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Vor Gericht: Freispruch für Unglücksfahrer vom März

Geplatzter Reifen Ursache eines Unfalls auf der B 65?

Bückeburg (ly). Knapp vier Monate nach einem haarsträubenden Unfall auf der Bückeburger Umgehungsstraße hat das Amtsgericht den Unglücksfahrer freigesprochen. An der Kollision mit drei beteiligten Autos trifft den Sachsen strafrechtlich keine Schuld. Dass er auf der B 65 trotz Gegenverkehrs zumÜberholen angesetzt haben soll, konnte dem 53-Jährigen nicht nachgewiesen werden. Anfangs hatte es danach ausgesehen.

Gut möglich, dass vielmehr ein defekter, vielleicht sogar geplatzter Reifen an seinem Wagen die Karambolage ausgelöst hat. Das Auto könnte dadurch außer Kontrolle geraten und auf die Gegenfahrbahn geschleudert sein. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten fahrlässige Körperverletzung sowie Gefährdung des Straßenverkehrs durch falsches Überholen vorgeworfen, plädierte nach der Beweisaufnahme aber auf Freispruch. Vielleicht etwas voreilig war das Auto des Mannes ohne Untersuchung freigegeben worden. Zwischenzeitlich ist es in der Schrottpresse gelandet. "Ob ein platter Reifen Ursache oder Folge des Unfalls war, lässt sich nicht mehr aufklären", so Richter Armin Böhm. Längere Zeit war der 53-Jährige vor dem Unfall mit Tempo 100 hinter einer Bückeburgerin (43) geblieben. "Dies zeigt, dass er es nicht eilig hatte", wie Böhm erklärte. "Warum der Angeklagte dann plötzlich bei Gegenverkehr überholen sollte, erschließt sich nicht." Der Mann ist weder vorbestraft, noch hat er Punkte in der Flensburger Verkehrssünder-Datei. "Das war mein einziger Unfall", verteidigte er sich. "Ich suche das Risiko nicht." Verdächtig gemacht hatte sich der 53-Jährige, weil sein Pkw nach Zeugenaussagen vor dem Schwenk auf die Gegenfahrbahn geblinkt hatte. Er selbst schloss vor Gericht nicht aus, dass er in der Hektik an den Blinkerhebel gekommen sein könne. Dies hält auch die Staatsanwaltschaft für "nachvollziehbar". Am Abend des 11. März gegen 19 Uhr wollen der Sachse und ein Kollege von ihrer Arbeitsstelle am neuen Mindener Klinikum zurück zur Schaumburger Unterkunft. Es ist bereits dunkel, die Straße regennass. Vor den Männern fährt der Smart der Bückeburgerin. Unvermittelt zieht der Wagen des 53-Jährigen auf einmal trotz durchgezogener Mittellinie und Überholverbots auf die Gegenspur. Ein Auto kommt gerade noch vorbei, das zweite streift der Sachse an der Fahrerseite. Sein eigener Wagen schleudert zurück und rammt seitlich in den Smart. Die Frau am Lenkrad kracht in die Leitplanke und kommt mit leichte Verletzungen davon - Glück im Unglück. "Ich hörte ein Geräusch und konnte danach meinen Wagen, der hinten ausbrach, nicht mehr halten", erinnerte sich der Angeklagte vor Gericht. "Alles ging so schnell." Die Fahrerin des entgegenkommenden Autos, das der 53-Jährige gestreift hatte, gab später zu Protokoll: "Ich dachte, er wollte Selbstmordbegehen."

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