×
Schutz vor Einbrüchen: Experten geben Tipps

Ganoven bleiben außen vor

Der „Sheriff“ weiß Bescheid, Klaus Stiller, ehemaliger Polizeihauptkommissar, der an die zwanzig Jahre für Einbruchsdelikte zuständig war: „Man muss keinen van Gogh an der Wand haben oder die Rolex in der Schublade, um Diebe anzulocken. 50 Euro und vielleicht ein Laptop oder etwas Schmuck, viel mehr springt bei den wenigsten Einbrüchen heraus.“ Die meisten Einbruchsdelikte seien eher spontane Taten, ausgeübt von Gelegenheitsdieben. „Den wahren Schaden erleidet die Psyche vieler Betroffener“, sagt er. „Und keine Versicherung zahlt die Verletzung der Gefühle.“

ri-cornelia2-0711

Autor

Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite

Er ist extra aus Münster nach Rinteln angereist, um dort zwei Wohnungen zu begutachten, die der ortsansässige Tischler Jürgen Hoppe einbruchssicher gemacht hat. Klaus Stiller, dem es Spaß macht, sich als „Sheriff“ zu bezeichnen, ist nämlich Gutachter im Netzwerk „zuhause-sicher.de“, ein Verein, der in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Niedersachen (LKA) dazu beitragen will, dass Einbruchsversuche vereitelt oder gar nicht erst verübt werden.

Etwa ein Zehntel

aller Straftaten sind Einbrüche

Manchen mag diese Sorge in Sachen Einbruchssicherung übertrieben erscheinen. Nur etwa ein Zehntel aller Straftaten überhaupt sind Wohnungseinbrüche. 188 Mal zeigten Hamelner Bürger im letzten Jahr einen Einbruchsdiebstahl an; im gesamten Landkreis Hameln-Pyrmont waren es 242 Fälle. Der Landkreis Schaumburg verzeichnete insgesamt 321 Einbrüche. „Aber es ist so: Wohnungseinbrüche sind Delikte, die den Kernbereich des privaten Lebens betreffen, nicht viel anders als schwere Körperverletzung“, sagt dazu Dietmar Scholz, Beauftragter für Kriminalprävention in der Polizeiinspektion (PI) Nienburg-Schaumburg. „Deshalb nehmen wir Einbrüche besonders ernst.“

Zu Dietmar Scholz’ Aufgaben gehört es, Bürgern in den Städten und Gemeinden Ratschläge rund um Einbruchssicherheit zu geben. Immer wieder hört er nach seinen Vorträgen traurige Geschichten von Menschen, die es niemals wirklich verwinden konnten, dass ihre Intimsphäre durch einen Einbruch derart verletzt wurde. So erzählt er von einem älteren Mann aus dem Auetal, der ihm sagte, er habe zwar keinerlei Angst, stundenlang allein im Wald spazieren zu gehen; doch seit bei ihm vor über 20 Jahren (!) eingebrochen worden sei, fühle er sich in seinem eigenen Haus nicht mehr wohl und sicher. Sofort fällt Scholz auch die Frau ein, die innerhalb weniger Jahre zwei Einbrüche hinnehmen musste, und danach nicht um eine psychiatrische Behandlung herumkam.

Auch Klaus Stiller kennt solche Erzählungen und sie haben ihn so beeindruckt, dass er einen fast missionarischen Eifer darin entwickelt, auf die Möglichkeiten der Einbruchssicherung hinzuweisen. Er selbst könne jede normale Wohnungstür innerhalb von wenigen Sekunden knacken, sagt er. „Wenn ich das auf Informationsmessen vorführe, sind die Zuschauer erschrocken. Dann leuchtet es ihnen ein, wie sinnvoll es ist, ein Sicherheitsniveau zu schaffen, das Einbrecher wirklich ärgert.“ Wo es ihnen nicht in Sekundenschnelle gelingt, Tür oder Fenster aufzubrechen, wenden sich die Täter ab, sagt seine Erfahrung. „Pech für den Nachbarn gegenüber, der keine Sicherheitsvorrichtungen besitzt.“

Tatsächlich kann man den Unterschied zwischen zwei gegenüberliegenden Wohnungen im von Stiller begutachteten Haus in der Rintelner Innenstadt gut erkennen. Die eine Wohnung besitzt eine einfache Glasscheibe und eine Haustür, deren Schloss gute Angriffsfläche für ein Einbruchswerkzeug bietet. Dass sie mit Leichtigkeit aufzuhebeln sein würde, daran kann angesichts der Art, wie sie aufgehängt ist, auch kein Zweifel bestehen. Die Sicherheitstür gegenüber hat ein unangreifbar versenktes Schloss, dazu noch ein versetztes zweites Schloss und einen Türspion. Sie ist mit versenkten Stahlbolzen statt mit normalen Türangeln aufgehängt, und bietet ganz nebenbei auch noch Brandschutz. Keine Frage, dass Klaus Stiller diese Tür abnehmen kann.

