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Vor Gericht: Haft für Mann, Bewährung für Frau / Urteil nur sechs Tage nach der Tat / "Nur nicht wieder ins Gefängnis"

Gericht macht mit Profi-Ladendieben kurzen Prozess

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Nach wie vor allergisch reagiert die Bückeburger Justiz auf Diebe oder gar ganze Banden, die zum Stehlen in den Landkreis reisen. "Dieses Gericht hat dafür überhaupt kein Verständis", warnt Armin Böhm, Direktor des Amtsgerichts. "Und es soll sich ruhig herumsprechen, dass sich das nicht lohnt."

Am eigenen Leib erfahren hat dies nun ein Ladendieb aus Duisburg, der in einem Obernkirchener Supermarkt zusammen mit mutmaßlich zwei Komplizinnen hochpreisige Kosmetika im Wert von fast 1000 Euro gestohlen hatte. Sicher wird er seinen womöglich ebenfalls kriminellen Freunden daher raten, um den Landkreis Schaumburg künftig einen großen Bogen zu machen. Bis zum Wiedersehen könnte allerdings eine Weile vergehen. Nur sechs Tage nach der Tat hat das Bückeburger Amtsgericht den Russen (14 Vorstrafen) jetzt in einem beschleunigten Verfahren wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu einem Jahr Haft verurteilt. Das Urteil darf als Warnung verstanden werden und passt in eine Reihe ähnlicher Entscheidungen gegen andere Langfinger von auswärts. Vor fünf Jahren war der Mann (26) nach Deutschland gekommen. "Seitdem er hier ist, hat er im Prinzip nichts anderes getan als geklaut oder gesessen", so Richter Armin Böhm, der die Tat als gewerbsmäßig einstufte. Mit Diebstählen bestreite der Angeklagte seinen Lebensunterhalt. Ein bandenmäßiger Diebstahl, der noch härter bestraft worden wäre, ließ sich dagegen nach Überzeugung von Böhm und Oberstaatsanwalt Bodo Becker juristisch nicht begründen. Ebenfalls verurteilt wurde eine Komplizin (31) aus Petershagen. Die Mutter zweier Kinder hat "erst" zwei einschlägige Vorstrafen und kam nicht zuletzt deshalb noch einmal mit sechs Monaten auf Bewährung davon. Zu den Auflagen gehören 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Gegen eine dritte Frau, die das Trio komplett gemacht haben soll, wird demnächst verhandelt. In der Drogerie-Abteilung eines Obernkirchener Supermarktes hatten die Täter Kosmetika aus einem Einkaufskorb zunächst in einen Kulturbeutel gerafft und diesen in einer Handtasche verstaut. An der Kasse bezahlten sie lediglich Kleinkram, wurden danach aber vom Ladendetektiv festgehalten. Beute: 58 Lippenstifte und 16 Mascara-Stifte. Wert: 952 Euro. "Die sind ziemlichprofessionell vorgegangen", meinte der Detektiv als Zeuge vor Gericht. Gleich nach der Tat waren die beiden jetzt verurteilten Diebe festgenommen und bis zum Prozess inhaftiert worden. In einem schwachen Moment hatte der Mann zuvor noch bei einem Polizisten um Verständnis geworben: "Sie haben Arbeit und Einkommen, während ich mir meinen Lebensunterhalt klauen muss." Bei der Frau, die fast eine Woche von ihren Kindern getrennt war, hat das Verfahren offenbar einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. "Ich nehme jede Strafe an, nur bitte nicht wieder ins Gefängnis", flehte die Russin in ihrem Schlusswort. Nach dem Urteil brach sie weinend auf dem Flur zusammen.



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