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Ganztagsschule ja – aber wo?

Bad Münder. Die Eltern von 120 Kindern, die die Grundschule Bad Münder besuchen, würden ihr Kind an einer Ganztagsschule anmelden – das hat eine Befragung im März ergeben. Wie das umgesetzt werden kann – und vor allem an welchem Standort – wurde auf Einladung des Schulelternrates jetzt mit Kreisschulrätin Petra Broistedt, Bürgermeister Hartmut Büttner sowie Fraktionsvertretern in der Aula der Grundschule diskutiert.

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Der Grund für die Veranstaltung sei die unter den Eltern herrschende „Unsicherheit über die Rahmenbedingungen“, sagte Katja von Bernuth, stellvertretende Vorsitzende des Schulelternrates. Momentan sei das Schulgebäude an der Kellerstraße weder für eine Ganztagsbetreuung noch für die Inklusion ausgerichtet. „Es fehlen Gruppen- und Therapieräume sowie eine Mensa.“ Die Fragen der Eltern sind klar: Wann könnte die Grundschule Bad Münder zur Ganztagsschule werden – und wo, an der Kellerstraße oder in der ehemaligen Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule?

Der erste Schritt sei eine erneute Bedarfsumfrage unter allen Eltern, einschließlich der Kitas, erklärt Bürgermeister Hartmut Büttner. Die Ergebnisse sollen im Bildungsausschuss beraten werden. Persönlich halte er eine Antragstellung für die Einrichtung einer Ganztagsschule an der Grundschule Bad Münder für das Schuljahr 2015/16 für realistisch. Schließlich sei das auch ein Stück Zukunftsfähigkeit für die Kommune. Mit dem leer stehenden HWK-Gebäude gebe es eine einmalige Situation, „wir müssen jedoch intensiv prüfen, wie hoch der Investitionsbedarf an den beiden potenziellen Standorten ist“, dämpft Büttner die Euphorie. Am 12. November werde ein externes Expertenteam über den Investitionsrahmen informieren.

„Wir haben ihnen die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule auf einem silbernen Tablett serviert“, sagt Kreisschulrätin Petra Broistedt, die selbst in Göttingen sieben Schulen zu Ganztagsschulen umgewandelt hat. Die Stadt, so das Angebot des Landkreises, müsste sich jedoch bereit erklären, die Sanierungskosten sowie die laufenden Kosten für das Gebäude zu tragen. „Wenn Bad Münder diese Schule möchte, werden wir sie nicht im Regen stehen lassen und einen Kompromiss finden“, so Broistedt. Bürgermeister Büttner zeigte sich erstaunt über die Aussage der Kreisschulrätin: „Wir müssen erst einmal prüfen, was auf diesem silbernen Tablett draufliegt.“

Die Prognose Broistedts: „Wenn sie eine Ganztags-Betreuung anbieten, wird die Zahl der Nutzer schon im zweiten Jahr von 60 auf bis zu 90 Prozent steigen.“

Grundschulleiter Christoph Schieb verdeutlichte, dass er gegen eine Antragstellung bereits für das kommende Schuljahr sei: „Ich persönlich kann da nicht voll hinterstehen.“ Dafür sei die räumliche Situation und die qualitative Ausstattung einfach nicht „ideal“. „Das Ganztagsschulkonzept würde unglücklich verlaufen und da verzichte ich lieber.“

Die Investitionskosten für die Sanierung der HWK-Schule könnten zumindest teilweise durch den Verkauf des Schulgebäudes an der Kellerstraße refinanziert werden, schlug Dr. Helmut Burdorf (Die Grünen) vor. Der 60-Jährige ist selbst Chemielehrer an der KGS Salzhemmendorf und pocht auf ein qualitativ hochwertiges Ganztagsangebot, „das mehr bietet als Musik und Sport“.

Für eine Ganztagsschule offen zeigten sich auch Hans-Ulrich Siegmund (CDU) und Karl-Wilhelm Baule (SPD), eine Diskussion ohne Zahlenmaterial lasse sich jedoch nur schwer führen. Helmut Mönkeberg (proBürger) machte seinem Ärger Luft, weil seit 2009, als seine Partei einen Antrag bezüglich der Nachnutzung der HWK-Schule gestellt hatte, nichts passiert sei.

Deutlich wurde auch die Sorge der Eltern aus den Ortsteilen, dass ihre Grundschulen geschlossen werden, wenn die Ganztagsschule in der Kernstadt kommt. Kritisch wurden auch die offensichtlich hohen Kosten betrachtet, die mit der Übernahme der HWK-Schule einhergehen würden. „Wir haben schließlich auch ein Recht darauf, dass Geld in unsere Schulen und Dörfer fließt“, erklärte ein Zuhörer. Eine Absage machte Büttner der Idee, einen zentralen Grundschul-Standort an der HWK-Schule zu etablieren: „Wir brauchen attraktive Bedingungen an allen Standorten.“

Bis eine Entscheidung getroffen sei, werde es auch keine Arbeiten an dem Gebäude an der Kellerstraße geben, das seit 40 Jahren die Grundschule beherbergt. Dabei, heißt es aus den Reihen der Eltern, gebe es auch hier Handlungsbedarf.col

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