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Bilder-Nachlass der Malerin Brigitte von Götz wird zugunsten von Amnesty International verkauft

Form und Farbe verschmelzen zu Stimmungen

Bückeburg (thm). Schon bei der Langen Nacht der Kultur hatten sich die Räume der ehemaligen Fleischerei Viehmann an der Langen Straße in eine Kunst- und Gemäldegalerie verwandelt. Am kommenden Sonnabend, 27. Oktober, lässt sich das einstige Fleisch- und Wurstparadies um 11 Uhr erneut von der Muse küssen: Gezeigt werden Bilder der im Mai des Jahres 2005 verstorbenen Bückeburger Malerin Brigitte von Götz. Das Besondere: Die Bilder werden für einen guten Zweck verkauft.

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In der heimischen Kunstszene war Brigitte von Götz zu Lebzeiten beileibe keine Unbekannte, im Gegenteil: Sie hatte sich malend einen Namen gemacht. Mehrfach zeigte sie ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen - so zum Beispiel zusammen mit anderen heimischen Künstlern - in ihrer Wahlheimatstadt Bückeburg oder aber - im Künstlertausch - in Bückeburgs französischer Partnerstadt Sablé. Und auch in ihrer Geburtsstadt Berlin wurde ihr Werk mit einer Ausstellung gewürdigt. Einer der Höhepunkte im kreativen Schaffen von Brigitte von Götz aber war die große Einzelausstellung, welche aus Anlass ihres 90. Geburtstages im Niedersächsischen Staatsarchiv im Schloss zu sehen war. Die gegenständliche Malerei war ihr Metier. Landschaften, Stilleben, Bauwerke - all das hielt sie bevorzugt fest. Die Frage, wie ihre künstlerischen Vorstellungen technisch umzusetzen seien, war für sie eine offene. Der Umgang mit dem Pinsel für Bilder in Öl, Aquarell oder Gouache war ihr ebenso vertrautwie der mit Blei- und Buntstift, mit Kreide oder Radiernadel. Die Bildfläche verlassend, hat sich die Künstlerin sogar im dreidimensionalen Modellieren und Bildhauern versucht. Bei der Frage nach der Form verweilte sie weniger beim Detail, konzentrierte sich stattdessen auf Licht und Farbe, auf Schattierungen, auf das Wechselspiel von gedämpften und kräftigen Tönen. Farbfolgen schaffen Stimmungen, dessen war sie sich bewusst und setzte diese Erkenntnis als Stilmittel gekonnt um. Dabei war Brigitte von Götz zum künstlerischen Tun im Allgemeinen und zur Malerei im Speziellen im Grunde gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde: Nachdem ihre fünf Kinder in den frühen 1970er Jahren flügge geworden waren und sich in alle Winde verstreut hatten, hieß es - eingedenk eines Hollywood-Blockbusters - unversehens: Brigitte allein zu Haus. Nur gut, dass Tochter Melanie ihr just zu dieser Zeit einen großen Profi-Tuschkasten geschenkt hat: Für die gebürtige Berlinerin, die ihren Ehemann schon Jahrezehnte zuvor im Krieg verloren hatte, begann in diesem Augenblick ein wahrhaft buntes Leben. Dieses war, wovon sie nie sonderlich großes Aufheben gemacht hat, jedoch nicht allein von der Welt der Farbe geprägt. Mag sein, dass ihre Erfahrungen während des Krieges eine Rolle spielten: Jedenfalls setzte sich Brigitte von Götz, die die Wirren jener Zeit von Berlin über Sachsen nach Oberfranken und schließlich ins Schaumburg-Lippische geführt hatten, mit Vehemenz für verfolgte und drangsalierte Menschen in aller Welt ein und war zu Lebzeiten eine ständige Förderin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. In ihrem Testament hat Brigitte von Götz verfügt, ihre Bilder seien nach ihrem Tod zugunsten des Schaumburger Ablegers innerhalb der bekannten Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" zu verkaufen - eine Idee wie gemalt ... Öffnungszeiten: Fleischerei Viehmann, Lange Straße, bis zum 4. November täglich von 10 bis 19 Uhr.

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