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Vor Gericht: "Auf dem Rückweg wollte ich das Rad wieder abstellen" / 26-Jähriger muss ins Gefängnis

Für einen Fahrraddiebstahl für sechs Monate in Haft

Bückeburg (ly). Fahrraddiebstahl mögen manche mit einem Bagatelldelikt verwechseln. Für einen Bü ckeburger führt der Radweg jedenfalls direkt ins Gefängnis. In einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht ist der 26-Jährige jetzt auch in zweiter Instanz zu einem halben Jahr Haft verurteilt worden. Dies lag vor allem daran, dass der Angeklagte schon reichlich Vorstrafen im Register hat, fast ein Dutzend.

Im Gefängnis hat er bereits mehrfach gesessen. Zuletzt war der Sozialfall im Dezember vergangenen Jahres entlassen worden, nachdem er eine 14-monatige Haftstrafe wegen zweifachen Diebstahls verbüßt hatte. Nur einen Monat später ließ der Wiederholungstäter am Carolinenweg ein gebrauchtes Mountainbike mitgehen, um damit Richtung Rinteln zu fahren. "Ich habe das Fahrrad genommen, um meinem Vater Medikamente zu bringen", erklärte er während der Verhandlung und beteuerte: "Auf dem Rückweg wollte ich es wieder abstellen." Fakt ist, dass es dazu nicht kam. Der Eigentümer des Drahtesels sowie ein früherer Knastkumpel des 26-Jährigen, vor dessen Haus das Rad stand, hatten im Auto die Verfolgung aufgenommen. In Todenmann zog der Dieb es vor, die Beute einen kleinen Abhang hinunter zu werfen, um die Flucht zu Fuß fortzusetzen. Da ihn jedoch zumindest einer derMänner kannte, war die Identifizierung später kein Problem. "Die Kammer kann sich nicht vorstellen, dass der Angeklagte das Fahrrad zurückbringen wollte", sagte Richter Peter Rohde zur Urteilsbegründung. "Sie hat eher den Eindruck, dass er nicht zwischen Mein und Dein unterscheiden konnte - wie schon in der Vergangenheit." Immer wieder sei der Bückeburger wegen Diebstahls bestraft worden. Und nicht nur deshalb: Auf das Konto des 26-Jährigen gehen auch Verurteilungen wegen schweren Raubes, Körperverletzung, Drogenhandels oder versuchter räuberischer Erpressung. Eine positive Sozialprognose, Voraussetzung für Bewährung, sah Richter Rohde nicht. Zwar hatte der Bückeburger versichert, einen Job bei einem Verwandten in Aussicht zu haben. "Aber wieso hat er diese Stelle nicht schon angetreten?", fragte der Vorsitzende eher rhetorisch. "Eine schriftliche Bescheinigung hat er nicht vorgelegt. Außerdem muss der Angeklagte damit rechnen, irgendwann abgeschoben zu werden." Wann das passieren könnte, ist zurzeit noch offen. Für das Heimatland des Flüchtlings gelte zurzeit ein Abschiebe-Stopp, wie Verteidiger Oliver Theiß erklärte. Gegen Bewährung und für eine Verwerfung der Berufung plädierte auch Staatsanwalt Hans-Christian Rümke. In erster Instanz hatte das Amtsgericht den Angeklagten ebenfalls zu sechs Monaten Haft verurteilt. Rechtsanwalt Theiß wollte in beiden Instanzen auf Freispruch hinaus. Begründung: "Weil er das Rad zurückbringen wollte, kann meinem Mandanten keine Zueignungsabsicht nachgewiesen werden." Die Richter sahen das anders.




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