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Der Berliner Maler Mathias Winde stellt im Stift Bilder aus, die mit düsteren Farben viel Elend zeigen

Geboren, um in einer anderen Welt zu leben

Obernkirchen (rnk). Menschen, die in dreckigen Gassen ihre Hände flehentlich dem Betrachter entgegenstrecken, ausgemergelte Kinder, die auf einer Matratze schlafen, ein Blinder in einer Ecke: Die Bilder, die Mathias Winde 1994 fünf Monate lang bei seinem ersten Aufenthalt in Indien, Kashmir und Bangladesh sah, haben sich fest in sein Gedächtnis gebrannt.In grauen und schwarz-dunklen Farben hat er Eindrücke aus dortigen Städten auf die Leinwand gemalt, die von einem wahrhaft öffentlichen Leben künden: Auf den Straßen wird gelebt und gestorben - und zwar buchstäblich.

Mathias Winde

Bunt, fröhlich, das sind sie nicht, die Gemälde und Zeichnungen, die Winde malt, auch nicht, wenn er tatsächlich ein bisschen Farbe verwendet. Trostlos, matt und verwaschen kommen seine Bilder daher, die er von Affen im Berliner Zoo angefertigt hat und die den Hauptteil der Ausstellung ausmachen. Apathisch sitzen die Tiere auf nahezu allen Bildern in ihren Käfigen, bestenfalls bewegen sie sich auf einer Schaukel. Tiere, die sich in ihrer Umgebung wohl fühlen, sehen definitiv anders aus. Der 1966 in Berlin geborene Winde hat die Tiere studiert, als er sich eine Dauerkarte für den Zoo gekauft hatte. Natürlich hat ihn auch fasziniert, dass die Affen dem Menschen doch recht ähnlich sind, man sich in den Tieren hinter den verwaschenen Glasfenstern schnell wiederfindet. "Sie wurden in eine Welt geboren, für die sie nicht geschaffen sind", sagt er. Und, etwas kryptisch: "Das ist bei den Menschen auch so." Die Faszination, die die Berliner Affen auf ihn ausgeübt haben, erklärt Winde so: "Es ist, als könnte man dabei die ganze Evolution ablaufen." Die Vernissage im Stiftssaal ließ viele Besucher mit eher ratlosen Gesichtern zurück: Es fehlte eine Einführung, ein Schlüssel für die düster-deprimierenden Werke. Dass Winde zur Einführung zwei Gedichte des Literaturnobelpreisträger T. S. Eliot las (aus dem "Düsteren Land"), war nur bedingt hilfreich. Wilde selbst hat seine Ausbildung im Malen und Zeichnen als Autodidakt und als Gasthörer an der Hochschule der Künste in Berlin absolviert. Vorwiegend stellt er in der Bundeshauptstadt in Privaträumen aus, aber seine Vita verzeichnet für 2006 auch eine Ausstellung in der Heilandskirche in Berlin-Moabit. Die Winde-Ausstellung kann montags bis freitags von 8 bis 15.30 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter (05724) 8450 besucht werden. Möglich ist eine Besichtigung auch im Rahmen der Stiftsführungen, die noch bis zum 31. Oktober an jedem Mittwoch und Sonnabend um 15.30 Uhr angeboten werden.

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