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Ganz ohne Kunststoff

VON WERNER HOPPE

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Exten. Was wäre wenn? – Was wäre unser modernes Leben, wenn es keine Kunststoffe gäbe? Die Antwort: Alles oder zumindest vieles würde zusammenbrechen. Aber weder für die Frage noch für die Antwort hätten die Menschen vor noch kaum 100 Jahren wohl Verständnis gehabt. Denn die Natur gab alles, was zum alltäglichen Leben nötig war. Das gilt auch für die Materialien, aus denen dieser hölzerne Kübel gemacht ist, der hinter der Antik-Scheune in Exten auf einen Trödel-Liebhaber wartet. Auf einen Entdecker, der Auge und Herz für seinen Erhalt hat oder ihn sogar noch in irgendeiner Form verwenden möchte.

Menschen, die noch mit derlei Gefäßen aufgewachsen sind, dürften aus dem Stand gleich etliche Möglichkeiten der Wiederverwendung aufgezählt haben können. Denn Eimer, Kübel und Fässer, alles ließ und lässt sich prinzipiell immer noch aus Holz machen. Vom Küfer, so die Bezeichnung für den alten Beruf, den es immer noch gibt, der aber selten geworden ist in unseren Breiten.

Für die Nachgeborenen als neue Information und für die Älteren zur hoffentlich nicht nur sentimentalen Erinnerung: Ein Küfer ist derjenige, der Holzleisten (nennen wir sie mal so) derart mit ebenfalls hölzernen Böden beziehungsweise Deckeln zusammenfügt und mit eisernen Bändern befestigt, dass sie ein seitlich oder sogar rundum geschlossenes Gefäß ergeben. Es erhält seine letzte Dichtigkeit, indem man es durch Wassereinwirkung aufquellen lässt. Soviel nur sei zum Prinzip gesagt. Wer’s genau wissen will, darf sich über Fachliteratur oder im Internet schlau machen.

Um den Holzkübel und seine Verwandten selber geht es hier sowie um deren Wiederverwendung. Auf jeden Fall noch in den 1950er Jahren waren Gefäße und Transport-Verpackungen aus Holz gang und gäbe. So zum Beispiel Eimer und Fässer für die eingelegten Heringe, die der „Kolonialwarenhändler“ in seinem Lager aufbewahrte für den möglichst schnellen Abverkauf. Auf den auch viele Kunden warteten, denn die entleerten Gefäße waren heiß begehrte Objekte für die eigene häusliche Vorratswirtschaft. Ließ sich doch nur zum Beispiel in einem zuvor gründlich gesäuberten und gewässerten Ex-Heringfass vortrefflich selbst gehobeltes Sauerkraut im Keller zur vollen Reife bringen. Die Beispiele könnten fast beliebig ausgedehnt werden, denkt man nur an die hölzernen Apfelsinenkisten, die in manchem Jugend- und Studentenzimmern zu Möbeln mutierten ...



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