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Berufungskammer verhängt 2400 Euro

Geldstrafe für "tollwütigen" SG-Fußballer

Bad Nenndorf/Bückeburg (ly). In 13 Jahren als Schiedsrichter hat ein Stadthäger (41) eine solche Brutalität gegen Unparteiische nicht erlebt. Bei einem Hallenfußballturnier, vom VfL Bad Nenndorf in der Kreissporthalle veranstaltet, war ein Spieler der SG Rodenberg auf den Mann mit der Pfeife losgegangen, verbunden mit wüsten Drohungen. "Der ist völlig ausge flippt'', erinnert sich der Schiri an den 14. Januar 2007. "Dass mich ein Spieler körperlich angreift, ist mir noch nie passiert."

Vor der Berufungskammer am Bückeburger Landgericht hatte die Sache jetzt ein Nachspiel. Ergebnis: 2400 Euro Geldstrafe wegen Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung, umgerechnet zwei Monatseinkommen. In erster Instanz hatte es das Amtsgericht Stadthagen bei 525 Euro belassen, wogegen die Staatsanwaltschaft jedoch Berufung einlegte. Vom Verband ist der Kicker (24) nach einer Verhandlung vor dem Sportgericht für drei Jahre gesperrt worden. Die Fußballsparte der SG Rodenberg hatte den wild gewordenen Balltreter sofort suspendiert. Bereits 2006 war der Stadthäger wegen einer Attacke auf einen Schiri gesperrt. "Es ist fraglich, ob es noch einen Sportverein gibt, der ihn haben will", so Friedrich von Oertzen, Strafrichter in Bückeburg und Präsident des Landgericht, während der Urteilsbegründung. "Wer sich als Ehrenamtlicher freiwillig zur Verfügung stellt, damit andere ihrem Sport nachgehen können, steht unter besonderem Schutz", so von Oertzen. "Mein Mandant hat versucht, alles wieder gut zu machen", erklärte Verteidiger Christoph Hessel. Dazu gehörten eine Entschuldigung sowie Schmerzensgeld und andere Zahlungen in einem Zivilverfahren. Im Strafprozess versuchte der Angeklagte die Vorwürfe jedoch herunterzuspielen. Durch den Angriff hatte der Referee Prellungen erlitten. Hinzu kam die Angst. "Eine Barriere war überschritten", berichtet der 41-Jährige. "Zwei Nächte habe ich nicht geschlafen. Mir ging es richtig schlecht." Bei Gewalt auf dem Spielfeld greift die Bückeburger Staatsanwaltschaft weiter hart durch, wie deren Leiter Thomas Pfleiderer vor Gericht ankündigte. "Wir haben zunehmend derartige Fälle", so Pfleiderer, der eine um 20 Tagessätze höhere Geldstrafe gefordert hatte. "Vor allem bei kleineren Turnieren nimmt dies überhand." Wie tollwütig war der SG-Kicker wegen einer gegen ihn verhängten Zeitstrafe. Schon während der Partie wollte sich der Stadthäger nicht beruhigen lassen. Nach dem Schlusspfiff rastete er völlig aus, sprang den Schiedsrichter an, schlug das Opfer gegen Schulter und Hals, stieß Beleidigungen wie "Lutscher" oder "Lusche" aus. "Du bist tot, Alter", drohte der Tobende, der sich bereits das Trikot vom Leib gerissen hatte, und kündigte an, er wolle "die ganze Familie platt machen". Drei oder vier Männer, der Trainer und mehrere Mitspieler, mussten ihn zurückhalten, auch die Polizei kam. "Sonst", so befürchtet der Schiri, "wäre das richtig böse ausgegangen."




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