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Französische Lieder und singende Weingläser im „Willis“

BAD MÜNDER. Chansons in der deftigen Klangkulisse einer Kneipe? Geht das überhaupt? Sie seien vorgewarnt gewesen, sagt Sängerin Maja Hilke aus Göttingen. Sie singt schwerpunktmäßig Chansons, Klezmer und Artverwandtes, und hat sich im Bereich der Klassik auf Oratorien und Neue Musik spezialisiert.

Gefühlvoll und ausdrucksstark: Maja Hilke und Malte Hollmann bei ihrem Auftritt im „Willis“. Foto: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

An ihrer Seite, zurückhaltend, unaufdringlich, der Pianist Malte Hollmann aus Hannover, der sich an diesem Abend im „Willis“, der Kneipe des Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrums am Deisterhang, auch als virtuoser Akkordeonspieler beweist.

„Mauve“, nach dem blasslila der wilden Malve, so hat sich das Duo benannt, wagt es mutig, sich dem Kneipenlärm und dem respektlos lauten Treiben der vom Tagesgeschäft ermatteten Seminarteilnehmer einer weltbekannten Keramikfirma aus dem Saarland musikalisch entgegenzuwerfen.

Von unten, aus der Kernstadt, hat nur ein einziges Ehepaar den Weg hinauf ins „Willis“ gefunden. Zum ersten Mal und verwundert darüber, dass die Münderaner hier fernbleiben. Zusammen mit einem Männertrio, das aus Springe über den Berg gekommen ist, genießen die beiden stillen Zuhörer die ausdrucksstarke, großartige Stimme der jungen Mezzo-Sopranistin, die auch schon mal einem leicht Berauschten an der Theke ein lautstarkes „Bravo“ abringt.

Charme und die Stimme
verfehlen ihre Wirkung nicht
Mit leicht ironischem Unterton erzählt die Künstlerin vom Absinthrausch einer Baudelaire-Vertonung, „Le serpent qui danse“, die tanzende Schlange. Natürlich sind Lieder des unlängst verstorbenen Charles Aznavour dabei, dessen Liebe zu einem jungen Mädchen hoffnungslos bleibt, reißt die Interpretation von Brels grobschlächtigem und trotzigem Klassiker „Port d´Amsterdam“ einen fast vom Hocker. Maja Hilke untermalt die tief bewegende Eigenkomposition „Valse de Mamie“, in der sie sich damit auseinandersetzt, dass ihre Oma den Nazis hinterherlief, mit den sphärischen Klängen singender Weingläser, während an der Theke maßkrugweise und geräuschvoll Bier nachgeschenkt wird.

Dennoch gelingt es der jungen Frau im samtenen, tiefdunkelblauen Kleid, auch Hartgesottene zum Innehalten zu bewegen. „Chansons sind eine ernste Angelegenheit“, sagt sie ohne jeglichen Anflug von Vorwurf. Das richtige Programm, der falsche Ort? Nicht unbedingt, denn auch das bierseligste Raubein kann durch den Charme und die Stimme einer Frau bezaubert und gezähmt werden. Maja Hilke hat‘s mit „Mauve“ bewiesen.

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