Da die Wohnung im ersten Stockwerk liegt, muss nur eines der Fenster gesichert sein, dasjenige, welches leicht über ein niedriges Schuppendach im Hof zu erreichen wäre. „Einbrecher schlagen nur selten die Fensterscheibe ein“, sagt er. „Meistens versuchen sie ein Aufhebeln.“ Das dürfte bei dem vom Tischler Hoppe eingebauten Fenster unmöglich sein. Es ist an mehreren Stellen mit den Zapfen einer sogenannten „Pilzkopfverriegelung“ gesichert und besitzt zudem einen abschließbaren Griff. „Man sollte nur nicht vergessen, den Schlüssel dann auch abzuziehen, schon gar nicht, wenn das Fenster auf Kipp steht“, so der Experte.

Wenn Klaus Stiller ein Haus begutachtet hat, das vollkommen sicher vor Einbrechern ist, verleiht sein Verein eine Metallplakette, die das Haus als einbruchssicher ausweist und direkt an der Hauswand befestigt werden kann. „Das ist durchaus sinnvoll“, meint dazu Dietmar Scholz und weist darauf hin, dass man bei ihm auch einen Aufkleber erhalten kann: „Vorsicht – wachsamer Nachbar!“ Nachbarschaftshilfe spiele nämlich ebenfalls eine Rolle bei der Verhinderung von Wohnungseinbrüchen. Neben den Sicherheitsvorkehrungen sind auch sie es, die durchschnittlich etwa 40 Prozent aller Einbruchsversuche scheitern lassen.

Polizei wird aufmerksam, wenn Transporter von

der Autobahn abfahren

Wer sind aber die Einbrecher, die nicht nur stehlen, sondern automatisch oft sehr lang anhaltende Ängste bei den Betroffenen verursachen? „Männlich“, sagt Dietmar Scholz. „Zwischen 18 und 40 Jahre alt, zu 80 Prozent mit deutscher Staatsbürgerschaft.“ Die allermeisten stammen aus der Tatort-Gemeinde oder zumindest dem Tatort-Landkreis, abgesehen von Straftätern aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen. Da hatte Thorsten Walter, Leiter des Zentralen Kriminalitätsdienstes der PI Nienburg/Schaumburg, bereits Folgendes zur Erläuterung der Statistik erklärt: „Wenn ein Sprinter mit Dortmunder Kennzeichen von der A 2 abfährt, gehen bei uns die Lampen an.“ Verstärkte Präsenz an den entsprechenden Autobahnabfahrten senkt wohl temporär die Einbruchszahlen im Landkreis Schaumburg. Dafür aber erhöhen sie sich dann in Hameln und in Garbsen. In der Hälfte aller Fälle handeln Einbrecher nicht allein. Ein Drittel von ihnen sei ansonsten arbeitslos. Erstaunlicherweise, so Dietmar Scholz, sei in seinem Einzugsgebiet nur jeder zwölfte Täter von Drogen abhängig, und ebenfalls nur jeder Zwölfte zur Tatzeit (meisten zwischen 14 Uhr und 20 Uhr) alkoholisiert.

Prinzipiell kann sich jeder auch an die örtlichen Polizeistationen mit der Frage wenden, ob Haus oder Wohnung wirklich einbruchsgesichert sind. Auch Dietmar Stiller hat schon so manche Stunde damit verbracht, Mieter und Besitzer zu beraten. „Das tun wir allerdings hauptsächlich bei Menschen, die einen besonderen Grund zur Besorgnis haben“, sagt er. „Eine flächendeckende Beratung wäre personell natürlich nicht machbar.“

Wer sich selbst informieren will, findet hilfreiche Broschüren auf jedem Polizeikommissariat und viele Hinweise auf Internetseiten wie zum Beispiel „k-einbruch.de“ oder „zuhause-sicher.de“.

Einbrecher sind in der Regel männlich, zwischen 18 und 40 Jahre alt und besitzen in 80 Prozent der Fälle die deutsche Staatsbürgerschaft. Wer verhindern will, dass ein Einbruchsversuch gelingt, muss Sicherheitsmaßnahmen umsetzen. Die Polizei und auch Vereine wie „zuhause-sicher.de“ leisten da konkrete Hilfe. Sie nehmen Einbruchsdelikte sehr ernst, weil bei ihnen immer auch ein seelischer Schaden dazukommt.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt