unbezahlbar.

Ich weiß, nicht jeder hat aufgrund der persönlichen Arbeitszeiten die Möglichkeit, zu uns zu kommen. Und das, obwohl wir an sechs Tagen der Woche offen haben. Nicht jeder mag unseren Laden. Wir haben auch nicht alles im Sortiment.

Aber auch nicht jeder kann oder möchte online einkaufen. Auch dafür gibt es verschiedene Gründe: Sei es die nicht vorhandene technische Möglichkeit, oder einfach die Tatsache, dass man seine Daten nicht irgendwo preisgeben möchte. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Onlinehandel und Einzelhandel. Aber immer wieder diese Aussage, der Einzelhandel müsse sich anpassen und auch online gehen. Nein, verdammt. Müssen wir nicht. Wir sind der Einzelhandel! Wenn wieder einer von uns gehen muss, weil er gegen den Online-Handel nicht bestehen konnte, ist das Bedauern groß. Aber eben auch zu spät.

REDEN SIE MIT:Soll sich der Einzelhandel in Bad Münder auf seine Stärken besinnen? Oder muss er sich erneuern, digitalisieren? Wo sehen Sie die Vorteile und die Nachteile der Innenstadt? Welche Geschäfte vermissen Sie dort? Ihre Meinung interessiert uns! Schreiben Sie uns per Mail an . Erreichen können Sie uns auch per Facebook: www.facebook.com/ndz.de.




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