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Fußgängerzone Bad Münder: Bürger diskutieren mit Experte

BAD MÜNDER. „Was stört denn?“ – mit diesen Worten leitete Verkehrsplaner Lothar Zacharias die Debatte über die Fußgängerzone ein. Eine Debatte zwischen Händlern, Anwohnern und Besuchern der Innenstadt, die bisweilen scharf geführt wurde und vor allem eins offenbarte: Die Fronten verlaufen quer durch die Stadt.

Dr. Helmut Burdorf verteidigt seine Idee für ein neues Verkehrskonzept in der Innenstadt. Foto: Dittrich
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Zwei Stunden wurde im Foyer mit Moderator und Experten Zacharias offen diskutiert. Zwei Stunden zwischen Zukunfts-Utopien und liebgewonnenen Straßenzügen. Alles so lassen oder doch weiterdenken, neu gestalten? Vor allem die Politiker erneuerten dabei ihre Forderungen: Ratsherr Dr. Helmut Burdorf verteidigte seine Idee, den Kirchhof zur Sackgasse mit einem Zugang zu machen und die Echternstraße für den Verkehr zu öffnen, Hans-Ulrich Siegmund bekräftigte seine Forderung eines Parkplatzkonzepts für die Innenstadt – wieder einmal.

Beides rief in der Versammlung nun weitere Gegner und Unterstützer auf den Plan, die sich bisher zur Fußgängerzone nicht geäußert hatten: Björn Henkel aus dem Kirchenvorstand sprach sich deutlich gegen eine neue Verkehrsführung rund um die Kirche aus: „Das ist ein Veranstaltungsort und wenn da Chöre mit 50 Personen und Technik ankommen, sind Transporter und Hänger schwierig zu rangieren.“ Außerdem müsse es für ältere Gottesdienstbesucher eine Anfahrtmöglichkeit geben.

CDU-Ratsherr Michael Grote unterstützte unterdessen Burdorfs Kritik an der gegenwärtigen Situation: „Es gibt ein eklatantes Ungleichgewicht bei den Händlern.“ Während in der Langen Straße viel Betrieb durch den Verkehr, Gastronomie und Geschäfte sei, passiere in der Echternstraße wenig. „Diese Ungleichbehandlung darf nicht sein“, kritisierte Burdorf lautstark und ergänzte, dass auch die Regelung, die Marktstraße ab 18 Uhr für den Verkehr zu öffnen, völlig unnötig sei – da dann eh alle Geschäfte geschlossen seien.

Abseits einer möglichen Umgestaltung der Innenstadt drehte sich die Debatte vor allem um die gegenwärtige Situation: Anwohner, Händler und Politiker kritisierten gleichermaßen die Situation an der Langen Straße. „Die parken wie die wilde Sau“, schimpfte Siegfried Schönfeld. Vehement wurde die Verwaltung immer wieder aufgefordert, dort stärker zu kontrollieren. Burdorf schätzt, dass ein Großteil der Parkplätze von Dauerparkern blockiert würden: „Mindestens 50 Prozent.“ Auch deswegen forderte Hermann Wessling einen zusätzlichen Mitarbeiter zum Verteilen von Knöllchen, nicht ohne den Hinweis, dass die Debatte über die Parkplatzsituation schon seit 15 Jahren geführt würde.

CDU-Ratsherr Siegmund sieht mehr Parkplätze aber nicht als Rettung für den Handel an: „In Hannover bezahlen wir viel Geld für ein Parkhaus und laufen weit, hier meint man vor dem Geschäft parken zu müssen. Wir kommen aber nicht gegen das Internet, Hameln oder Hannover an.“ Das glaubt aber Khord El-Anwar, Inhaber das Senfkorn-Bioladens an der Marktstraße – was er aller Kritik zum Trotz, immer wieder betonte: „Sonst ist unser Geschäft das nächste, das schließt.“ Dem hielt Henkel entgegen: „Das ist einfach der falsche Standort.“ Als Privatperson kritisierte er außerdem das Warenangebot in der Innenstadt: „Diese Entwicklung schrauben wir aber nicht mehr zurück.“ Der Leerstand in der Stadt ist ohnehin keine neue Erkenntnis, wie auch am Mittwoch wieder deutlich wurde: Laut Anja Rothe nimmt er allerdings immer weiter zu. Die Fotografin hat ihr Geschäft auf der Marktstraße.

Aspekte, die für eine Veränderung der Fußgängerzone sprechen, wie Uwe Nötzel als Sprecher der Mehrheitsgruppe, zu der auch Burdorf gehört, verdeutlichte: Der Anspruch müsse sein, die Straßen wieder mit Leben zu füllen, die Innenstadt zu retten.



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