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Für die Hälfte der Offerten findet sich kein Bieter / Fast desaströses Desinteresse im Rathaussaal

"Freie Versteigerung" als Schlag ins Wasser

Bückeburg (bus). Die Bückeburger Premiere einer hierzulande relativ neuen Methode der Immobilienverwertung hat sich am Freitag im großen Sitzungssaal des Bückeburger Rathauses als ein ziemlicher Schlag ins Wasser erwiesen. Die vom Büro Wuppertal der Firma "Freie Immobilien Auktionen" veranstaltete sogenannte freie Versteigerung, die auf der Freiwilligkeit der Besitzer basiert, förderte ein beinahe desaströses Desinteresse zutage - für die Hälfte der 18 angebotenen Objekte, zumeist Häuser und Wohnungen, fand sich kein Bieter.

Uli Grothoff nennt den Verlauf der Auktion "sehr ungewöhnlich",

Das sei "sehr ungewöhnlich", konstatierte Auktionator Uli Grothoff, üblicherweise betrage die Zuschlagsquote 90 Prozent. Ebenfalls ungewöhnlich: Von der sonst für Auktionen typischen spannungsgeladenen Atmosphäre war im voll besetzten Saal kaum etwas zu spüren, etliche Offerten wechselten den Eigentümer zum Startpreis. Selbst vermeintliche Schnäppchen entgingen - zum ersten, zum zweiten und zum dritten - dem Hammerschlag des Auktionators. Ein leerstehendes Wohn- und Geschäftshaus samt 250 Quadratmeter großem Grundstück in Rinteln für 28 000 Euro: Kein Gebot; eine Eigentumswohnung in Buchholz (Verkehrswert 50 000 Euro, 107 Quadratmeter) für 15 000 Euro: Kein Gebot; ein zwei Familien Platz gebendes Haus in Hessisch-Oldendorf (Wohnfläche 130, Grundstück knapp 1 000 Quadratmeter) für 35 000 Euro: Kein Gebot. Im Saal nicht, per Telefon nicht und von angeblich "hunderten" per Internet verbundenen Interessenten schon gar nicht. Da half auch Grothoffs blumiges Vokabular den Bietern nicht auf die Sprünge. Ob er mit "sagenhaft, absoluter Kampfpreis" argumentierte, die monetäre Eigendynamik ("zahlt sich von selbst") herausstellte, ins Konditorfach wechselte ("Sahnestückchen"), Vergleiche aus der Automobilbranche heranzog ("zwei Häuser zum Preis eines gut ausgestatteten Kleinwagens") oder mitFormeln der Selbstbeschwörung ("das muss doch machbar sein") zu Werke ging - von den Bieterkärtchen war häufig weit und breit nichts zu sehen. Die Kärtchen blieben auch unsichtbar, als mit einem leerstehenden ehemaligen Feuerwehrhaus "mal wieder ein bisschen Spaß in die Sache kommen" sollte. Für das im Hessisch-Oldendorfer Ortsteil Bensen eines Käufers harrende Gebäude mochte sich abermals niemand erwärmen. 195 Quadratmeter Grundstücksfläche, schmucker Schlauchturm anbei, komplette Architekturunterlagen im Wert von 3 500 Euro inklusive, fast händeringend mit der Anpreisung "das es so etwas überhaupt gibt" für 7 000 Euro angeboten - das Publikum reagierte hammerhart und beließ die Okkasion im Fundus des Auktionshauses.



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