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Sido rappt vor 2500 Fans die Swiss Life Hall

Fürs Ghetto zu brav

Vollbart, Sonnenbrille, Basecap – obwohl der bekennende Hip-Hopper seine Totenkopfmaske bereits 2005 abgelegt hat, war sein Konterfei kaum zu erkennen. Das steht auch nicht im Mittelpunkt seiner schweißtreibenden Show, denn seine Fangemeinde liebt die polarisierenden Texte des deutschen Elite-Rappers. Danach kann man richtig „Pattie“ machen – abtanzen und so – die lassen den Adrenalinspiegel steigen.

„Los, zünde deine Fackeln an und mach die Hände hoch für den Maskenmann“ – ein Pyrogewitter begleitet den Opener „Ewig“ – die Swiss Life Hall sekundenschnell im Sido-Fieber. Fast 30 Songs stehen auf der Setlist von Paul Würdig – und bei keinem kommt Langeweile auf. Der „Goldjunge“ liefert ab – seine Multimedia-Show vom Feinsten. Bei den folgenden zwei Titeln „Löwenzahn“ und „Selfie“ rappen Joka und MoTrip mit dem gebürtigen Berliner, während auf einer riesigen Videoleinwand die bösen Taten des einstigen Krawall-Rappers in Form von Zeitungsartikeln sichtbar werden.

Etwas aus seiner Aggro-Zeit darf durchaus noch mit in die Show einfließen – aber auch nur etwas, denn der einst zum drittnervigsten Deutschen gewählte Rapper ist längst im Mainstream angekommen. Immer wieder betont Sido, dass man sich heute Abend auf einer Hip-Hop-Show befindet – ohne Wenn und Aber. Für den fetten Sound sorgen die beiden DJs Werd und Disue, die den Turntables so einiges abverlangen.

Der 35-Jährige umgibt sich gern mit Freunden – nicht nur bei Livekonzerten, sondern auch bei seinen Plattenaufnahmen. So findet man auch auf dem aktuellen Longplayer „VI“ viele „special guests“, die seine CD mit ihrer Mitarbeit veredeln. So unter anderem Adel Tawil (Zuhause ist die Welt noch in Ordnung), Andreas Bourani (Astronaut) und Dillon Cooper (Ackan).

Versetzte 2500 Fans in einen HipHop-Rausch – Sido bei „Ewig“. Text und Konzertfotos: Lars Andersen

Auch Alexander ist dabei – ein Diener, der für die aufheiternden Momente in der Show zuständig ist. Er sorgt zudem dafür, dass Sidos Stirn immer trocken bleibt und die ersten Reihen vor der Bühne ab und an mit Jägermeister versorgt werden. Ach Sido, so ein „Schlechtes Vorbild“ bist du doch gar nicht.

„Ich bin nicht böse, ich tanz nur ab und zu aus der Reihe – ich bin kein Gangster, kein Killer, ich bin kein Dieb, ich bin nur ein Junge von der Straße“, heißt es in dem Song „Straßenjunge“. Sido wäre nicht Sido, wenn die Straßen-Romantik nicht ab und an in ihm auflodern würde. Doch Wut und Hasstiraden stehen nicht mehr im Mittelpunkt seiner Liveshow – gut so, Sido – das macht dich auf irgendeine Weise sympathisch.




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