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Vor Gericht: Zeugen mitüberraschenden Aussagen / Wahrheit bleibt auf der Strecke

Freispruch nach einer Klopperei im Knast

Bückeburg (ly). Jeder Knast hat eigene Regeln. Die Wahrheit kann schon mal auf der Strecke bleiben. "In der Anstalt herrschen besondere Verhältnisse", erklärt Richter Armin Böhm. "Es gibt Gruppenbildung, Sympathisanten und Gegner." So lässt sich ein Fall aus dem Bückeburger Gefängnis erklären, der jetzt das Amtsgericht beschäftigt hat und mit einem Freispruch zu Ende gegangen ist. Es ging um gefährliche Körperverletzung.

Angeklagt war ein früherer Bückeburger Insasse (32), der sofort nach der Auseinandersetzung im Dezember 2007 in die Justizvollzugsanstalt Sehnde (Region Hannover) verlegt worden ist. Auf dem Flur soll der 32-Jährige einen anderen Häftling, bei dem er Schulden hatte, im Streit am Hals gepackt und dem mutmaßlichen Opfer (38) einen Kopfstoß ins Gesicht versetzt habe. Die Folge: ein angebrochenes Nasenbein. Vor Gericht war die Verwirrung bald perfekt. Ein Zeuge hatte Erinnerungslücken und will plötzlich kaum etwas gesehen haben. Begründung: "Eine Palme stand dazwischen." In einer ersten Vernehmung kurz nach der Klopperei hatte der Knacki sinngemäß erklärt, der Angeklagte habe dem zweiten Mann einen Kopfstoß verpasst, worauf dessen Kopf durch die Wucht gegen das Gitter geprallt sei. Ein weiterer Zeuge, ebenfalls Häftling, verlegte den Zwischenfall gar in eine Zelle, obwohl dieser auf dem Flur stattgefunden hat. Beiden Männern könnten nun Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage drohen. Der Sachverhalt ließ sich jedenfalls nicht mehr aufklären, wie Staatsanwalt Dieter Liese und Verteidiger Alexander Fischer übereinstimmend erkannten. Deshalb Freispruch. "Nach Tätlichkeiten, bei denen viele Leute herumgestanden haben, gibt es häufig unterschiedliche Aussagen", so Amtsrichter Armin Böhm. Bei der Aufklärung macht die Justiz zwischen Knackis und bislang gesetzestreuen Bürgern, die zum ersten Mal vor Gericht stehen, keinen Unterschied. Vorverurteilung gibt's nicht. Wegen Körperverletzung vorbestraft sind übrigens beide Beteiligten, und beide schildern den frühen Abend des 28. Dezember unterschiedlich. Der verletzte Häftling will "blitzartig" angegriffen worden sein: "Er hat mich auf die Nase getroffen, damit war das Thema durch." Dagegen behauptet der Angeklagte, er selbst sei mit dem Kopf voran angegriffen worden: "Ich habe meinen Kopf gesenkt, und dabei hat er sich seine Nase gestoßen." Den Freispruch hörte der gebürtige Stadtoldendorfer, dessen Vorstrafenregister 25 Eintragungen umfasst, mit einem Lächeln. Nachdem gerade ein Jahr abgesessen ist, verbüßt er zurzeit weitere acht Monate. In die Verlängerung wäre der 32-Jährige nur ungern gegangen.




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