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Spyder steht bei Porsche für Leistung und pure Lust – aber das Verdeck wird immer noch per Hand geöffnet

Fummeln für Fortgeschrittene

Autor:

von michael specht

Florenz. Man könnte denken, der Boxster Spyder sei aus einer Bierlaune heraus entstanden. Da sitzen Ingenieure abends bei einem Gläschen zusammen und spinnen ein bisschen. Frei nach dem Motto: Warum packen wir nicht einfach mal unseren Carrera-S Motor in den Boxster, schmeißen alles unnötige Gewicht über Bord und schaffen so eine puristische Fahrmaschine? „Ganz so war es nicht“, sagt Baureihenleiter Stefan Weckbach, „wir hatten einfach immer mehr Kunden, die ein solches Fahrzeug wollten.“ Gesagt, getan. Mit 375 PS ist der Spyder das stärkste Stück der Boxster-Baureihe, hängt sogar den 45 PS schwächeren GTS ab. Porsche lässt sich dies mit mindestens 79 945 Euro allerdings üppig vergüten. Zum Händler rollt der Spyder Ende Juli.

Erst die Arbeit und dann das Vergnügen: Fahrer älterer Roadster können ein Lied davon singen, musste das Verdeck doch meist umständlich geöffnet und verstaut werden, bevor man sich den Wind durch die Haare pfeifen lassen konnte. Ganz ähnlich läuft die Prozedur beim Boxster Spyder ab – selbst im Jahr 2015. Von seinem Normalo-Bruder, der mal eben lässig in neun Sekunden elektrisch seine Mütze nach hinten wirft, ist der Spyder meilenweit entfernt. Hier heißt es Fummeln für Fortgeschrittene, bevor endlich die Sonne ins Cockpit scheint. Geübte schaffen den Striptease in unter 50 Sekunden. Es ist jedoch, so viel steht nach einer ersten Ausfahrt mit dem Spyder fest, das einzige Manko an diesem Porsche.

Sobald der Zündschlüssel gedreht ist und der 3,8-Liter-Boxer hinter den Sitzen die ersten Töne von sich gibt, ist alles vergessen. 375 PS treffen auf nur 1315 Kilogramm. Eine äußerst coole Kombination. Der Spyder wiegt 30 Kilogramm weniger als der GTS. Man braucht keinen Nobelpreis in Physik, um zu verstehen, was dies fahrdynamisch bedeutet: eine Menge Spaß. Es gibt nur wenige Motoren, die so schön linear hochdrehen wie dieser Sechszylinder-Boxer-Sauger (ja, kein Turbo!). Dazu kommt ein Gänsehaut-Sound, der Suchtpotenzial besitzt. Selbst auf der Autobahn schafft man es nicht, sein Hirn auf gemäßigten Cruising-Modus zu programmieren. Ständig nutzt man Lücken zum Beschleunigen und genießt Klang und Kraft dieses Roadsters.

Die Kirsche auf der Sahne aber sind leere, kurvenreiche Landstraßen. Hier lässt sich der Spyder gefühlt millimetergenau ums Eck scheuchen, lenkt perfekt ein, schaltet schnell und präzise und erkauft sich seine Kurvenkunst nicht durch ein bretthartes Fahrwerk. 4,5 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h gibt Porsche an. Bei 290 km/h liegt die Höchstgeschwindigkeit.

Um den Spyder auf das Leistungsgewicht von 3,5 Kilogramm pro PS zu bringen, mussten die Entwickler einiges über Bord werfen, was normalerweise in Autos als unverzichtbar gilt. Zum Beispiel die Klimaanlage und das Radio. Beides allerdings kann der Kunde einbauen lassen – aufpreisfrei. Gut zehn Kilogramm brachte der Verzicht auf das elektrische Verdeck, fünf Kilogramm der reduzierte Einsatz von Dämmmaterial. Auch die Schalensitze wiegen zehn Kilogramm weniger als ihre Normalpendants. Und da Puristen sowieso eher Freunde des Schaltgetriebes sind, baut Porsche in den Spyder kein schweres Doppelkupplungsgetriebe ein.

Käufern, die sich den Boxster Spyder aus Spekulationsgründen zulegen wollen, sei gesagt: Eine limitierte Auflage gibt es nicht. Der Spyder wird so lange gebaut, wie die zweite Boxster-Generation (981) noch existiert. Erst 2019 soll es einen Nachfolger geben.




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