150 Jahre Gaffelfest „auf dem Hagen“ / Aerzener Schmiede stellte eiserne Gaffel her

Gaffelbrüder sammelten Wurst und Schnaps

Die Gaffelbrüder im Dorf Hagen feiern in diesem Jahre die 150. Erwähnung ihres Gaffelfestes, das allerdings viel, viel älter ist. Ihre alte Chronik beginnt mit der Überschrift „Fastelobend“ und gibt uns einen Hinweis auf den Ursprung des Brauches. Seit dem Konzil von Nizäa 325 bezeichnete man den Zeitabschnitt vor Aschermittwoch und die Fastenzeit als „Fastelobend“. Um diesen „Fastelobend“ herum entwickelten sich vielerlei Gebräuche, in denen der Mensch und sein Denken immer im Vordergrund stehen. Dabei fällt das Hagener Gaffelfest als nachkarnevalistischer Brauch in die eigentlich ruhige Fastenzeit, weshalb schon vor 150 Jahren eine Genehmigung dafür erforderlich war. Am 16. Februar 1860 bat der Hagener Bürgermeister Christian Kicks den „Polizeikommisär“ zu Pyrmont um die Genehmigung dieses „althergebrachten“ Brauches. Der Kreisamtmann fragte am 20. Februar nach, wie alt der Brauch sei, was Bürgermeister Kicks nur mit „uralt“ beantworten konnte und daraufhin am 1. März 1860 die Genehmigung erhielt (siehe Abbildung unten). So konnten die Gaffelbrüder, d. h. Zimmerleute, Maurer und andere Handwerker mit einer hölzernen Astgabel, der „Gaffel“ durch das Dorf ziehen, bevor sie sich dann zum Arbeiten in die „Fremde“ verabschiedeten. Sie sammelten Wurst und Schnaps ein und verzehrten beides anschließend in lustiger Runde. Unter der Last der vielen Würste ist die hölzerne Astgabel dann eines Tages zerbrochen, und 1881 stellte der auf dem Hagen zur Miete wohnende Techniker Bönning in der Aerzener Schmiede eine eiserne Gaffel her, die noch heute vorhanden ist. Die Hagener zogen damals noch ins Meintetal zur Kixmühle, anschließend nach Hiddensen und dann über Graben zurück nach Hagen. Dabei wurden sie zumeist von einer Musikkapelle begleitet und tanzten oft bis in die Morgenstunden hinein. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges musste das Gaffelfest vorläufig eingestellt werden. Erst zwölf Jahre später, am Samstag, 17. Februar 1951, zogen wieder 40 Gaffelbrüder durchs Dorf und feierten das 70. Jubiläum der eisernen Gaffel. Dafür hatten sich besonders Fritz Angermann, Fritz Brunsmeier und Bernhard Mundhenk sen. eingesetzt. Damals wie heute müssen die Gaffelträger, wenn sie die Gaffel absetzen, folgenden Spruch aufsagen: „Hier setz ich mein Stipp und Stab und nehme meine Mütze ab, und setzt mein Fuß dabei, damit ich willkommen sei. Ich hab’ ’nen freundlichen Gruß zu bestellen, von allen lust’gen Fastnachtsgesellen. Sie mögen sich der Ehr’ und Güte zeigen und sich zu unserer Fastnacht neigen. Es mag sein groß oder klein, keiner soll vergessen sein!! Vivat!!“

Genehmigung vom 1. März 1860.

Autor:

Manfred Willeke


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