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Gegen böse Geister

Bad Münder. Die evangelischen Gemeinden feiern am heutigen Donnerstag – 31. Oktober – den Reformationstag. Für andere steht Halloween vor der Tür – in Form von verkleideten Kindern, die „Süßes oder Saures“ verlangen. Dies sei jedoch im Deister-Sünteltal noch eher die Ausnahme, sagt Pastorin Frauke Kesper-Weinrich aus Hachmühlen, „bei uns hat das keine Tradition“.

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Mit Tüten und Beuteln bepackt sind Kinder hier eher am 10. und 11. November unterwegs, weiß die Pastorin. Früher seien die Lutheraner am 10. November gegangen – dem Geburtstag von Martin Luther – und die Katholiken einen Tag später, dem Geburtstag ihres Heiligen Martins. „Heute gehen die Kinder eben, wenn sie Zeit haben“, hat Kesper-Weinrich beobachtet.

Beim Martinisingen am 10. November wird – ähnlich dem katholischen Martinssingen am 11. November – mit Laternen von Haus zu Haus gezogen und gesungen. Hier in der Gegend sei es meist das Lied „Als Martin noch ein Knabe war“. „Den Brauch zu singen hat einen historischen Hintergrund“, erklärt Kesper-Weinrich. Traditionell war der 10. November der Tag, an dem Landarbeiter und Dienstpersonal über Winter entlassen wurden. Um die kalte Jahreszeit ohne eigenes Einkommen zu überstehen, zogen ihre Kinder an diesem Tag von Haus zu Haus, um bei wohlhabenden Bauern und Bürgern um Gaben zu betteln. Ursprünglich sammelten sie dabei Lebensmittel ein, die tatsächlich für den Wintervorrat mit eingelagert wurden.

Es sei gerade heutzutage wichtig, die eigenen Traditionen zu betonen, „sonst stirbt sie irgendwann aus“, ist Kesper-Weinrich überzeugt. Aus diesem Grund sei vor zehn Jahren auch die Veranstaltungsreihe „Hallo Luther“ ins Leben gerufen worden. Am vergangenen Sonntag haben wieder rund 150 Menschen am Süntelturm die Reformation gefeiert. „Wir waren sehr zufrieden mit der Resonanz“, sagt Kesper-Weinrich, die die Veranstaltung mitorganisiert hat.

Nichtsdestotrotz sieht sie die Feiern rund um Halloween locker. „Wir brauchen das nicht zu verteufeln und ich habe auch nichts gegen Kürbisse“, sagt die Pastorin schmunzelnd, „ich habe selbst ein paar Zierkürbisse zur Dekoration zu Hause.“

Der Brauch, Kürbisse zum Fest aufzustellen, stammt aus Irland – wie Halloween an sich. Von dort kam es mit den zahlreichen irischen Auswanderern im 19. Jahrhundert in die USA, wo es bald übernommen wurde und sich zu einem wichtigen Volksfest entwickelte.

Und in Irland lebte einer Sage nach der Bösewicht Jack Oldfield, dem es mit einer List gelang, den Teufel einzufangen. Er wollte ihn nur freilassen, wenn er „Jack O“ fortan nicht mehr in die Quere kommen würde. Nach Jacks Tod kam er aufgrund seiner Taten nicht in den Himmel, aber auch in die Hölle durfte Jack natürlich nicht, da der Teufel auf ihn nicht gut zu sprechen war. Doch dieser – entgegen seiner Art – erbarmte sich und schenkte ihm eine Rübe und eine glühende Kohle, damit Jack durch das Dunkel wandern könne. Der Ursprung des beleuchteten Kürbisses war demnach eigentlich eine beleuchtete Rübe, doch da in den USA Kürbisse in großen Mengen zur Verfügung standen, höhlte man stattdessen diese aus, um böse Geister abzuschrecken.col

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