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Vor Gericht: Boss entlastet Bückeburger

Führerscheine aus Tschechiens Fälscherwerkstatt

Bückeburg (ly). Vom Typ ist Erwin (57) ein Schlitzohr. Manche würden ihn vielleicht auch als liebenswerten Gauner bezeichnen. Bei aller Liebe ist der Knacki jedoch vor allem ein Krimineller. Mit seiner Masche, ahnungslosen deutschen Verkehrssündern gefälschte tschechische Führerscheine zu beschaffen und einige kostenlose Stunden in Erwins Prager Fahrschuledraufzulegen, hat er wohl Hunderttausende gescheffelt.

Ein einträgliches Geschäft, bloß leider illegal. Und ausgeben kann Erwin das viele Geld schon mal gar nicht. Siebeneinhalb Jahre Haft hat ein süddeutsches Gericht ihm als Kopf der Fälscherbande aufgebrummt. Im Urteil stehen 464 Fälle. Kein Wunder, dass Erwin quer durch Deutschland seine Spuren hinterlassen hat. Zurzeit tourt er als Zeuge von Gericht zu Gericht - in Handschellen. Auf dieser Tour hat Erwin kürzlich auch Bückeburg besucht und mit seiner unnachahmlichen Art bei allem Ernst für Heiterkeit gesorgt. Vor der 1. Großen Strafkammer müssen sich in einem Fälscherprozess zwei Bückeburger verantworten, Vater (61) und Sohn (39). Die Staatsanwaltschaft sieht in den Männern Erwins Vermittler. In 15 Fällen sollen sie gefälschte Führerscheine aus Tschechien eingeführt und an Deutsche verkauft haben - für bis zu 2800 Euro pro Lizenz. Wenn die Dokumente echt sind, ist das ganz legal. Verkehrssünder, die ihre Fahrerlaubnis losgeworden sind und sich um eine Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) drücken wollen, den "Idiotentest", kommen so an Führerscheine. In der EU hat daher ein regelrechter Führerschein-Tourismus eingesetzt. Zu den Vorwürfen schweigen der Vater, ein als Geschäftsmann recht bekannter Bückeburger, und sein Sohn. Entlastet werden die Männer ausgerechnet von Bandenchef Erwin. Natürlich, so ließ dieser die Kammer unter dem Vorsitz von Richterin Dr. Birgit Brüninghaus wissen, habe er den Angeklagten nicht erzählt, dass die Führerscheine gefälscht gewesen seien. Als Belastungszeugin vorgesehen war eigentlich eine junge Frau, die es vor nicht langer Zeit als angebliche Geliebte eines prominenten Bückeburgers in die Schlagzeilen geschafft hatte. Vor Gericht ruderte die Zeugin, die auch dem jüngeren Angeklagten sehr zugetan (gewesen) sein soll, dann allerdings zurück. Vorgeworfen wird den Angeklagten gewerbs- und bandenmäßige Urkundenfälschung in Tateinheit mit der Einführung unechter amtlicher Ausweise. Darüber hinaus soll der Sohn dreimal ohne Fahrerlaubnis mit dem Auto unterwegs gewesen sein. Der Prozess kann sich noch etwas hinziehen: Auf der Zeugenliste stehen 29 Namen.



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