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Gegen die Sprachlosigkeit

Bad Münder. Seit 15 Jahren engagiert sich der Verein Hospizarbeit Springe in der Sterbe- und Trauerbegleitung. Ab kommender Woche wird das Angebot auch auf Bad Münder ausgeweitet – mit einer Sprechstunde im Senioren-Servicebüro.

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Die Nachfrage sei einfach da gewesen, erklärt Susanne Rokahr, die seit neun Jahren als Koordinatorin im Hospizverein beschäftigt ist. Vor allem gebe es solch ein Angebot in Bad Münder nicht, der Ort sei ein „weißer Fleck“ auf der Karte. Die nächsten Möglichkeiten für eine ambulante Sterbebegleitung gebe es in Hameln, Coppenbrügge oder Bad Nenndorf. Und eins ist Rokahr noch ganz wichtig zu betonen: „Wir sind keine Konkurrenz zu einem stationären Hospiz. Wir sehen uns eher als Teil des Ganzen, als eine Unterstützung.“ In der Öffentlichkeit werde das noch häufig verwechselt. „Wir pflegen nicht, sondern begleiten die Menschen, zu Hause oder auch im Hospiz.“

Unterstützung bekommt Rokahr jetzt von Jutta Schieb. Durch Spendengelder konnte es sich der Verein leisten, mit der gelernten Krankenschwester eine zweite Koordinatorin einzustellen. „Ich mache zudem eine palliative Zusatzausbildung und werde in Koordination geschult“, erklärt die Münderanerin. Bis Ende des Jahres wird deshalb Rokahr die Sprechstunde in Bad Münder betreuen.

Direkt vor Ort zu sein, bedeute Bürgernähe, zudem falle die Hürde, erst nach Springe fahren zu müssen. Menschen in Bad Münder und den Ortsteilen werden bereits begleitet, so Rokahr, „und das wollen wir jetzt ausweiten. Das Senioren-Servicebüro haben wir als Anlaufstelle ausgesucht, weil es zentral gelegen und bereits etabliert ist.“

Auch Sozialberaterin Birgit Pohle ist überzeugt von dem Konzept: „Wir bieten hier älteren Menschen Sozial- und Wohnberatung an. Das Angebot des Hospizvereins ist eine schöne Ergänzung.“

Die Ehrenamtlichen des Hospizvereins sind sowohl für die Sterbenden da, als auch für deren Angehörige, beschreibt Rokahr die Arbeit: „Wir erleben in den Familien häufig eine Hilf- und Sprachlosigkeit.“ Momentan gehören 23 ehrenamtliche Begleiter zu dem Verein. Im September kommen sieben weitere dazu, die erfolgreich einen fünfmonatigen Kurs abgeschlossen haben. Im nächsten Frühjahr möchte der Verein wieder eine Fortbildung anbieten. „Unser Ziel ist es, den Stab der Ehrenamtlichen zu erweitern“, erklärt Vorsitzender Jens Laupesen. Und das sei nur möglich durch Spendengelder, schließlich seien sowohl die Begleitung – zurzeit werden 15 Menschen betreut – als auch die Kurse kostenlos. „16 Sterbende haben wir in diesem Jahr schon auf ihrem letzten Weg begleitet“, so Laupesen.

Während der Fortbildung werden die Themen Sterben, Tod und Trauer behandelt. „Außerdem werden die Teilnehmer in Kommunikation geschult und müssen lernen, ihre eigenen Grenzen kennenzulernen“, so Rokahr. Während einer Sterbebegleitung müsse sich der Ehrenamtliche komplett zurücknehmen, um auf die Bedürfnisse des Sterbenden einzugehen. „Zusammensitzen und reden, erzählen, vorlesen gehören zu den Aufgaben. Und manchmal ist es einfach nur wichtig und gut, dass jemand da ist“, sagt Schieb und Laupesen fügt hinzu: „Pflegepersonal kann diese Aufgaben gar nicht leisten.“

Die Sprechzeiten in Bad Münder sind dienstags von 10 bis 12 Uhr im Senioren-Servicebüro, Obertorstraße 14. Die erste Beratung wird am 20. August angeboten. Telefonisch ist der Hospizverein in Springe unter 05041/649595 zu erreichen. Die Bürozeiten dort sind dienstags von 17 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 11 Uhr.col



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