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Vor Gericht: Drei Männer sollen reihenweise Diebstähle begangen haben / Entziehungsanstalt?

Geld besorgen für den nächsten "Schuss"

Bückeburg (ly). Süchtig und kein Geld für Drogen: Um Beschaffungskriminalität im größeren Stil geht es in einem Prozess, der jetzt vor dem Bückeburger Schöffengericht begonnen hat. Auf der Anklagebank sitzen drei vorbestrafte Männer (24, 26 und 38 Jahre alt), die bereits inhaftiert sind. Zur Verhandlung werden sie in Handschellenvorgeführt und von vier Wachtmeistern keine Sekunde aus den Augen gelassen.

Weil sie Geld für Alkohol und Drogen wie Heroin brauchten, sollen die Süchtigen in verschiedenen Geschäften lange Finger gemacht haben. Zu den Tatorten gehörten Märkte in Bückeburg, Stadthagen, Minden und Wunstorf. Die Urteile werden für kommenden Donnerstag erwartet. Im Fall zweier Männer könnte das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anordnen. Der mutmaßliche Haupttäter kommt aus Bückeburg. Staatsanwalt Hans-Christian Rümke legt den Angeklagten insgesamt elf Taten in wechselnder Beteiligung zur Last. Ein Teil ist bereits am ersten Prozesstag eingestellt worden, weil eine zusätzliche Verurteilung in diesen Punkten kaum weiter ins Gewicht fallen würde. In allen Fällen waren die Ladendiebe auf frischer Tat ertappt worden. Möglicherweise kommt aber eine hohe Dunkelziffer verwirklichter Taten hinzu. Einer der Arbeitslosen erklärte, er habe pro Tag bis zu 300 Euro für Drogen gebraucht. Besonders abgesehen hatte es das Trio der Anklage zufolge auf Tabakwaren, die sich anscheinend recht leicht zu Geld machenlassen für den nächsten "Schuss" Heroin. Zum Prozessauftakt haben alle Angeklagten die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. Bisher sieht es so aus, als könne zumindest nicht ausgeschlossen werden, dass die Taten im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen worden sind, nämlich unter Entzugserscheinungen. Am Ende des ersten Verhandlungstages gab Richter Dr. Dirk von Behren jedenfalls einen entsprechenden rechtlichen Hinweis. Allzu professionell sind die Ladendiebe offenbar nicht vorgegangen. Wiederholt schafften sie es nur bis zur Kasse. So kam den Langfingern Anfang April in einem Stadthäger Warenhaus der Ladendetektiv in die Quere. Die Beute wären Tabakwaren im Wert von mehr als 600 Euro gewesen. In einem Bückeburger Supermarkt, wo ebenfalls im April Tabakwaren für knapp 200 Euro im Rucksack gelandet waren, wurden die Diebe beim Verlassen des Geschäftes gestellt. Auch in Minden (471 Euro) endete der Versuch am Ausgang. An Dreistigkeit sind einige Fälle kaum zu überbieten. Laut Anklageschrift marschierten zwei der Männer im Juni vergangenen Jahres zunächst in einen Bückeburger Textilhandel, wo sie beim Klauen von T-Shirts einer Verkäuferin auffielen und die Ware zurückgeben mussten. Gleich danach war ein benachbarter Supermarkt mit ähnlich aufmerksamen Angestellten an der Reihe. Im Rucksack lagen mehrere Flaschen Schnaps und Wein sowie Käse. Der Flucht zu Fuß machte die zwischenzeitlich alarmierte Polizei ein Ende. Ein Ladendieb hatte 2,09 Promille Alkohol im Blut, der andere sogar 2,45.




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