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Führerschein ab 16: Fahrlehrer in Bad Münder sind dafür

BAD MÜNDER. Niedersachsen könnte wieder eine Vorreiterrolle in Sachen Führerschein einnehmen: Nach dem inzwischen bundesweit eingeführten Führerschein ab 17 will Verkehrsminister Olaf Lies noch einen Schritt weiter gehen und in Niedersachsen das begleitete Fahren ab 16 Jahren ermöglichen.

Mit 16 ans Steuer – Fahrlehrer begrüßen die Initiative. Foto: Dittrich
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Wir haben nachgefragt, wie das die Fahrschulen beurteilen, die die jungen Erwachsenen ans Steuer gewöhnen. Der Tenor: positiv. Probleme sehen die Fahrschullehrer aber an anderer Stelle.

„Eine gute Idee“, sagt Jutta Kiesel gerade heraus. Die Inhaberin der Fahrschule Trend in Bad Münder ist von dem Konzept überzeugt. Es habe mit der Einführung des Führerscheins mit 17 zwar einigen Unmut unter den Fahrlehrern gegeben, aber die Statistiken seien eindeutig. „Die Unfallzahlen sind runter gegangen.“ Das könnte wieder passieren, wenn das Alter weiter gesenkt wird. Außerdem sei der Schritt logisch: „Jugendliche können mit A1 auch alleine auf dem Motorrad sitzen. Das halte ich für viel gefährlicher.“ A1 ist der Führerschein für Motorräder mit 125 Kubikmeter Hubraum. Mit 16 Jahren gibt‘s auch den Rollerführerschein

Andreas Ohrdorf begrüßt den Vorschlag aus einem anderen Grund: „Viele Fahrschüler werden gar nicht schnell genug fertig.“ Die Fahrstunden und Prüfungen belasteten die Jugendlichen neben Schule und Hobbys sehr stark. „Wir haben oft Schwierigkeiten, Zeit für Fahrstunden zu finden“, sagt der Inhaber der Academy-Fahrschule in Münder. „Die Schüler haben zu viele andere Sachen im Kopf.“

Was dazu führe, dass die Jugendliche ihren 17. Geburtstag feiern – aber vom eigenen Lappen weit entfernt sind, also nicht lange in Begleitung aufs Gaspedal treten. Könnte der Nachwuchs bereits vor dem 16. Geburtstag die Fahrstunden absolvieren, bliebe bis zur Volljährigkeit mehr Zeit zum Üben – Bekannte oder Angehörige könnten länger über die Schulter gucken. Denn genau das könnte die Unfallzahlen weiter senken, legt zumindest das Ergebnis eines Forschungsprojekts der Bundesanstalt für Straßenwesen nahe.

Minister Lies hofft indes darauf, dass Niedersachsen mit der Testphase erneut eine Vorreiterrolle einnimmt, nachdem der Führerschein ab 17 von Experten als Erfolg gefeiert wird. „Das hat wie eine Bombe eingeschlagen“, sagt auch Ohrdorf heute.

Fahrlehrer Klaus Sandmann ist zurückhaltender. „Mit wehenden Fahnen gehe ich da nicht rein“, sagt er. Bei der derzeitigen Belastung der Schüler bleibe auch bei 16-Jährigen nicht viel Zeit übrig, „und nach acht Stunden Unterricht fahre ich nicht mehr.“ Da sei der Lerneffekt zu gering. Ohnehin sei es schwieriger, Jugendlichen, die noch zur Schule gehen, Verantwortung und Risiken im Straßenverkehr zu vermitteln. „Ich arbeite lieber mit Menschen, die schon in der Lehre sind.“



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