×
Müntefering spricht beim SPD-Abend

"Franz, schön, dass du wieder da bist"

Stadthagen (ssr). Vor rund 370 Zuhörern im überfüllten Ratskellersaal hat der neu gewählte SPD-Vorsitzende Franz Müntefering gestern Abend seine einstündige Rede vor allem dazu genutzt, den Genossen Mut und Selbstvertrauen zuzusprechen.

Schon beim Einmarsch wurde Müntefering mit Ovationen im Stehen und donnerndem Beifall begrüßt. "Franz, schön, dass du wieder da bist", brachte Bundestagsabgeordneter Sebastian Edathy die offenkundige Stimmung der anwesenden Genossen auf den Punkt, von denen viele in dem 68-jährigen Sauerländer geradezu die aktuelle Verkörperung der Sozialdemokratie sehen mögen. Müntefering hielt keine ausgeprägte Wahlkampfrede, drosch kaum auf andere Parteien oder Politiker ein. Vielmehr versuchte er den Genossen vor dem Hintergrund der zurückliegenden SPD-Krise Selbstvertrauen und Zuversicht einzuflößen. Dazu griff er eingangs in fast historisch-philosophischen Ausführungen auf lange Traditionslinien der Sozialdemokratie zurück, durch die Demokratie, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit erstritten worden seien. All' dieses müsse aber immer wieder neu errungen werden, wie die Globalisierung oder akut die Krise des Finanzsystems zeige. Die SPD sei in dieser Situation die Partei, die ökonomischen Erfolg und organisierte Solidarität miteinander verbinden könne. "Wir sind die Partei des Fortschritts, die Ideen und Mut hat, neue Dinge anzufassen", rief er aus. Das gelte es wieder stärker wahrzunehmen und auszustrahlen. In Abgrenzung zur Linken fügte er an: "Rot ist unsere Farbe, wir sind das Original." Kämpferisch wurde der SPD-Chef im Blick auf die Bankenkrise: "Geld darf nicht die Welt regieren, sondern das Primat demokratischer Politik." Als Konsequenz sprach er sich unter anderem für eine gesetzliche Regelung der Höchstgrenzen von Managergehältern aus, "wenn das freiwillig durch Ehrenkodexnicht funktioniert". Um den Folgen der Bankenkrise auf die Realwirtschaft zu begegnen, warb Müntefering für staatliche Konjunkturspritzen vor allem in den Bereichen Energie und Bildung. Zum Abschluss gab es doch noch eine Prise Wahlkampf. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier komme bei den Leuten gut an: "Wenn die ihn in seiner vernünftigen, seriösen Art im Fernsehen sehen, möchten sie ihn auch gerne im Wohnzimmer sitzen haben." Und nicht "so einen, der herumschreit wie Oskar", fügte er in Anspielung auf Oskar Lafontaine hinzu.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt