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Fünf Vögel gesichtet – wird Hachmühlen ein Storchendorf?

HACHMÜHLEN. Früher Normalität, heute eine kleine Sensation, die die Dorfbewohner an den Ortsrand pilgern lässt: In Hachmühlen sorgte eine fünfköpfige Storchengruppe am Sonntag für Aufsehen. Die Wiesen zwischen dem früheren Alt-Neustadt und Hachmühlen hatten es den großen schwarz-weißen Schreitvögeln angetan.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Fünf Störche suchen am Ortsrand von Hachmühlen im frisch gemähten Gras nach Nahrung. Foto: Hanke

Autor:

Gerhard Honig und Jens Rathmann

Landwirt Ralf Flügge-Kranz hatte ihnen den Tisch reich gedeckt, indem er eine Wiese mähte, die offenbar mit vielen Heuschrecken und anderem Kleingetier zu einer üppigen Storchenmahlzeit einlud.

Der Anblick einer Storchenfamilie – offenbar handelt es sich bei den Gästen um ein Paar mit drei Jungtieren – schürte Emotionen und war auch in Hachmühlen schnell Ortsgespräch. Ältere Einwohner erinnerten sich an Reime aus Kinderzeiten wie „Klapperstorch du Bester, bring mir eine Schwester“. Viele Jahre wurde der „Klapperstorch“ mit der Ankunft Neugeborener in Verbindung gebracht, heute gilt ein Storchenvorkommen als Synonym für eine halbwegs intakte Natur. Und so werteten die Storchenfans am Sonntagnachmittag den ungewöhnlichen Besuch auf den Wiesen am Ortsrand als gutes Zeichen. Radfahrer und Fußgänger, die den schmalen Wiesenweg ganz in der Nähe der Vögel passieren, wurden von den Elterntieren zwar aufmerksam beäugt, brachten die Gruppe aber bei der Nahrungssuche oder Gefiederpflege nicht aus der Ruhe. Rücksicht nahmen auch die Familien von Afra und Stefan Gewand sowie Jens Fredebold mit Marina, die an der Hamel ihre Beobachtungsposten bezogen hatten. Naturfreund und Jäger Wilfried Hanke kam mit dem großen Teleobjektiv an der Kamera – nicht nur um zahlreiche Schnappschüsse zu „erbeuten“, sondern auch, um die Beringung der Elterntiere zu identifizieren.

Mit „DEW 4T078“ war der Ring eines Vogels codiert, und diese Ziffernfolge ermöglicht eine Zuordnung zum Geburtsort des Tieres: In Bensheim-Auerbach, zwischen Frankfurt und Heidelberg gelegen, schlüpfte der Storch nach Auskunft von Benita Gottschlich vom Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ 2015 aus dem Ei. Das befand sich in einem Horst hoch oben auf der Reklametafel eines Supermarktes, wie aus der detaillierten Notiz der Beringer hervorgeht. Der Partner oder die Partnerin – beim Beringen der Jungtiere wird das Geschlecht nicht festgehalten – wurde im Mai vergangenen Jahres als Küken in Wiebrechtshausen bei Northeim markiert. Das Hauptziel von Gottschlich und ihren Kollegen in der Beringungszentrale des Instituts für Vogelforschung ist die Sammlung von Daten, die der Wissenschaft und dem Naturschutz dienen. „Sie ist kein Selbstzweck, sondern eine wissenschaftliche Methode, um möglichst viele Informationen über das Leben der Vögel zu sammeln“, heißt es dort. Beringt werden nicht nur Störche, sondern auch zahlreiche andere Arten.

Christel Waldeck, auf deren Wiesen die zweite Mahd noch aussteht und die hofft, der Storchenfamilie dann neue Leckerbissen bieten zu können, hatte schon am Abend zuvor beobachtet, wo die Störche ihr Nachtquartier aufschlugen: Jeder Storch hatte auf einem der Flutlichtmasten am benachbarten Sportplatz geschlafen, bevor früh am Morgen der „Frühstückstisch“ gleich nebenan auf der Wiese lockte.

Einziger Wermutstropfen für die Storchenfans in Hachmühlen: Ihr Einsatz für die Ansiedlung eines Storchenpaares an der Mühle wurde bislang nicht belohnt. Einen soliden Horst hatten Helfer dort an der Hamel errichtet, ein Nest präpariert, doch: Der Storch, der einige Tage in Hachmühlen auf Partner oder Partnerin wartete, zog dann weiter. Die aktuelle Storchendichte hegt jedenfalls erneut die Hoffnung auf eine Ansiedlung der sympathischen Vögel in der Zukunft.



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